Advertisement
HomeNeuigkeitenInterviewsKonzertePlattenBücherGalerienGewinnspiel
Sonntag, 20. Juli 2008 Home arrow Interviews arrow ESCAPADO: Nur wer sich verändert, kann sich selbst treu bleiben
Newsflash
Urlaub!
So, der Sommer ist wohl da und wir machen jetzt mal eine kleine Update-Pause bis zum 28.07.2008.

Bis dann.
Euer SMASH-MAG.com Team
 
SMASH-Foto
Wir Präsentieren
Partner
BLUE SHELL
LO-FI Merchandise
Concert Team NRW
Login





Passwort vergessen?
Feed Me Up
SMASH-MAG.com - Aus Liebe zur Musik
Social Bookmark
Eintragen bei: Mr. Wong Eintragen bei: Webnews Eintragen bei: Icio Eintragen bei: Oneview Eintragen bei:  FAV!T Social Bookmarking Eintragen bei: Favoriten.de Eintragen bei: Seekxl Eintragen bei: Social Bookmark Portal Eintragen bei: BoniTrust Eintragen bei: Power-Oldie Eintragen bei: Bookmarks.cc Eintragen bei: Newskick Eintragen bei: Newsider Eintragen bei: Linksilo Eintragen bei: Readster Eintragen bei: Yigg Eintragen bei: Linkarena Eintragen bei: Digg Eintragen bei: Del.icoi.us Eintragen bei: Reddit Eintragen bei: Simpy Eintragen bei: StumbleUpon Eintragen bei: Slashdot Eintragen bei: Netscape Eintragen bei: Furl Eintragen bei: Yahoo Eintragen bei: Blogmarks Eintragen bei: Diigo Eintragen bei: Technorati Eintragen bei: Newsvine Eintragen bei: Blinkbits Eintragen bei: Ma.Gnolia Eintragen bei: Smarking Eintragen bei: Netvouz Eintragen bei: Folkd Eintragen bei: Spurl Eintragen bei: Google Eintragen bei: Blinklist Information
Social Bookmarking
ESCAPADO: Nur wer sich verändert, kann sich selbst treu bleiben PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Jan Laging & Julia Fassbeck   
Donnerstag, 27. September 2007

Image
Gitarrist Sebastian und Drummer Christoph
"Wo ist der Interviewmensch, ich hab jetzt Bock“, schallt es auf dem Vorplatz der „Baracke“, in der noch Minuten zuvor dicht gedrängte Menschen für tropische Temperaturen gesorgt hatten. Nun war es plötzlich sehr still und dank der Münsteraner Luft bitterkalt. Dennoch befand sich der ESCAPADO Tross in bester Stimmungslage: Als Station kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Initiale“ und der darauffolgenden Tour, war das Konzert in der Studentenstadt mehr als eine gelungene Generalprobe gewesen. Dementsprechend locker und redselig zeigten sich Gitarrist Sebastian und Drummer Christoph, die sich viel Zeit für ein ausgiebiges Gespräch mit uns nahmen.

 

SMASH-MAG.com: Bevor wir auf die jüngere Vergangenheit und das neue Album „Initiale“ zu sprechen kommen, würde ich gerne noch kurz etwas über die Anfänge der Band wissen. Wie kam es eigentlich zu der Gründung von ESCAPADO?

Sebastian: Mit unserem Schlagzeuger Christoph mache ich schon sehr lange Musik und dann kam irgendwann Helge dazu. Wie sind früher alle zusammen zur Schule gegangen und haben erst einmal eine andere Band gehabt, die aber in eine andere Musikrichtung ging.

SMASH-MAG.com: Wie hieß eure Band denn?

Sebastian: Crane, aber das ist eigentlich wirklich unwichtig. Hamburger Schule. Und dann wollten wir irgendwann deutlich davon weg und haben nur zwei, drei Konzerte mit dieser alten Band gemacht. Als Helge dann dabei war, hat es sich auch schon ganz anders angehört, weil ich vorher noch selbst gesungen habe. Und dann haben wir halt ESCAPADO gegründet.

SMASH-MAG.com: Ich habe gehört, ihr hättet euch nach einem spanischen Rennpferd benannt?

