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Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Felix Neumann   
Mittwoch, 9. April 2008

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Erleben einen Goldrausch....Fotos
Es ist der dritte Abend der aktuellen Tour. Fotos aus Hamburg gastieren heute im Kölner „Gebäude 9“ um ihr neues Album „Nach dem Goldrausch“ zu präsentieren. Als die letzten Töne des Soundchecks verklingen gesellt sich ein leicht zerknittert wirkender Frieder (Bass) zu uns an den Tisch um SMASH-MAG.com ein paar Fragen zu beantworten.

 

SMASH-MAG.com: Hallo Frieder, wie geht’s dir?

Frieder: Ich bin müde. Wir haben gestern in Hamburg gespielt. Heimatkonzert und so. Lange gefeiert. War sehr schön.

SMASH-MAG.com: Also ist der Tourauftakt direkt richtig anstrengend?

Frieder: Ja, aber gut anstrengend.

SMASH-MAG.com: Wie ist denn der Unplugged-Gig im Saturn gestern Nachmittag gelaufen? Warst du auch da?

Frieder: Nee, das haben Tom und Deniz alleine gemacht. Wir haben nur kurz aufgebaut.

SMASH-MAG.com: Und, was haben die zwei erzählt?

Frieder: Ja es war wie das immer so ist. Das ist eigentlich immer ziemlich trostlos. Du spielst in ’nem Laden, da sind Leute die zufällig vorbei gehen und dann sind da noch irgendwie 20 Leute die für Fotos da sind und es irgendwo her wissen. Ist eigentlich schon ’ne ganz gute Sache, aber es macht nie wahnsinnig viel Spaß.

SMASH-MAG.com: Man konnte gerade schon ein bisschen hören, dass der Soundcheck im Vergleich zur ersten Tour ein bisschen aufwändiger ist, richtig?

Frieder: Ja es sind halt noch weitere Elemente dabei: Percussion und Keyboards, klar.

SMASH-MAG.com: Wer spielt die Keyboards von euch?

Frieder: Das macht Arne. Der ist eigentlich schon von Anfang an Freund der Band und hat uns schon immer geholfen.

Sänger Tom geht zufällig an uns vorbei und wir laden ihn kurzerhand zu unserem Gespräch ein.

SMASH-MAG.com: Hallo Tom! Ich hab grade schon mal gefragt wie der Unplugged-Auftritt gestern gelaufen ist. War nicht so viel los habe ich gehört?

Tom: Ja das ist immer schwierig bei solchen Sachen, wenn man nachmittags in ’ner Abteilung von ’nem großen Elektronik Verkaufskonzern spielt, aber generell sind In-store-Gigs manchmal auch ganz schön, wenn man das in kleinen Plattenläden macht. In den großen bringt es allerdings mehr für den Vertrieb usw. und deswegen muss man das auch mal machen, aber gerade zu so schlechten Zeiten ist das eher ’ne traurige Angelegenheit. Obwohl die Leute sich da auch sehr viel Mühe geben, muss man dazu sagen.

SMASH-MAG.com: Also war die Arbeit jetzt nicht ganz umsonst.

Tom: Nee, ich glaube das bringt schon immer ein bisschen was. Und die Versionen sind schön und die spielen wir sicher auch noch irgendwann mal.

SMASH-MAG.com: Frieder hat eben schon gesagt, dass ihr von gestern noch ein wenig kaputt seid. Bei zwei Alben ist das Repertoire auch größer und ihr spielt auch länger. Merkt ihr das auf der Bühne?

Frieder: Vor allem der Gesang. Für die Stimme ist das anstrengender, oder?

Tom: Ja, das ist doppelt so viel zu singen. Wobei die neuen Stücke mehr Melodie und weniger Schreien haben. Deswegen ist es nicht so schlimm. Aber halt schon anstrengend, oder anstrengender. Andererseits macht es auch mehr Spaß, wenn man länger auf der Bühne bleibt, oder?

Frieder: Ja, auf jeden Fall. Man merkt die Dauer und den Ablauf des Konzerts einfach mehr. Sonst war’s immer so, dass wir 45 Minuten geballert haben und dann war alles vorbei.

