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(+44): „Ich bestelle meine Burger wie andere auch am Drive-In“ PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Daniel Rade, Markus Tils   
Sonntag, 19. November 2006

Image Wenn echte Rockstars irgendwo absteigen, dann in einem Nobelhotel. Und so treffen wir im Kölner Hyatt auf die neue Band von Travis Barker und Mark Hoppus. Der Name der Band (+44). Den ersten Hit haben uns die Jungs auch schon mal vorab per Myspace über den großen Teich geschickt. „When your heart stops beating“ klinkt sich mühelos in bisherige Box Car Racer- und BLINK-182-Hits ein. Vielleicht ein bisschen weniger Pop-Punk und dafür mehr Pop-Rock. In jedem Fall wesentlich flotter als etwa „Adventure“, die erste Single von Tom DeLonges neuer Band Angels And Airwaves. Dass das Verhältnis zwischen den beiden und Tom DeLonge nicht gerade das beste im Moment ist, wurde damit unterstrichen, dass freundlich darauf hingewiesen wurde, keine Fragen zu dem ehemaligen Wegbegleiter zu stellen. So begaben wir uns ins Konferenzzimmer mit Blick auf den Rhein, die Hohenzollernbrücke und natürlich auf den Dom. Gegenüber saßen ein still schweigender Craig Fairbaugh und der „Rädelsführer“ Travis Barker.

 

SMASH-MAG.com: Ich lege selbst auf und finde, dass „When your heart stops beating“ ein guter Song ist, der zwischen Fall Out Boy „Dance dance“ und Panic! At The Disco „I write sins, not tragedies“ passt. Welche Idee steckt dahinter, solch einen Titel zu schreiben? Ist das die logische Fortführung nach einem Sound, wie Blink 182?

Travis: Ich glaube, dass sich unser Sound selbst entwickelt hat. Ich find’s cool, wenn es neu und unterschiedlich klingt gegenüber dem, was vorher schon war. Wir haben uns halt getroffen und saßen in unserem Proberaum, wo in der Ecke auch dieser Drumcomputer stand. Wir haben insgesamt sechs Monate Songs geschrieben und sind dann erst in ein Studio gegangen, wo wir auf richtige Instrumente umgestiegen sind.

SMASH-MAG. com: Damals war noch eine weibliche Person an Bord, wie ich gelesen habe.

Travis: Ja, Carol Heller. Wir haben insgesamt vier Songs mit ihr geschrieben, unter anderem „Make you smile“, auf dem sie auch zu hören ist. Damals waren nur Mark, Carol und ich +44. Wir hätten gerne mit ihr weitergemacht, aber sie entschied sich, eine Familie zu gründen. Wir müssen ihre Meinung akzeptieren, haben wir auch, und wir haben ja auch guten Ersatz gefunden.

SMASH-MAG.com: Wenn ihr euch zusammen setzt, um Musik zu machen. Ist es da nicht schwer, plötzlich wieder wie Blink 182 zu klingen?

Travis: Ja, wir konnten bestimmt nicht den Weg weiter gehen, den wir mit Blink 182 gegangen sind. Es musste schon ein Unterschied her. Ich denke, dass uns dieser Unterschied auch geglückt ist, weil Mark und ich sehr viel dran gesetzt haben, es anders umzusetzen.

SMASH-MAG.com: In den nächsten Wochen werden euch aber trotzdem alle mit der Vergangenheit vergleichen. Wie gehst du damit um?

Travis: Ich habe ja keine Wahl. Mark und ich waren ein Teil von Blink 182, und nun haben wir mit +44 eine neue Band, wobei es natürlich hier Unterschiede gibt. Mark singt jetzt alleine, und vom Sound gehen wir doch einen anderen fortschrittlicheren Weg. Vergleiche kommen, aber ich denke, dass die Leute es merken, dass wir nicht mehr so klingen wie damals.

SMASH-MAG.com: Wer hat eigentlich die Songs für das Album geschrieben?

Travis: Eigentlich haben wir alle zusammen an den Songs gearbeitet. Fünf Songs sind jedoch alleine von Mark. Als Shane zu uns stieß, hat er auch noch zwei geschrieben.

SMASH-MAG.com: Mein erster Eindruck war auch, dass das Album nicht mehr die Hau-Drauf Musik ist und eher etwas smoother klingt.

Travis: Definitiv. Es ist nicht mehr der monotone Schlag auf den Drums, den ich zehn Jahre gemacht habe. Es ist aufgrund der Struktur anspruchsvoller zu spielen, und ich finde es halt extrem cool, dass wir jetzt solche Songs spielen.

SMASH-MAG.com: Ich glaub, wenn man halt älter wird, dann ändert sich auch einiges und man möchte nicht immer dasselbe machen.

Travis: Nicht ganz, also ich höre immer noch sehr gerne Punkrock, so ist es nicht. Aber das was ich meinte, bezog sich auch nur auf die Musik, die wir jetzt mit +44 machen.

Image SMASH-MAG.com: Und du hast ja noch die Transplants. Wie sieht es eigentlich mit denen aus? Wie ist der Status bei euch? Ich denke, dass die nicht viele hier in Deutschland kennen.