Christoph: Ja, es gibt ein ganz berühmtes Rennpferd in Spanien, das mit uns aber nichts zu tun hat.

Sebastian: Als wir uns ESCAPADO nennen wollten, haben wir natürlich erst mal gegoogelt, weil wir wissen wollten, ob es den Namen „Escapado“ schon gibt und ob er irgendwo auftaucht, einfach auch um Copyright Probleme zu vermeiden. Später haben wir dann herausgefunden, dass es doch noch dieses Rennpferd gibt, aber das war uns dann egal.

SMASH-MAG.com: Ihr habt nach vielen Rückschlägen endlich euer neues Album aufgenommen und mit dem Gran Hotel eine neue, große Heimat gefunden. Euer erstes Album wird von einigen Vielen sehr verehrt und geliebt und sogar die Visions hat sich in euch verguckt. Vor der Veröffentlichung von „Initiale“ steht alles auf Sturm. Wie empfindet ihr die letzten Wochen vor der Veröffentlichung?

Christoph: Viel zu tun...

Sebastian: Ich habe ja gleichzeitig meine Examensklausur geschrieben und die ist dann auch nicht so gut gelaufen... In letzter Zeit war einfach viel zu tun und ich dachte, dass es weniger werden würde, weil wir jetzt auch jemanden haben, der uns beim Booking wirklich hilft.

Christoph: Trotzdem bleiben noch so viele Sachen zu koordinieren, an die man vorher gar nicht gedacht hatte. Obwohl da ja noch Vorinstanzen sind, muss man trotzdem noch viel selber machen.

Sebastian: Wir wollen ja auch die Kontrolle behalten und alle Schritte gehen noch immer über uns… und das sind jetzt im Moment sehr viele Schritte (lacht). Wir werden jetzt auch mit Sachen konfrontiert, bei denen man einfach überlegen muss: Macht man das jetzt oder lässt man es besser? Ja, es ist alles viel Arbeit…

SMASH-MAG.com: Und jetzt einmal abgesehen von den logistischen Dingen. Denkt ihr nicht manchmal, „jetzt sind wir bei ner große Plattenfirma und…“

Sebastian: Erst einmal ist das Gran Hotel keine große Plattenfirma. Es ist ein Indielabel, bei dem alles familiär abläuft; vier Leute machen das, von denen zwei hauptverantwortlich sind. Und sooo ganz viel anders als vorher ist es für uns auch nicht, weil wir früher auch schon zwei Leute hatten, die für uns zuständig waren. Die hatten jeweils ihr eigenes Label, über das wir uns kontaktiert haben. Ein Unterschied ist natürlich, dass das GHvC mit Indigo noch einen eigenen Vertrieb hat und man damit mehr Leute erreicht. Abgesehen davon ist es aber gar nicht viel anders, als die Leute vielleicht denken… es ist halt immer noch viel DIY! Es klingt vielleicht widersprüchlich, wenn man beim GHvC ist und trotzdem DIY, aber so ist es gar nicht, denn mit den Leuten, mit denen wir arbeiten verstehen wir uns super. Das ist auch bei anderen Sachen so, z. B. mit dem Artwork, das wir dieses Mal abgegeben haben, da wir es nicht so gut können. Das hat der Benni gemacht, der auch heute das Konzert in der Baracke organisiert und auch schon das erste Konzert mit uns gemacht hat. Aber jetzt mit dem Gran Hotel können wir die Leute auch mal bezahlen. Früher lief das immer über Freundschaften, so „du kriegst unsere Platte“ und jetzt bekommt er halt ein bisschen Geld. Das ist doch völlig korrekt – der hat 100 Stunden am Artwork gesessen. Aber generell: Die Leute mit denen wir arbeiten, sind alles Freunde von uns, auch die Leute vom Gran Hotel. Deshalb haben wir uns darauf eingelassen.

SMASH-MAG.com: Wo wir gerade beim Artwork sind, du Sebastian hast einmal gesagt, dass eure Heimat (Flensburg / Husum) eher eine indirekte Beeinflussung für eure Musik darstellen würde. Auf dem Albumcover prangen nun auf einmal Hafen, Möwe und Matrose. Wessen Idee war es, eure maritimen/nordischen Wurzeln so in den Vordergrund zu rücken?

