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ANTI-FLAG: „Die USA bewegen sich auf dünnem Eis“ PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Susanne Rading, Silvia Betram   
Montag, 23. Januar 2006
Nach längerem Warten war es endlich so weit- Anti-Flag waren wieder im Lande unterwegs- mit altbewährtem Kampfgeist und neuer Platte, auf der unglaublich coole und - wie wir das von den Jungs kennen- inhaltsreiche Songs zu hören sind. Die Halle war knüppeldicke voll und der ganze Abend eine gelungene Sache. Mit Mike Park und Good Clean Fun im Vorprogramm konnte nichts mehr schief gehen. Jeder, der da war wird einem Recht geben, dass die neuen Songs von Anti-Flag auf jeden Fall super gelungen sind und man sich auf ein facettenreiches Album, welches am 17. März erscheinen wird, freuen kann. Im riesigen Backstageraum, der Matrix sprach Smash-Mag für Euch mit einem relaxten #2, der ständig von den verrückten Jungs von Good Clean Fun lustig abgelenkt wurde.

 #2: Okay ich bin fertig, wenn ihr es seit.

SMASH-MAG.com: Wir sind es. Wie läuft die Tour mit den neuen Songs bis jetzt?
#2: Die läuft super. Wir sind unterwegs mit einem Gentleman namens Mike Park, der gütigerweise eingewilligt hat uns zu begleiten, um seine Gitarre, die sein Vater ihm gegeben hat, für die wunderschönen Menschen in Europa zu spielen. Und er haut sie um jeden Abend, denn seine Ideen gegen Rassismus und das Einreißen sozialer Mauern sind wirklich großartig und wichtig.
Good Clean Fun begeistern uns immer wieder mit ihrem Humor und der energiegeladenen Show! Außerdem ist Aaron ein sehr attraktiver Mann und das tut ihrer Show auf keinen Fall weh (Aaron war gerade in der Nähe, deshalb diese Schleimerei).
Wir für unseren Teil wollten diese Tour nutzen, um ein paar neue Songs vorzustellen und diejenigen, die Anti-Flag noch nicht kennen, neugierig auf unserer Tour im Mai zu machen, wenn wir mit Red Light Flash und The Unseen auf große Europatour kommen, um mehr neues Material zu spielen. Dann wird das Puplikum auch die neue Platte kennen und wir können alle besser dazu abrocken.

Image
Foto: Presse
SMASH-MAG.com: Eigentlich sollten doch die Casualties mit euch touren?
#2: Ja aber leider ist Georg krank geworden und sie mussten die Aufnahmen zum neuen Album nach hinten verschieben.

SMASH-MAG.com: Habt ihr euch schon mit euren Freunden von den Donots und ZSK getroffen?
#2: Ja, mit ZSK, „but I have not seen a Donot within a hundred miles of a show“. Ich weiß nicht was sie gerade tun.

SMASH-MAG.com: Münster ist vielleicht ein bisschen zu weit entfernt von den Städten, in denen ihr gespielt habt.
#2: Ja, das mag sein. Wir haben Flori und Joshi in Berlin und Hannover getroffen, aber gestern Abend hat unser Footballteam aus Pittsburgh gespielt und wir waren nicht wirklich kommunikativ. Es tut uns echt leid ZSK, aber wir sehen euch das nächste Mal. (lacht)

SMASH-MAG.com: Ihr habt einen Song mit den Donots gemacht, der auf euren beiden Homepages zu hören ist. Wann habt ihr den aufgenommen und vor allem wo?
#2: Richtig. Er heißt „You´ve been to our shows, you´ve sung our songs, now go to a fucking protest!“ Der Song ist in der Zeit vor dem Irakkrieg entstanden, wo es bereits fast entschiedenen Sache war, dass es einen Krieg geben wird und die einzige Chance bestand dagegen auf die Straße zu gehen.
Also haben wir uns überlegt, was wir als kleine Band machen können, um die Leute auf die Straße zu bekommen, damit sie „Nein“ zu diesem Krieg sagen und den Willen zum Frieden zeigen. Wir hatten den Song und keine Zeit ihn aufzunehmen, weil unsere Europatour vor der Tür stand. Also schrieb Justin eine Email an Ingo und sagte, dass wir diesen Song hätten, ihn gern mit ihnen aufnehmen würden wenn wir in Deutschland sind. Wir hatten keine Idee, ob er die Mail bekommen hatte, aber als wir gelandet sind, hatten sie alles organisiert. Wir gingen ins Studio, nahmen den Song auf und setzten ihn am nächsten Tag auf die Website. (Anmerkung: auf der Website nennt er sich „Protest Song“)
Wir haben noch bisschen Fotomaterial und eine Geschichte dazugepackt, doch leider war der Krieg nicht mehr aufzuhalten, aber die Proteste haben doch eine Menge von Leben gerettet, in dem sie die Menschen aufmerksamer gemacht haben, was sie sehen und hören. Sodass die USA und Großbritannien den Krieg nicht einfach unbeobachtet unter falschen Tatsachen beginnen, sondern „gemäßigt“ und nicht wie geplant mit flächendeckenden Bombenangriffen den Irak an sich zu reißen und so hundertstausende unschuldige Zivilbevölkerung zu töten. Das war das positive, was aus diesen Protesten hervor gegangen ist! Jetzt wo wir das 3. Jahr des Irakkrieges haben, ist es um so wichtiger mit diesem Song, diesen Gedanken und den Protesten, die wachsamen Augen wieder auf den Krieg zu richten, um ihn endlich zu beenden.