SMASH-MAG.com: Früher habt ihr euch immer vorgestellt mit, „Wir sind Fotos aus Hamburg, Wuppertal und Köln“, jetzt ist es nur noch Hamburg. Warum Hamburg?

Tom: Weil jetzt alle in Hamburg wohnen. (Frieder lacht)

SMASH-MAG.com: Schon klar, aber wessen Idee war das?

Frieder: Wir haben uns in Hamburg kennen gelernt…

Tom: …und irgendwie hat es sich so ergeben, dass wir nicht nach Köln gezogen sind, sondern die Jungs nach Hamburg. Deniz, der eigentlich gebürtiger Bremer ist, wollte sowieso schon lange Zeit nach Hamburg ziehen und Beppo, der dann mit seiner Freundin aus der Schweiz zusammen gezogen ist, hat das dann so alles miteinander verbunden.

SMASH-MAG.com: Heute Abend läuft wieder die Aktion, dass man mit dem Booklet umsonst rein kommt. Zum Booklet habe ich noch ein paar Fragen. Und zwar sucht man vergebens nach dem Text zu „Kalifornien“. Wer’s hört, der merkt, dass es der gleiche ist wie bei „Nach dem Goldrausch“. Warum? Mangel an Textideen oder kreativer Hintergedanke?

Tom: Es hat sich so einfach gut angefühlt. Man muss dazu sagen, dass wir ein autharkes Instrumentalstück hatten, von dem wir ausgegangen sind. Das war immer so das bestklingendste Stück, das wir bei den Sessions aufgenommen haben. Aber es gab noch keinen Text dazu, weil es für uns sehr ungewöhnliche Musik war: Sehr ruhig, fast HipHop-lastig in der Strophe und es treibt so vor sich hin. Da war es sehr schwer für mich einen Text zu finden und irgendwann hab’ ich dann nach mehreren Anläufen den Goldrausch-Text drauf gesungen, weil es für mich immer dieses Gegenstück zum ersten Stück auf der Platte war. So fühlte es sich gut an.

SMASH-MAG.com: Mein Eindruck war, dass es das Album zum Schluss noch mal abrunden soll.

Tom: Ja, es soll eine Reprise sein.

SMASH-MAG.com: Dass das Touren anstrengend ist, haben wir ja schon geklärt. Ist es denn auch so eintönig, wie ihr es in „Essen, Schafen, Warten und Spielen“ beschreibt?

Frieder: Eigentlich ist es tatsächlich einfach der Ablauf des Tourens.

Tom: Die technische Betrachtungsweise.

Frieder: Genau, aber was natürlich wegfällt in dem Stück ist die Aufgeregtheit und das Adrenalin des Spielens…

Tom: …aber das soll ja durch die Musik transportiert werden.

SMASH-MAG.com: Im Tourtagebuch auf intro.de klang das aber eigentlich ganz spannend.

Tom: Ja, das war aber auch eine Ausnahme. Da waren wir in Europa unterwegs mit ’nem Nightliner und Timid Tiger, einer befreundeten Band aus Köln. Das war dann genau das, was eben nicht „Essen, Schlafen, Warten und Spielen“ ist, weil wir weder geschlafen, noch gegessen haben. Und zum Warten war auch keine Zeit.

Frieder: Zu essen gab’s nix. (lacht) Und es ist auf jeden Fall keine Routine in anderen Ländern unterwegs zu sein.

Tom: Fünf Tage, fünf Länder, mit ’ner total partywütigen Band in einem Bus…

SMASH-MAG.com: Bleibt da noch Zeit für Sightseeing?

Tom: Ganz wenig.

Frieder: Einmal zum Trafalgar Square und zurück.

Tom: Einmal in Paris ein bisschen durch die Gegend gelatscht, aber ansonsten keine Chance. Um 6 Uhr morgens Louvre noch mal kurz angeguckt…

SMASH-MAG.com: Ihr habt relativ kurzfristig die Tour beendet um nach knapp 120 Konzerten im Studio endlich wieder was anderes zu machen. Sind die neuen Lieder schon auf der Tour entstanden, oder erst in den fünf Wochen, die ihr im Studio wart?

Tom: Zum Großteil in den fünf Wochen im Studio. Es gab so zwei, drei Songs, aber da gab’s auch noch nicht so richtig Texte für.