Sebastian: Benni hatte sofort die Idee das Artwork in diese Richtung hin zu gestalten, weil er immer an diesen Bezug denken musste, wenn er ESCAPADO hört. Wir fanden das ganz gut und sehen das eher mit einem zwinkernden Auge. Natürlich ist es eine Hommage an unsere Heimat; da kommen wir her und ich denke mal, es wird auch immer so bleiben, dass wir uns dem Norden verbunden fühlen. Also, jetzt nach Bayern… das würde nicht gehen, da würde ich das Meer vermissen. Auf der alten Platte hatten wir ein Cover, das gut zum Titel gepasst hat. Dieses Mal wollten wir etwas haben, was uns generell ausmacht. Und dann ist da noch was: Vorne beim Schriftzug ist ein Albatros zu sehen und das hat schon eine Bedeutung. Denn damals, als die Schiffe zur See gefahren sind, hat ein Albatros Glück bedeutet und wir hoffen natürlich auch, dass wir mit der neuen Platte Glück haben werden.

Christoph in den Raum hinein: …Wasser muss schon sein!

SMASH-MAG.com: Wie ist eigentlich der Kontakt zum Gran Hotel zustande gekommen?

Christoph: Der hat sich über Myspace entwickelt. Der Thees (Uhlmann, Sänger von Tomte und Mitbegründer vom GHvC – Anm. d Verf.) ist auf unsere Myspace-Seite gekommen und hat alles ganz interessant gefunden, was wir so machen und dann haben wir über E-mails den Kontakt aufgenommen. Und so ist es dann in Hamburg zu einem Treffen gekommen.

Sebastian: Er und alle anderen vom Gran Hotel haben dann noch ein Konzert von uns in Rendsburg besucht und die Woche darauf war es eigentlich klar, dass es läuft. Bei unserem Treffen haben wir dann gesagt, was wir so wollen, was uns wichtig ist und wir beibehalten wollen und dann sind wir schnell zusammen auf einen Konsens gekommen. Und natürlich haben sie uns auch einen guten Vertrag angeboten… Also ich denke mal, wir stehen ganz gut da.

SMASH-MAG.com: Ehrlich gesagt waren nicht wenige davon überrascht, dass ihr plötzlich bei GHvC seid, weil die ja - zumindest bislang - im Hardcore oder Punk Sektor so gar nicht aktiv gewesen sind.

Sebastian: Ihr Angebot kam ausgerechnet zu einer Zeit, als ESCAPADO auf Eis lagen und obwohl wir an der Platte dran waren, wussten wir noch nicht, wie diese werden würde. Wir hatten ein paar Angebote vorliegen, aber das Gran Hotel hat uns von allen die meisten Freiheiten gelassen. Auch wegen ihren Roots, wie man Sachen angeht: Das Label hat sich damals ja gegründet, als niemand die erste Kettcar Platte veröffentlichen wollte. Mit ESCAPADO war es halt so ähnlich; uns wollten zwar auch andere veröffentlichen, aber irgendwie schienen wir nirgendwo richtig reinzupassen. Auf einmal gab es immer mehr Parallelen und als wir uns dann auch menschlich verstanden haben, waren da keine Hindernisse mehr.

SMASH-MAG.com: Obwohl ihr im Vorfeld der Veröffentlichung ja einige Probleme innerhalb der Band hattet, klingt das Songwriting sehr viel ausgereifter. Ich persönlich finde z.B. die Rolle des Schlagzeugs von Christoph interessant, welches viel stärker die Stimmungen der einzelnen Stücke transportiert. Früher schien es so, als sei das Songwriting und das Texten zu 80% auf Sebastian und zu 20% auf Helge zurückzuführen. „Initiale“ klingen aber vielmehr nach einer echten „Mannschaftsleistung“ und innerlich geschlossener. Deshalb interessiert es mich wie der Entstehungsprozess der Stücke dieses mal abgelaufen ist?

