Wer sich für die historischen Hintergründe des Punk und den Werdegang der Sex Pistols begeistert, kommt am Bildband „A Tribute To Sex Pistols“ nicht vorbei
Die Geschichte des Punkrock ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Nicht wenige Protagonisten der damaligen Zeit schreiben sich auf die Fahne, mit ihrem Schaffen die Initialzündung einer Bewegung gewesen zu sein, die Kultur und Gesellschaft im Allgemeinen und die eingeschlafene Musik-Szene im Besonderen weltweit aus den Angeln hob und nachhaltig veränderte.
Ein Löwenanteil an dieser Revolution fällt dabei allerdings fraglos den vier in ihrer Anfangsphase musikalisch mehr oder weniger unbedarften Briten John Lydon, Glen Matlock, Steve Jones und Paul Cook sowie ihrem umtriebigen Manager, dem Boutique-Inhaber Malcolm McLaren, zu. Sie waren die ersten Hauptdarsteller der neuen Bewegung des Punk, die sich vom Großbritannien Mitte der Siebziger anschickte, die Welt zu verändern.
Punk und Pistols – eine Geschichte, die getrost als kurz und schmerzhaft bezeichnet werden darf. Ihren Anfang nahm sie am 6. November 1975 mit dem ersten Auftritt der Band in der Saint Martin’s School of Art in London, ihr Ende mit dem denkwürdigen Gig am 14. Januar 1978 im Winterland in San Francisco, den Lydon mit den Worten „Schon mal das Gefühl gehabt, beschissen worden zu sein?“ beendete und danach die Band verließ. Das Foto von John Lydon und seiner Mutter, die ihn nach dem Split und der Rückkehr aus den Staaten in London am Flughafen abholt, ist in seiner Absurdität herrlich kennzeichnend für die Band und ihren Werdegang.
Zwar existierten die Pistols in den Folgejahren noch weiter, doch die große Aufmerksamkeit vermochten die Aufnahmen von Jones und Cook mit Posträuber Ronnie Biggs oder die Soloaufnahmen des als Matlock-Ersatz verpflichteten Bassers Sid Vicious nicht mehr zu erregen. Letzterer gelangte nur noch durch seine ungeklärte Rolle beim mysteriösen Tod seiner Freundin Nancy Spungen und seinem eigenen Ableben durch Überdosis Heroin in die Schlagzeilen.
Auf eine bewegte Zeit blicken die Pistols dennoch zurück. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Erscheinens der Single „Anarchy in the U.K.“ ist im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag der Bildband „A Tribute To Sex Pistols“ erschienen, der eindrucksvolle Fotodokumente aus der wilden Schaffenszeit der Pistols und in gebotener Kürze aus der Zeit der Comebacks 1996 und 2002 zusammenstellt. Das Gros der Bilder, darunter viele seltene, bis dato unveröffentlichte Fotografien, entstammen dem Archiv der Rex Collection, Großbritanniens führender Bildagentur. Für den Background sorgen die fundierten Kommentare von Autor Jeff Bench, freier Autor und Dozent für Musik, Design und Populärkultur.
Der Fundus umfasst private Aufnahmen aus dem Umfeld der Band, Dokumentationen von Auftritten in Clubs rund um London sowie diverse, aus heutiger Sicht abstruse Promo-Aufnahmen, zum Teil gemeinsam mit anderen Künstlern der Szene wie Siouxie And The Banshees. „A Tribute To Sex Pistols“ ist eigentlich weit mehr als der Name glauben lässt. Es ist eine Reminiszenz an eine Jugendkultur, festgemacht an einer ihrer prägendsten musikalischen Vorreiter. Ein essenzielles Werk über die Pistols, das ebenso wie John Lydons Biografie „No Irish, no Blacks, no Dogs“ in keiner Punk-Bibliothek fehlen sollte. Der rund 160 Seiten starke hochwertige Bildband ist im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen und für 29,90 Euro im Buchhandel erhältlich.
Infos: www.schwarzkopf-schwarzkopf.de
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