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 BORN FROM PAIN (Foto: Metal Blade) Mit ihrem zweiten Album auf Metal Blade gehen die Niederländer BORN FROM PAIN ihren eingeschlagen Weg weiter und entfernen sich vom stumpfen Old School Hardcore der Anfangsjahre. Dafür machen sie spätestens mit „War“ der Bezeichnung „Metalcore“ alle Ehre, ohne allerdings in das typische Beuteschema zu passen. Per Mail setzte sich Neu BFP-Gitarist Dominik Stammen (Ex- Zero Mentality) mit den Fragen auseinander.
SMASH-MAG.com: Euer neues Album „War“ ist in den Augen vieler Kritiker und Fans das vielleicht beste, welches ihr jemals aufgenommen habt. Wie lässt sich diese Steigerung erklären?
Dominik: Hallo und Danke erst mal fürs Lob. Ich denke, jede Band will sich in irgendeiner Form weiterentwickeln, und genau so ist es bei Born From Pain auch. Wir wollten die neue Platte dynamischer als die letzte gestalten, ein wenig mehr Melodie und Tempo einfließen lassen, ohne dabei das Aggressionslevel von früheren Alben zu verlieren. Dabei haben wir uns auch noch mehr als zuvor aufs eigentliche Songwriting konzentriert und versucht, dass jeder Song nach Möglichkeit im Ohr hängen bleibt, statt Riff an Riff zusammen zu kleben. Wir waren selbst total überzeugt vom neuen Material und die Leute scheinen das ähnlich zu sehen, das freut uns natürlich.
SMASH-MAG.com: BORN FROM PAIN haben sich über die Jahre hinweg immer stärker dem „Metal“ zugewandt. Wie kam es eigentlich zu dieser Entwicklung?
Dominik: Hmm, schwer zu sagen, ob der Metal-Anteil tatsächlich mehr geworden ist im Gegensatz zu früheren Platten. Schon „Reclaiming The Crown“ hatte einen hohen Satz an Metal-Riffs. Vielleicht liegts heute an der besseren Produktion und an kompletteren, runderen Songs, dass sich der Verdacht einschleicht. Klar, die Portion Metal auf „WAR“ ist groß, schließlich sind wir zwar alle u.a. mit Hardcore groß geworden, aber eben auch mit sehr viel Metal. Ob Maiden oder Metallica, 80’s thrash oder Schweden-Death aka Entombed, all diese Bands sind für uns große Einflüsse und man hört es bestimmt in den Songs raus. Trotz allem bleibt Born From Pain im Gesamten eine Hardcore-Band mit starker metallischer Kante denke ich, wobei die Grenzen zwischen den Genres doch eh schon immer fließend waren, siehe Bands wie z.B. Integrity. Die haben schon Ende der 80er ohne Ende Slayer mit schnellen Hardcore-Elementen gemixt.
SMASH-MAG.com: Diese Entwicklung ging jedenfalls soweit, dass ihr heute ein 6-minütiges Metal-Instrumental („The War Is On“) in der Mitte eures Albums platziert. Wer von euch hatte diese – für eine Hardcore-Band doch etwas ungewöhnliche – Idee?
Dominik: Das war letztlich meine. Ich hatte noch ein paar Riffs auf dem Computer, die ich einfach nicht in einen normalen Song reinpacken konnte, aber die ich trotzdem gerne verwenden wollte. Wir haben dann zusammen überlegt und haben uns gedacht, warum nicht mal ein atmosphärisches Stück ohne Gesang, was aber trotzdem die Energie und die Heaviness vom Album aufrechterhält. Das Ergebnis war schließlich „The War Is On“, und auch wenn’s vielleicht zunächst untypisch erscheint, passt es glaub ich ganz gut in den Gesamt-Kontext vom Album.
SMASH-MAG.com: Ein Mitglied der Band 3 INCHES OF BLOOD hat einmal in einem Interview sinngemäß gesagt, dass die meisten Hardcore-Musiker in Wirklichkeit lieber Metal spielen würden, wenn sie nur besser ihre Instrumente beherrschen würden. Könntest du dieses Statement unterschreiben?
Dominik: Ja und Nein. Es gibt sicherlich ein paar Bands, die aufgrund Ihrer nicht vorhandenen Fähigkeiten simplere Sachen spielen, als sie eigentlich wollen. Aber selbst eine Band wie Hatebreed hat doch heutzutage komplexere Riffs als viele 80er Metal Bands. Auch von einer Band wie Madball weiß ich, dass sie ganz sicher viel kompliziertere Sachen spielen könnten, als sie das vielleicht tun, weil’s einfach gute Musiker sind. Aber warum sollten sie? Die sind ne Hardcore-Band und wollen als solche verstanden werden. Und was ist mit Punk? Warum sind dann die Ramones bis heute so beliebt? Die haben mit den gleichen drei Harmonien und Akkorden wahrscheinlich 50 Songs und mehr geschrieben und ich liebe die Band trotzdem.