Christoph: Die Vorbereitung zu „Hinter den Spiegeln“ war eine ganz andere, wie jetzt bei „Initiale“. Das ganze Arbeiten, wie man im Studio aufnimmt und die ganze neue Technik: Damals war das eher so, „reingehen – machen“.

Sebastian: Seit den Aufnahmen haben wir einfach sehr viel live gespielt und immer mehr ein Gefühl dafür bekommen, wie ESCAPADO nun klingen sollen. Und natürlich sind wir als Musiker auch einfach besser geworden.

Christoph: Dieses Mal haben wir uns ganz anders mit den Stücken auseinandergesetzt, welche Struktur sie haben sollen; was da noch so reinpasst und was der Song überhaupt noch braucht.

Sebastian: Damals bei „H.d.S.“ war alles ziemlich direkt: Wir sind mit acht Stücken ins Studio gegangen und haben dann zehn aufgenommen. Wir wussten schon ungefähr, „dies ist der erste Song, das ist der letzte Song. Lass uns dazwischen noch mal was tauschen und ja, so funktioniert das am Besten“. Und dann war die Platte plötzlich fertig. Die 7-Inch lief schon ganz gut und wir konnten damals wirklich gar nicht einschätzen wie „H.d.S.“ bei den Leuten ankommen würde, mit viel mehr Gesang drauf. „Ob das den Leuten gefallen wird?“ Vorher gab es ja noch nicht so viele Bands, die so etwas gemacht haben, außer Yage und vielleicht Loxiran. Zwischendurch hat man immer mal wieder Zweifel, aber bisher sieht es ganz gut aus… Und „H.d.S.“ jetzt noch einmal zu machen… wir hatten da so ein paar Songs, die es hätten zulassen können… aber das hätte uns auch keinen Spaß gemacht.
Dieses Mal hatten wir einfach viel mehr Arbeit: „H.d.S.“ war wirklich noch live, die war in zwei Monaten fertig und dann war das auch gut so! Mit der neuen Platte hätte das nicht funktioniert, auch von der Produktion her: Wir hatten nicht die finanziellen Möglichkeiten eine richtig große Platte, mit einem großen dicken Sound aufzunehmen, aber die Songs verlangten eigentlich schon danach. Mit den billigsten Mitteln das Größte rauszuholen, das war schon viel Arbeit.

SMASH-MAG.com: Im letzten Jahr hatte euer Bassist Lars seinen Ausstieg verkündet, woraufhin ihr über Internetseiten nach einem Nachfolger gesucht habt. Wie seid ihr letztendlich auf Gunnar gestoßen?

Christoph: In Kiel hatte ich noch ein Side-Project am laufen, bei dem Gunnar Gitarre gespielt hat. Ich war dann eine Zeit lang in Dublin und bekam eine Mail von ihm, dass wir ja jemanden für den Bass suchen würden und wir ja mal gucken könnten, ob das zusammen funktionieren würde. Als ich dann in den Weihnachtsferien wieder zurück in Flensburg war, haben wir zusammen eine Session gespielt, für die er ein paar Stücke eingeübt hatte und ja… bisher läuft alles optimal. Es ist ja immer schwierig, wenn eine Person in eine so feste Konstellation hineinkommt, aber die Stimmung in der Band ist jetzt viel besser.

Sebastian: Wir haben da wirklich Glück gehabt und werden in dieser Form auch „bis zum bitteren Ende“ weitermachen. Wir haben einfach keinen Bock mehr auf Veränderungen und außerdem fühlt es sich gerade sehr gut an. (Kurze Pause) Ich finde auch das, was jetzt ist, ist ESCAPADO!

SMASH-MAG.com: Kommen wir jetzt einmal auf Stücke eures neuen Albums zu sprechen, von denen einige recht ungewöhnlich betitelt sind. Was kann man sich beispielsweise unter dem/einen „Kommando Mosfet“ vorstellen?