Frieder: Ja und es gab auch schon ein paar Stücke, die du auf dem Rechner hattest…

Tom: …die wir dann zusammen weiter verarbeitet haben.

SMASH-MAG.com: Euer Produzent Berend hat in eurem Podcast gesagt, dass ihr jetzt beim zweiten Album sehr selbstständig seid und er gar nicht mehr viel machen muss. Wie viel Einfluss hat er dann letzten Endes noch gehabt?

Frieder: Ich glaub’ das trifft relativ genau zu wie er das gesagt hat. Im Gegensatz zum ersten Album – da hatte er schon einen starken Plan wie das klingen soll – hatten wir beim zweiten Album im Vorfeld schon eine genaue Vorstellung. Wo er dann aber doch extrem wichtig war, war in Situationen, in denen wir manchmal gedacht haben, “Okay, das ist schon gut so“, und er dann gesagt hat, „Äh, nee. Das ist noch überhaupt nicht gut so“…

SMASH-MAG.com: Zum Beispiel beim C-Teil bei „Serenaden“.

Frieder: Ja, zum Beispiel.

SMASH-MAG.com: Wessen Idee war das?

Tom: Welchen? Meinste jetzt diesen…?

Frieder: …den alten Metal C-Teil!

Tom: Ach so, ja das ist einfach so im Studio entstanden.

Frieder: Aber genauso oft wie er gesagt hat, „Lasst das mal!“, ist er auch derjenige gewesen der gesagt hat, „Nee, das ist gut so“. Ich glaub’ das war so seine wichtige Funktion, weil wir Zeitdruck hatten und dann ist einfach jemand Externes, der von Außen quasi auf den Zustand der Stücke schaut, wichtig. Jemand, der das dann beurteilen kann ohne grade selber zu spielen und selber mittendrin zu sein.

SMASH-MAG.com: Also wäre Berend auch eine Alternative für ein drittes Album, das Beppo schon entfernt angekündigt hat.

Tom: Ja, wir fangen gerade damit an. Aber momentan kann man noch überhaupt nicht sagen, ob es wieder mit Berend sein wird. Fest steht auf jeden Fall, dass es gut funktioniert und wir uns immer vorstellen können mit Berend ’ne Platte aufzunehmen. Nur momentan können wir uns auch genauso gut vorstellen, uns selber mit Equipment zu verschachteln und einzusperren und selber die Platte aufzunehmen.

SMASH-MAG.com: Auch wenn euch das nach eigener Aussage über den Kopf wachsen würde?

Frieder: Das war nur in Kombination mit dem Zeitdruck, den wir hatten. Aber wenn du weißt, dass du über einen längeren Zeitraum die Stücke entwickeln kannst, dann kannst du dich selber auch immer wieder für ein paar Tage rausnehmen und später weitermachen.

SMASH-MAG.com: „Ein Freak und ein Spinner“ – einer meiner Geheimfavoriten – macht beim ersten Hören schon etwas stutzig, weil er einfach ganz weit weg ist von den Fotos der ersten Platte. Weißt du noch in welcher Situation das Lied entstanden ist?

Tom: Das ist irgendwann in ein, zwei Tagen passiert letztes Jahr. Das war ein Stück, das schon fertig war, als wir ins Studio gegangen sind. Ich weiß nur noch, dass es einfach aus diesem Bild, das in meinem Kopf war, entstanden ist: Wie würde die Platte klingen, wenn…? Nämlich, wenn man die Verzerrer ausschaltet, wenn man sich traut langsam zu sein, leise zu singen und anders zu instrumentieren und so weiter. Und das ist mit „Nach dem Goldrausch“ auch der weiteste Schritt nach draußen.

SMASH-MAG.com: Demnächst habt ihr vier Auftritte in China.

Tom: Seit heute ist es wahrscheinlich nur noch einer, weil drei davon wegen der politischen Situation von chinesischer Seite wohl abgesagt werden könnten.

Frieder: Und zwar hat Björk in Shanghai „Free Tibet!“ auf der Bühne skandiert und daraufhin haben die jetzt wohl überdacht, ob sie noch mal westliche Musiker einladen oder nicht.

SMASH-MAG.com: Was erwartet ihr euch denn von dem verbleibenden Gig?