Manche Leute verstehen einfach nicht, dass Musik, egal wie einfach (oder auch stumpf) sie manchmal sein kann, trotzdem gefühlt wird und es nicht ständig auf das technischste Solo-Gewichse ankommt.
 Dominik Stammen (Foto: Metal Blade) SMASH-MAG.com: Ihr veröffentlich die LP-Versionen eurer letzten beiden Alben („In Love With The End“ und „War“) auf Hollowman Records, allerdings in stark limitierter Form (inklusive Bonustrack und sogar Bonusshirt). Bevorzugt ihr generell eher Vinyl als CDs?
Dominik: Das würde ich so nicht sagen. Aber klar sehen wir gerne Vinyl-Releases von unseren Alben. Ich kaufe mir selbst heute noch immer wieder Alben auf LP, sei es weil das Layout super gemacht ist oder aber, wie bei einigen Punk/HC Bands üblich, es ein „Vinyl-Only“ Album ist. Der Einfachheit halber kauf ich aber doch meistens CD’s, die kann ich leichter in mp3’s für meinen ipod konvertieren.
SMASH-MAG.com: Ihr habt zu den Aufnahmen zu „War“ einige Gäste zu euch ins Studio eingeladen, unter anderem Lou von SICK OF IT ALL. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass ihr große Anhänger der Band seid. Könntest du beschreiben, wie es ist, einen Track mit einer echten Koryphäe der Hardcore-Szene auf seinem Album zu haben? Kann man solche Erfahrungen überhaupt noch übertreffen?
Dominik: Klar sind wir stolz, dass Lou das mit uns gemacht hat. Er hat sich viel Zeit genommen, seinen Part einzusingen und es scheint ihm Spaß gemacht zu haben. Hätte mir das einer noch vor 10 Jahren erzählt, hätte ich das wohl kaum geglaubt. Aber auch SOIA sind ganz normale, nette Menschen, die wir wie alle anderen Gäste vom Album auf Tour kennengelernt haben, von daher war’s eher die Grundidee, Freunde oder gute Bekannte auf „WAR“ zu haben, als jetzt ganz besondere Szene-Ikonen. Hätten wir Lou und SOIA nicht vorher gekannt, wäre es zu dieser Kollaboration wohl auch nicht gekommen. Trotz allem find ich’s natürlich Wahnsinn, mal seine Stimme auf nem Riff von mir hören haha. Sehr coole Erfahrung.
SMASH-MAG.com: Mit Jan Chris von GOREFEST befindet sich auch ein holländisches Urgestein auf eurem Album. Welche anderen Formationen aus den Niederlanden haben einen Einfluss auf die Musik von BFP ausgeübt?
Dominik: Klar, Gorefest selber waren bestimmt ein Einfluss für Born From Pain, besonders unser Drummer liebt die Band sehr. Ansonsten sicherlich auch alte Punk/Hc-Bands wie Man Lifting Banner oder Seein Red, die heute noch aktiv sind. Ich selbst bin ja Deutscher, von daher kann ich die Frage vielleicht nur bedingt beantworten haha...
SMASH-MAG.com: Barney von NAPALM DEATH ist ebenfalls auf „War“ als Gastsänger zu hören. Zurzeit tourt ihr mit der Band in England. Wie werdet ihr – auch generell - vom Death Metal-Publikum aufgenommen?
Dominik: Im Grunde sehr gut! Das hat nicht nur die Tour mit Napalm Death gezeigt, sondern auch die zwei Touren mit Six Feet Under und nicht zuletzt das Wacken Open Air. Wie schon gesagt, Death Metal ist sowieso einer unserer Einflüsse und auch wenn wir eher eine Hardcore-Band sind, gibt’s immer wieder Leute, die zu uns kommen und uns sagen, dass sie sonst mit der Musik nicht viel anfangen können, aber wir anders seien, weil’s wohl besonders live angeblich brutal und ein wenig nach Death Metal klingt. Dazu kann ich jetzt kein Urteil abgeben, dass sollen die Leute selbst entscheiden, aber mich freust natürlich, dass wir a) unseren Weg konsequent durchziehen und b) trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen Leute aus ganz verschiedenen Genres zu uns kommen und unsere Musik schätzen.
SMASH-MAG.com: Pepe von HATESPHERE kanntet ihr hingegen schon länger, spätestens seit eurer gemeinsamen Tour. Auf eben dieser war es teils amüsant anzusehen, wie euer Hardcore-Publikum auf die Witze und Späßchen der Dänen reagiert hat. Denkst du, dass die Hardcore-Szene sich manchmal etwas zu ernst nimmt?