Travis: Ja, dass stimmt schon, aber mit den Transplants sind wir in den Staaten immer noch Underground.

SMASH-MAG.com: Wie sieht das Publikum denn bei den Shows aus? Mehr Hiphopper oder doch mehr Punkrocker?

Travis: Es sieht schon lustig aus und hält sich entsprechend die Waage, hat aber seinen eigenen Charme. Eine Show ist schon ein spezielles Ereignis.

 

SMASH-MAG. com: Eure Single erste Single mit (+44) ist „When your heart stops beating“, der Song, den ihr auch auf myspace.com präsentiert habt. Wie fiel die Entscheidung, gerade diesen Song als Single zu nehmen?

Travis: Als wir den Song geschrieben haben, fiel die Entscheidung. Uns gefiel der Song auf Anhieb so gut, dass sich für uns gar nicht die Frage stellte, welchen Song wir als Single nehmen. Er hatte alles, was ein guter Song braucht: Energie und ein cooles Mid-Uptempo. Das Label war damit einverstanden und fand unsere Entscheidung auch gut. Also setzten wir den Song auf myspace.

SMASH-MAG. com: Wie viel Einfluss hat eigentlich eine Band heutzutage noch, um solche Entscheidungen zu treffen?

Travis: Was das angeht, hatten wir bis jetzt keine Probleme mit unserem Label. Ich weiß nicht, wie es bei anderen Labels aussieht.

SMASH-MAG. com: Okay, ihr habt weltweit viele Platten verkauft. Dann hat man es bestimmt einfacher.

Travis: Ja, aber wir sind eine neue Band und müssen wieder von vorne anfangen. Aufgrund der Tatsache, dass wir viele Platten verkauft haben, ist es zwar auf der einen Seite vielleicht etwas leichter, aber auf der anderen Seite wächst doch die Erwartungshaltung.

SMASH-MAG.com: Trotzdem kannst du machen, worauf du Lust hast. Zehn Jahre Blink haben letztendlich doch alle Türen geöffnet. Du hast mit „Famous Stars And Straps“ eine eigene Klamottenmarke und kannst somit auch andere Bands supporten.

Travis: Meine „Famous Stars And Strap“s Klamottenfirma ist schon eine coole Sache. Ich hab zwei Designer, die die Sachen kreieren und ich finde es cool, mich in diesem Bereich zu betätigen.

SMASH-MAG.com: War es für deine Klamottenfirma positiv, dass du auf MTV deine eigene Sendung hattest?

Travis: Meine Show auf MTV war ja eine Art Tagebucherzählung, mein Leben neben der Band. Es war auch so, dass meine ehemalige Frau es wollte, um so auch für sich mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. Ich hatte niemals geplant, mit dieser Sendung was zu hypen - weder meine Band noch meine Klamottenmarke. Damals, als die Sendung startete, war ich ja gerade auch mit den Transplants am arbeiten. Das hatte nicht wirklich viel Einfluss auf die Band. Es war eine lustige Sache, wir hatten auch jede Menge Spaß, aber ich hätte es auch nicht weiter machen können, weil es schon komisch ist, wenn man ständig gefilmt wird, wenn man eben mal in die Küche geht, um sich was zu trinken zu holen.

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: Wenn jeder weiß, wie man lebt, fühlt man sich da noch als normaler Mensch?

Travis: Ich fühle mich schon ziemlich normal. Klar, nach der Sendung wurde man noch öfter erkannt, und die Leute haben einen schon angeschaut. Diese Blicke vergingen schnell, als gemerkt wurde, dass ich stinknormal bin und an mir nichts Außergewöhnliches ist. Ich bestelle meine Burger wie andere auch am Drive-In, fahre Skateboard, esse und trinke wie jeder andere, brauche auch keinen Bodyguard, wenn ich mal einkaufen gehe.

SMASH-MAG.com: Ihr spielt jetzt einige Shows in Deutschland. Mir ist aufgefallen, dass ich kaum Werbung dafür gesehen habe. Erst letzte Woche habe ich ein Tourplakat gesehen. Ist das eine neue Idee, so Werbung für das neue Album zu machen. Erst kleinere Clubs auswählen, um dann später auf große Tour zu gehen?

Travis: Naja, wir sind immer noch eine neue Band und haben kein Album heraus gebracht. Wir wollen auch bei unseren Shows keine alten Blink Songs spielen. Deshalb ist es angebracht, halt erst einmal in kleinere Läden zu gehen und vor einer entsprechend kleineren Menge zu spielen. Ich denke, dass es mehr bringt. Auch für die, die zu unseren Shows kommen oder noch kommen werden. Wir haben ein Jahr an dem Album gearbeitet und wollten jetzt endlich wieder auf die Bühne.

SMASH-MAG.com: Letzte Frage. Kennt ihr die internationale Vorwahl von Deutschland?

Travis: (lacht) Nein, die kenn ich nicht. Sag es mir.

SMASH-MAG. com: (+49). Diese Frage könnte ein Running Gag werden…

Info: www.plusfortyfour.com

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