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Einen „Rock’n’Roll -Roman aus der Provinz“ hat Kai Havaii, Frontmann der nimmermüden NDW-Veteranen Extrabreit, vorgelegt. Die Erinnerungen des gebürtigen Hageners lesen sich höchst amüsant und entbieten die gesamte Palette eines rockigen Lebens, gefeierte Millionenerfolge und gnadenlose Abstürze inklusive. Mit viel Selbstironie arbeitet sich der Sänger durch sein wahrhaft wild bewegtes Dasein. Dabei lässt der Mann dankenswerter Weise keine Peinlichkeit aus und beschönigt nichts.
Nach schon recht wüsten Tagen in einer Hagener WG stößt Havaii mehr zufällig zur Garagenkombo Extrabreit, worauf in Havaiis Existenz dann erst so richtig der Turbo gezündet wird. Mit der kontrovers aufgenommenen Single „Polizisten“ (stand in Bayern auf dem Index) schafft das Quintett den Durchbruch. Weitere Hits folgen, „Hurra, hurra, die Schule brennt“ avanciert zum Soundtrack mancher Schullaufbahn, und auf einmal finden sich die Spaß-Punks auf der Titelseite der „Bravo“ wieder, ehe unmittelbar nach dem NDW-Rausch der große Kater einsetzt. Praktisch über Nacht waren Extrabreit nicht mehr gefragt, die Platten blieben in den Regalen liegen, die Hallen blieben halbleer. Nach Meinung des Autors lag dies vor allem an der furchtbaren Single „Duo Infernal“, aufgenommen mit Schlagersirene Marianne Rosenberg, vom dritten Album „Die fantastischen Fünf“. Aber ich kann auch falsch liegen. Diverse Umbesetzungen und eine ziemliche musikalische Orientierungslosigkeit folgen, ehe sich der unausweichliche Split vollzieht.
So schnell sind die Breiten aber dann doch nicht totzukriegen, zahlreiche Comebacks, etwa mit Hilde Knef und „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ bringen die Band immer wieder unter die Lebenden. Erschwert wird das Tourleben in den 90er Jahren allerdings durch eine veritable Junkiekarriere, die sich Kai Havaii zulegt und angesichts derer der Kindskopf Pete Doherty wie ein Anfänger daherkommt. Erst nach diversen Exzessen schafft Kai Havaii schließlich den Entzug.
Die knapp 300 Seiten lesen sich wie im Fluge, was vor allem der witzigen Schreibe geschuldet ist. Eine äußerst unterhaltsame Zeitreise in die neonerhellten 80er Jahre, in denen deutsche Popmusik tatsächlich mal ein paar kurze Jahre Spaß machte, ehe Sauertöpfe wie Westernhagen, Niedecken und Grönemeyer das Ruder übernahmen. Übrigens existieren Extrabreit bis heute und lärmen regelmäßig in den Clubs der Republik – vielleicht auch bald in Deiner Nähe. Also Augen auf.
„Hart wie Marmelade – Ein Rock’n’Roll-Roman aus der Provinz“ von Kai Havaii ist erschienen Gustav Kiepenheuer Verlag, der gut sortierte Buchhandel bietet das Werk für 19,90 Euro feil.
Mehr unter www.gustav-kiepenheuer-verlag.de und www.die-breiten.de. »
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