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Radikaler Neuanfang PDF Drucken E-Mail
Buecher - Neue Bücher
Geschrieben von Martinho   
Freitag, 8. Februar 2008

ImageExplosionen haben es so an sich, dass anschließend erstmal Rauch und Qualm die Szenerie beherrschen. Nicht anders im Jahre 1978. Punk war 1976 explodiert und lag schon zwei Jahre später in Trümmern.

 

Zeit für was Neues, dachten sich zahllose Musiker auf dem ganzen Planeten und begannen ausgiebig mit Pop zu experimentieren. Zahllose Stile entstanden in den Jahren von 1978 bis etwa 1984 – eine innovative, goldene Zeit für den Pop. Auch für den Musikfan ist es eine schwere Aufgabe, da den Überblick zu behalten.

Abhilfe schafft seit Kurzem „Rip It Up And Start Again - Postpunk 1978-1984. Schmeiss alles hin und fang neu an“ von Simon Reynolds. Der britische Musikjournalist stürzt sich kopfüber auf die Sisyphos-Aufgabe und liefert am Ende knapp 600 unterhaltsame Seiten Musikhistorie ab.

Die musikalische Evolution jener Jahre zeichnet Reynolds akribisch und kenntnisreich nach. Über 120 Interviews hat der Autor geführt, weshalb „Rip It Up And Start Again“ auch nur so von Infos aus erster Hand strotzt. In jeder Zeile ist Reynolds’ Liebe zu dieser Musik spürbar, die den Soundtrack seiner Jugend bildete.

Der Startschuss des Postpunks markierte die Auflösung der Sex Pistols Anfang 1978. Aus dem Punk wurde das Do-it-yourself-Prinzip übernommen, aber über die simple Drei-Akkorde-Masche waren die Postpunks schnell hinaus und wagten einen radikalen Neuanfang.

Alle Richtungen und Stile an dieser Stelle aufzuführen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, daher hier stellvertretend einige der wichtigsten Bands und Musiker jener Tage: Public Image Limited, The Buzzcocks, Magazine, Pere Ubu, Suicide, The Pop Group, The Slits, Tuxedomoon, Scritti Politti, Gang Of Four, Joy Division, Wire, Talking Heads, The Fall, Robert Wyatt, The Specials, Cabaret Voltaire, Adam And The Ants, New Order, Throbbing Gristle, Orange Juice, Gary Numan, The Human League, Heaven 17, Depeche Mode, ABC, Art Of Noise. Die Namen deuten schon an, dass die Palette von experimenteller Musik bis hin zu glatten Synthie-Pop reicht. Die politischen und sozialen Aspekte beleuchtet Reynolds ebenso wie die Entstehung der Indie-Szene mit unabhängigen Labels und Vertriebswegen. Auch Deutschland hinterließ damals deutliche Spuren. Zunächst mit den Pionieren Kraftwerk, später mit DAF und den Einstürzenden Neubauten.

Mitte der 80er Jahre war dann Schluss mit dieser aufregenden Ära, als Bands wie die Simple Minds, U2 oder gar Frankie Goes To Hollywood Postpunk und New Wave endgültig in den Mainstream katapultierten.

Für den Anfänger mag das Buch ob seiner Fülle an Infos und Namen zunächst schwer zu lesen sein, aber wer in die Materie eintaucht, erfährt woher Franz Ferdinand, The Rapture & Co. ihre Inspirationen haben. Für die, die dabei waren, ist das Buch ohnehin Pflichtlektüre.

Das 576 Seiten starke „Rip It Up And Start Again - Postpunk 1978-1984. Schmeiss alles hin und fang neu an“ von Simon Reynolds ist im Hannibal-Verlag erschienen und zum Preis von 29.90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Mehr unter www.hannibal-verlag.de und www.simonreynolds.net.

 

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