Beide überrascht: Was, du willst nichts über „Coldblackdeathbloodmurderhatemachine“ wissen? Das wollen sonst immer alle…

Sebastian: Naja, ich kann das mal ganz knapp erklären: Eigentlich hieß der Song schon seit zwei Jahren „Worte“ und ist das erste Stück von uns nach „H.d.S.“. Zwischenzeitlich haben wir Konzerte mit Todd Anderson und einer anderen Band zusammen gemacht, die auch beide einen Song „Worte“ hatten. Und als uns dann aufgefallen ist, dass die meisten Stücke auf „Initiale“ aus einem Wort bestanden, haben wir dann halt einen Zweiworttitel genommen (lacht). Einen Abend, bevor die Platte fertig war, kam ich dann eben auf „Kommando Mosfet“. Ich fand, dass klang mächtig! (Pause) „Mosfet“ ist ja so eine Endstufe/Verstärker und weil Helge am Anfang dreimal „Worte“ schreit, hört es sich an wie ein Kommando. Eigentlich brauchten wir aber nur schnell einen neuen Titel…

SMASH-MAG.com: Eben gerade habt ihr „Coldbackdeathbloodmurderhatemachine“ angesprochen und ich muss sagen, dass mich gerade der Anfang frappierend an ein Lied der Gruppe Beloved (R.I.P.) („Kiss It Goodbye“) erinnert. War das Zufall oder Absicht?

Beide durcheinander: Jaja, dass war Zufall… total.

Sebastian: Neulich hat uns das schon einmal jemand geschrieben, dass die Stücke gleich wären und ich dachte nur, „Beloved – kenn´ ich nicht“. Dann hat er mir die MP3 geschickt, ich habe es mir angehört und muss sagen, dass ist zwar der selbe Akkord und die selbe Melodie danach, aber eine andere Taktart! (strahlt) Es ist Zufall… kann ja immer mal passieren… so zwölf Töne…

Christoph dazwischen: …keine Ideen… (lacht)

Sebastian: Die ersten 20 Sekunden sind schon ziemlich gleich, aber danach ist „Coldblack“ schon anders. Als ich es das erste Mal gespielt habe, dachte ich bei mir, dass ich den Song irgendwo anders her kennen würde. Aber das Stück von Beloved kannte ich wirklich nicht. Uns ist so etwas schon bei „Magnolien“ im Studio passiert, als jemanden ein Part an Thursday erinnerte. Ich habe mir das Stück angehört und dachte nur „krass, genau der selbe Rhythmus“ und habe dann nachträglich noch schnell eine andere Melodie eingespielt. Aber das ist echt keine Absicht gewesen – ich würde nie absichtlich einen Song nehmen und das genauso nachspielen. Auf keinen Fall, das wäre mir viel zu dumm!

Christoph: Dann sind wohl eher so Sachen, die unterschwellig passieren. Schließlich will man ja auch was Eigenes kreieren.

SMASH-MAG.com: In einem anderen, älteren Interview hast du Sebastian mir gesagt: „Nur wer sich verändert, kann sich selbst treu bleiben“. Ich finde besonders, dass man euren Song „Solange du weißt“ in diese Richtung deuten könnte: „Texte (…) wurden weitergereicht, an Menschen, die sie annehmen, an Menschen, denen bewusst ist, dass Gedanken sich bewegen“. Wer hat denn den Text geschrieben und kann man den eher persönlich oder auch in Bezug auf eure Band auslegen?


Sebastian: Beides. Helge schriebt überwiegend die Texte und ich habe dann halt manchmal so Zeilen, die ich ihm dann gebe und er schreibt drum rum. Bei „Solange du weißt“ ist es so, dass der Text genau das beschreibt, was du meintest: Was passiert, wenn man die Erwartungen von anderen Leuten nicht erfüllt und einfach einen anderen Weg einschlägt und sich verändert? Andererseits passt er auch gut zu dem Song, gerade weil er so aus der Platte herausfällt. Deswegen haben wir ihn mit auf die Platte genommen, weil der Text so für sich spricht und gleich die Antwort gibt, warum der Song so anders ist. Wir mögen den Song auch und werden ihn auch ab und zu mal live spielen.

SMASH-MAG.com: Wenn sich Gedanken bewegen und eure Texte immer weitergereicht werden, nach der Maxime „nur wer sich verändert, kann sich treu bleiben“, habt ihr schon mal daran gedacht, auf der Bühne viel mehr zu improvisieren und beispielsweise eure alten Texte weiterzuentwickeln und umzuschreiben?