Dominik: Haha ja mit Sicherheit. Viele HC-Kids nehmen sich mit Sicherheit zu Ernst, in dem was sie tun und sagen, vor allem, wenn sie dann nach 2 Jahren auf einmal doch nicht mehr Straight-Edge oder Vegan oder was auch immer sind. Versteh mich nicht falsch, es soll jede/r tun und lassen, was er/sie für richtig hält. Aber ich kenn auch Leute, die sind seit 15 Jahren Edge, haben so gut wie nie ein Wort darüber verloren und schlagen trotzdem keine gute Party aus, auf denen andere vielleicht was trinken.
Auf der anderen Seite ist das nicht unbedingt nur in der HC-Szene so, wenn ich mir manche dunkle Seele auf Metal-Shows angucke. Ohne jetzt ins Detail zu gehen, aber im Gothic und Black-Metal nehmen sich glaub ich einige Leute sehr viel zu ernst hahaha. Ich denk mal, das gibt’s überall und ist hauptsächlich von der einzelnen Person und ihres Charakters abhängig. Wenn ich an mich glaube, kann ich auch über mich selbst oder das was ich tue mal lachen, so einfach ist das.
SMASH-MAG.com: Nicht zuletzt durch einen kontroversen Bericht in dem deutschen „Rock Hard“ Magazin und dem Todesfall beim Pressure-Festival, ist die Diskussion über das Verhalten von Besuchern auf Hardcore-Konzerten neu entbrannt. Nun sind BFP bekanntermaßen eine Band, bei der es vor der Bühne eher ruppig bis brutal zugeht. Welche Meinung vertretet ihr in Bezug auf dieses Thema?
Dominik: Stimmt schon, wir können nicht verleugnen, dass es bei uns harte Pits gibt, und ich würde lügen, wenn ich sage, dass es uns nicht gefällt. Ist ja auch umso besser, wenn man die Energie, die man selbst in jede Live-Show steckt, auch vom Publikum zurückbekommt. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass ich bei uns in der letzten Zeit keine außergewöhnlich brutalen Szenen vor der Bühne mehr gesehen hab. Es gibt natürlich immer wieder einzelne Idioten, die den starken Mann markieren wollen, aber ich denke, dass sich das meistens von selbst reguliert und entsprechende Leute des Feldes verwiesen werden. Bei uns darf und soll man sich bewegen wie man will, schließlich kommen die Leute ja auch, um Aggressionen loszuwerden, dafür war harte Musik schon immer gedacht.
So bedauerlich der Todesfall beim Pressure Festival war, die Diagnose hat letztlich aber gezeigt, dass die Person an einem Herzfehler gestorben ist und nicht wie zunächst vermutet durch körperliche Gewalt eines Anderen. Dadurch ist anfangs eine gewisse Hetze durch die Presse und durchs Internet gegangen, hat sich mittlerweile aber auch wieder ein wenig beruhigt. Und mal nebenbei bemerkt: meine ersten Deutsch-Punk Konzert-Erfahrungen waren teilweise übler als jede HC-Show. Und bei Slayer z.B. rasten die Leute auch komplett aus, ohne großartig Rücksicht zu nehmen. Da kräht aber kein Hahn nach...
SMASH-MAG.com: Ihr habt nicht nur mit bemerkenswerten Musikern zusammengearbeitet, sondern auch mit den größten Bands beider Szenen die Bühne geteilt: Welche weiteren Ziele habt ihr für die Zukunft von BFP?
Dominik: Natürlich wollen wir unseren Weg konsequent fortsetzen und weiterhin die Welt betouren. Hoffentlich können wir dabei auch in den USA sowie in Asien in Zukunft Fuß fassen, hier in Europa läufts ja schon sehr gut für uns, da können wir uns nicht beschweren. Im Februar gibt’s erst mal wieder eine lange Headline-Tour durch Europa, First Blood, Bloodlined Calligraphy und The Setup werden als Support dabei sein. Danach kommen wir hoffentlich mal wieder raus in Richtung Amerika, Japan und Brasilien, das sind jedenfalls Teile unserer Planungen fürs kommende Jahr und für „WAR“. Ein neues Album wird’s vor 2008 jedenfalls nicht geben, dafür aber ums mehr Shows und Touren.
SMASH-MAG.com: Die letzten Worte gehören dir:
Dominik: Vielen Dank fürs Interview, hat Spaß gemacht! Alle Leute, die uns mögen, sollten regelmäßig auf www.bornfrompain.com oder www.myspace.com/bornfrompain für Updates und die neuesten Tourdaten klicken. „WAR“ ist seit dem 17. November erhältlich, kaufen und weitersagen!
Cheers, Dominik/bfp
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