Lohnt es sich, über Pete Doherty, einst Sänger der LIBERTINES und nunmehr Frontmann der BABYSHAMBLES, ein Buch zu schreiben? Naja, genug erlebt hat er vielleicht. Wobei die Tatsache drogenabhängig zu sein alleine sicher nicht ausschlaggebend sein sollte. Das jedoch sieht Seamus Craic offenbar anders.
Wer das Treiben des Peter Doherty, Sohn eines britischen Soldaten, in diesem Jahrtausend verfolgt hat, kommt nicht umhin festzustellen, dass die Drogensucht sein Leben bestimmt hat, es fest im Griff hatte. Ein Leben, an dem jeder geneigte Westeuropäer dank der Schlagzeilen in der Yellow Press teilhaben konnte.
Und da Schlagzeilen und Bilder aus dem britischen Boulevard ihren Weg auch in deutsche Gazetten finden, ist auch good old Germany immer bestens informiert. Schlagzeilen, die Doherty zu nicht unwesentlichem Anteil gegen Geld selbst lancierte. Und dies ist die einzige und zugleich erschütterndste Erkenntnis, die Autor Seamus Craic in seinem Buch „PETE DOHERTY – The Libertines und Babyshambles“ vorweisen kann.
Wenn der Verlag in der Begleit-Information zu „PETE DOHERTY – The Libertines und Babyshambles“ schon genüsslich breit tritt, dass es sich bei Doherty um einen „ehemaligen Chroknaben und Musterschüler“ handele, der bei einem Gefängnisaufenthalt sogar „Schuld und Sühne“ gelesen hat, lässt sich bereits erahnen, welchen Verlauf das Buch nehmen wird.
Auf 128 Seiten lässt Craic Dohertys Leben, soweit es sich nach Bekanntwerden der LIBERTINES in der Öffentlichkeit abspielte, Revue passieren. Leider beschränkt er sich dabei auf das Zusammenfügen von kleinen Portionen gesunden Halbwissens und bereits Gekanntem, zusammengesammelt bei der Lektüre englischer Boulevardzeitungen oder des New Music Express.
Mit Doherty selbst gesprochen, hat der Autor augenscheinlich nicht. Möglicherweise hätte er es sich auch nicht leisten können, die Informationen für ein wirklich gutes Buch von Doherty selbst zu kaufen. Doch auch prägende Weggefährten wie Libertine Carl Barât oder andere ehemalige Bandmitglieder werden bei dieser flüchtigen Beschreibung gänzlich ausgeklammert.
Das bemitleidenswerte Leben des Pete D. auf 128 Seiten in Wort und Bild – wer braucht das? Es hilft weder dabei, ihn, sein Tun oder die Beweggründe für sein Handeln zu verstehen, geschweige denn hilft es nachzuvollziehen, wie es mit diesem talentierten Songschreiber und Poeten soweit kommen konnte.
Es ist zu offensichtlich: Hier versucht jemand krampfhaft vom zweifelhaften Ruhm des bekanntesten Junkies des Vereinigten Königreichs zu profitieren und schnelles Geld zu machen. Mit rund „100 Abbildungen“ prahlen Autor und Verlag – schade nur, dass zu den wenigsten Fotos und Zeichnungen einige erklärende Zeilen Platz gefunden haben.
Und da der Autor auch auf eine Unterteilung in Kapitel verzichtet hat, kommt dieses Buch eben reichlich unstrukturiert und unfertig daher. Attribute, mit denen die Fachpresse das BABYSHAMBLES-Album „Down in Albion“ gern bedachte. Was den BABYSHAMBLES noch als künstlerischer Ausdruck ausgelegt wurde, ist im Fall von Seamus Craics „PETE DOHERTY – The Libertines und Babyshambles“ einfach nur ärgerlich. Ein für Musikliebhaber verzichtbares Stück Literatur, wer auf Yellow-Press-Stories steht und Freude am Lesen von Klatschgeschichten hat, kann zugreifen. Der Kaufpreis von 9,90 Euro ist beim Kauf einer LIBERTINES-Platte sicher besser investiert.
Nichtsdestotrotz ist „PETE DOHERTY – The Libertines und Babyshambles“ im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen und zum eben beschriebenen Preis von 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.
Infos: www.schwarzkopf-schwarzkopf.de
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