Sebastian: Wir sind generell keine Band, die jeden Song gleich spielt und das haben wir heute auch nicht gemacht: „7:58“ war anders, „Coldblack“, „Ausgeblendet“ und andere Stücke. Ich find einfach, dass „live“ und „auf Platte“ was anderes sind: Wenn der Song auf der Platte funktioniert, muss er live noch lange nicht funktionieren! Manchmal wissen wir bei den Konzerten selbst nicht so genau, wann jetzt der nächste Part kommt. Wir lassen es dann einfach laufen und gucken was dabei herauskommt. Es ist zwar nicht so wie bei The Mars Volta, dass jeder Song improvisiert ist, aber wir haben im Set immer so drei, vier Stellen, bei denen wir vorher nicht wissen, was dabei herauskommt und dann gucken wir halt mal.

SMASH-MAG.com: Ein wenig hat es den Anschein, dass ihr euch jetzt für die eventuelle Szenekritik schon im Vorfeld rechtfertigen wollt („Du hast es angedeutet, nicht alle haben es bemerkt, und wenn sie jetzt enttäuscht sind, dann können sie dir egal sein“). Kann euch unsachliche Kritik nicht völlig egal sein, oder geht es euch auf die Nerven, wenn man im Internet Sachen wie „Mädchenhardcore“ usw. ließt?

Sebastian: Auf der einen Seite schon und dann wieder auch nicht. (Beide lachen) Ich finde es krass, dass dir das auffällt, denn genau das thematisiert der Song: Auf der einen Seite geht es dir voll am Arsch vorbei und deshalb „können sie dir egal sein“. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es gleich jemanden auffällt. Wir haben es jetzt halt einmal gesagt und damit haben wir auch alles gesagt.

SMASH-MAG.com: In vielen Kritiken wird darauf abgehoben, dass ihr eine „wütende, verzweifelte Gruppe“ seid, die sich „ihren Frust herausschreit“. Ich persönlich finde ja, dass eure Musik mitnichten nur negativ klingt und es durch aus „Hoffnungsmomente“ gibt.
Ist es so, seid ihr die kritische Denkerband oder habt ihr nicht einfach nur Spaß am Musikmachen? Ihr werdet sehr oft nur als negative Band dargestellt.

Sebastian: Wir sind schon sehr selbstkritisch und bedacht, aber natürlich verlieren wir nicht den Spaß an der Musik. Bei der „H.d.S.“ haben wir gemerkt, dass da sehr viele wirklich negative Stücke drauf waren. Daher hatten wir auch bei der neuen Platte beschlossen, dass wir mehr Hoffnung hineinbringen wollen, auch für uns selber. Wir wollen einfach ehrliche Musik machen und so ist das Leben ja auch: Es gibt positive und negative Sachen, die wir in unsere Musik einbringen wollen. Ich glaube wir haben immer noch einen leichten Hang zu – nicht negativen – aber eher melancholischeren Ebenen, weil das Musik immer gut darlegen kann. Wenn ich mir die Stücke ausdenke, bin ich einfach meistens in einer Phase, wo ich eher nachdenklich bin; wenn ich eher fröhlich bin, bin ich bei Freunden und freue mich.

Helge: Dass da jetzt auch mal Texte dabei sind, die sehr verzweifelt sind, dass heißt ja auch nicht, dass man keinen Spaß bei der Musik oder den Konzerten haben kann. Ich weiß nicht… man wird dann immer so gleich in eine Schublade gesteckt, als jemand der nur schwarz malt: Alles ist schlecht, alles ist böse. Trotzdem gibt es immer Zeiten, die man genießen kann, wo man nicht immer alles gleich hinterfragt, sondern den Moment genießt. 

 

Info: www.myspace.com/escapado / www.escapado.com

» Keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
E-Mail (wird nicht veröffentlicht)
Name
Titel
Kommentar
Captcha Image Code neu generieren, falls er unlesbar sein sollte
 
KontaktLinksImpressum
© 2008 SMASH-MAG.com - Aus Liebe zur Musik
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.