Tom: Man erwartet sich doch von Leuten, die seit ihrer Geburt keinen Zugang zu Konzerten von westlichen Bands hatten, dass sie total euphorisiert sind, weil sie zum ersten Mal wirklich auf ein Konzert gehen können und laute Gitarren hören. Natürlich gibt es da auch Bands, aber es gibt eben auch sehr starke Restriktionen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen arrogant, aber die Popmusik ist ja nichts Chinesisches. Also kann man durchaus verstehen, dass es dort auf Ohren trifft, die noch nicht total überreizt sind davon.

Frieder: Ich stelle mir das so vor wie in Deutschland in den späten Fünfzigern oder Sechzigern, wo es dann plötzlich Popmusik gab. Ich weiß es nicht genau. Mir wurde nur gesagt, die Begeisterungsfähigkeit sei ähnlich. Vielleicht sind sie ja auch total verstört. Wir wissen es nicht.     

Tom: Was ich in Interviews und Dokumentationen mitbekommen habe ist, dass es da initial sofort funktioniert und alle ausflippen. So Japaner-mäßig. Nur, dass sie halt nicht laut schreien und rumhüpfen, weil man das da einfach nicht macht. Aber die Euphorie ist trotzdem wahnsinnig groß.

Frieder: Das Problem ist nur, dass wir noch keine Flüge buchen können, weil wir noch gar nicht wissen, was jetzt stattfindet und was nicht.

Tom: Also, wir sind natürlich politisch ganz klar auf der Seite der Tibeter, aber es ist schwierig überhaupt dazu Stellung zu nehmen, bevor man nicht selber da war. Es ist natürlich klar, dass ein totalitäres Regime an der Macht ist und unschuldige Menschen umgebracht werden. Vollkommen klar, aber wir wollten nicht schon im Vorfeld Konzerte absagen. Deswegen ist es schade, dass wir das Midi-Festival zum Beispiel nicht spielen können.

SMASH-MAG.com: In einem Radiointerview wurde euer Drummer neulich gefragt, welchen Traum er sich abseits der Musik gerne verwirklichen will. Er möchte einen Film drehen. Frieder möchte die Vertonung dazu liefern. (Frieder lacht) Was ist dein Traum, Tom?

Tom: Ein Buch schreiben…

SMASH-MAG.com: Das könnte ich mir gut vorstellen.

Tom: Oh, danke.

SMASH-MAG.com: Der gleiche Radiosender sagt in einer Werbung für eure Tour, dass ihr gerade vermutlich „besser denn je“ seid. Seht ihr das ähnlich?

Tom: Das hört man gerne. Wahrscheinlich sind wir die am meisten gelobte erfolglose Band Deutschlands. Also im Vergleich zu dem, wie sehr wir manchmal gelobt werden, ist die Erfolglosigkeit ganz schön beeindruckend.

SMASH-MAG.com: Also seid ihr ein bisschen enttäuscht?

Tom: Nein, überhaupt nicht. Das ist jetzt eher ironisch gemeint. Manchmal hört man so überschwängliche Lobeshymnen und irgendwelche Hype-Geschichten, von denen wir bisher noch nicht so viel mitbekommen haben. Eigentlich müssten wir riesig sein, wir sind aber nach wie vor einfach auf unserem Level.

SMASH-MAG.com: Vielleicht hat das ein bisschen mit Deutschland zu tun. In England wäre das vielleicht ganz anders.

Frieder: Interessantes Gedankenspiel, haben wir uns auch schon gefragt.

SMASH-MAG.com: Aber so ein Hype, wie er den ganzen britischen Bands widerfährt, der wäre auch nichts für euch?

Frieder: Das ist in Deutschland gar keine Option.

SMASH-MAG.com: Schon klar, aber wenn es möglich wäre.

Tom: Ach, es führt sowieso nur dazu, dass einen die Einen gar nicht erst anhören wollen, weil sie Angst davor haben was aufs Auge gedrückt zu bekommen, und die Anderen einen gar nicht richtig verstehen, sondern nur mögen, weil sie es in den Medien gesehen haben. Insofern erspielen wir uns mittlerweile dann doch lieber unser Publikum. Aber ein Hit wäre mal nicht schlecht. (grinst)  

Info: www.fotosmusik.de
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