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Neue Bücher
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Geschrieben von Martin Fernholz
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Montag, 16. April 2007 |
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„Ich hatte nie lange Haare.“ So beginnt eines der witzigsten Rockbücher der letzten Jahren, das jetzt endlich auch auf Deutsch vorliegt. In „Fargo Rock City“ widmet sich Autor Chuck Klosterman dem Glam Metal der 1980er Jahre. Eine häufig viel gescholtene Musikrichtung, die auch unter den etwas abwertenden Bezeichnungen Cock Rock oder Hairy Metal firmierte.
Klosterman, aufgewachsen in einem 500-Seelen-Kaff im mittleren Westen der USA, entdeckt als Teenager Mötley Crüe für sich und verfällt augenblicklich dem Glam Metal. Hurtig umfasste seine Platten- oder vielmehr Kassettensammlung Werke solcher Bands wie Ratt, Warrent, Poison, Faster Pussycat, Bon Jovi, W.A.S.P., Cinderella und natürlich Guns n’ Roses. Krachige Gitarren, donnernde Drums, simple Mitgröhl-Refrains, dazu Tonnen von Haarspray, Kajal und Mascara – fertig war die prototypische Hair-Metal-Band. Auch die Urväter dieses Stils wie Black Sabbath, KISS oder Van Halen erfahren hier ihre gebührende Würdigung.
Millionenfach gingen die Alben dieser Gruppen seinerzeit über die Ladentheken, aber heute gibt kaum noch jemand zu, damals einer der Käufer gewesen zu sein. Wer behauptet, in den 80ern The Smiths, Talking Heads, Joy Division oder The Cure gehört zu haben, kommt halt gleich viel schlauer und anspruchsvoller rüber.
Aber nicht zuletzt deswegen: Mit vehementer Leidenschaft setzt sich der heutige Rockjournalist Klosterman für die toupierten Idole seiner Jugend ein. Was die Lektüre so amüsant macht, ist die ironische Distanz, die Klosterman gegenüber den Helden an den Tag legt. Dass Glam Metal den Intellekt nicht eben überstrapaziert oder musikalisch auch nicht sonderlich vielschichtig daher kommt, räumt der Autor unumwunden ein. Im Gegenteil: Scheiß auf kulturellen Anspruch, her mit dem Budweiser und alle Regler nach rechts, lautet seine Devise. So spürt der Leser in jeder Zeile die unverbrüchliche Liebe Klostermans zum Gegenstand seiner Bewunderung. Die amüsante Schreibe tut ihr übriges zum hohen Unterhaltungswert dieser Pro-Cock-Rock-Kampfschrift.
Ich habe mir übrigens noch während des Lesens, angefixt von Chuck Klostermans Begeisterung, die „Greatest Hits“ von Poison zugelegt. Was soll ich sagen: Mit ein paar Bier werden „Unskinny Bop“, „Every Rose Has Its Thorn“ und „Nothing But A Good Time“ zum großen Spaß. Wie bei Klosterman funktioniert die Musik auch ohne lange Haare. Zur Nachahmung also nachdrücklich empfohlen. Aber vorher erstmal „Fargo Rock City“ (erschienen im Rockbuch Verlag) lesen, das auch nur so viel kostet wie die Poison-Platte: 8,90 Euro.
Infos: www.rockbuch.de
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