SMASH-MAG.com: Ich habe das neue Album „For Blood and Empire“ schon gehört und ich finde es ist euch richtig gut gelungen. Es deckt sehr viele Themen ab. Anders wie „Terror State“, welches erstrangig um die Invasion des Iraks und der menschenverachtenden Politik des Bush Regimes geht.
#2: Ja wir dachten uns in der Vergangenheit, besonders bei „Terror State“, haben wir uns nur von aktuellen Dingen leiten lassen, aber bei diesem Album sind Songs entstanden, die die Menschen noch in Jahren singen könnten. Sie handeln von Themen, die man jeden Tag erlebt, wie z.B. Rassismus, Sexismus, Homophobia, Tier- und Menschenrechte. Es war eine Gewissenssache und ich denke sie war erfolgreich. Mit dem Aufsplitten der Themen, wollten wir die Hörer aufmerksam machen, um den Weg ebnen zu können für ein neues Zeitalten der USA ohne das derzeitige Bush Regime, welches Krieg und Korruption in der ganzen Welt verbreitet. Nur damit sie die Welt und ihre Ressourcen in ihren Händen halten können. 

SMASH-MAG.com: Was denkst du über die derzeitige Iranpolitik. Bist du der Meinung, dass es wieder einen Krieg geben wird und die USA nur versuchen mit diesem vom Scheitern im Irak abzulenken?
#2: Ja ich denke, wenn man sich die „Welt-an-uns-reißende-Politik“ genauer anguckt, dann stellt man fest, dass der Iran und Syrien die nächsten Länder auf ihrer Liste sind, in die sie einfallen werden. Es ist sehr bequem für sie, denn immer wenn sie eine Chance bekommen die Bodenschätze des Mittleren Ostens zu bekommen…Ich glaube, es ist ziemlich gefährlich für sie, denn sollten sie noch einmal in ein Land auf diese hinterhältige Art und Weise einfallen wie im Irak, dann müssen wir, also diejenigen, die in den USA leben uns auf eine Massenrekrutierung einstellen. Sie werden junge Menschen aus den Schulen holen und sagen: „Ihr müsst für euer Land in den Krieg ziehen!“ Das ist auch ein wichtiger Grund, warum wir alles erdenklich tun müssen, um eine diplomatische Lösung zu finden.

SMASH-MAG.com: Denkst du, dass die USA mit diesem neuen Fokus auf den Iran nur versuchen wollen vom Scheitern im Irak und Afghanistan abzulenken?
#2: Ja das denke ich schon. Aber ich glaube sie haben noch nicht realisiert, wie dünn das Eis ist auf dem sie sich bewegen. Außerdem hat Präsident Bush die niedrigsten Umfrageergebnisse seit Amtsantritt und dementsprechend glaube bzw. hoffe ich, dass er und seine Regierung es nicht noch einmal wagen ein Land einfach zu überfallen.

SMASH-MAG.com: Also ist es wirklich wahr, dass die amerikanische Bevölkerung ihre Regierung nicht mehr so mehrheitlich stützt?
#2: Ja richtig. Es läuft nicht wirklich sehr gut für Bush und das ist gut so. Für die Rechte ist er nicht rechts genug und für die Linke ist er das Schlimmste, was je passieren konnte.

SMASH-MAG.com: …und habt ihr eine Möglichkeit ihn zu hindern oder so?
#2: Ja es gibt schon Möglichkeiten und es gibt auch einige fähige Abgeordnete im Kongress, aber es wird eine sehr schwierige Sache werden.

SMASH-MAG.com: Okay dann lass uns mal über das Album sprechen. In dem Song „Exodus“ schreibt eine Frau darüber wie sie den Völkermord in Ruanda zwischen den Hutus und den Tutsis erlebt hat. Wie habt ihr diese Frau gefunden?
#2: Sie leitet das Genocide Intervention Netzwerk (www.genocideintervention.net) und als wir die Themen des Albums zusammensuchten war uns klar, dass wir entweder ein weiteres Album machen auf dem wir unsere Liedtexte, unsere Gedanken und unsere Ansichten vertreten oder wir können Menschen suchen, die direkt mit den jeweiligen Ereignissen zutun haben oder hatten. Um so zu sehen was sie darüber denken und wie sie es erlebt haben. Also haben wir uns vor jedem Song gefragt: „Okay wer hat diese Sachen erlebt, wen können wir nach Hintergrund Informationen befragen.“ Wir sind sehr froh, dass diese Menschen mit uns zusammen gearbeitet haben Album. Als wir beispielsweise den Song „Confessions of an economic hit man“ geschrieben haben, sind wir direkt zum Autor des gleichnamigen Buches John Perkins gegangen und er hat uns dann großartigerweise die Einführung geschrieben. Im Großen und Ganzen geht es uns auch darum die vielen Organisationen zu verbinden, um mehr Menschen mit diesen Bewegungen in Verbindung zu bringen, denn nur wenn wir zusammen halten und eine große Anzahl von Menschen vereinen können, dann kann die Linke auch viel mehr erreichen.



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