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 (Foto: heavenshallburn.com) Der Himmel brennt wieder. Zwei Jahre nach „Deaf To Our Prayers“ haben es die Saalfelder erneut geschafft mit ihrem fünften Album „Iconoclast (Part 1: The Final Resistance)“ dem Ganzen noch eins drauf zu setzen. Musikalisch geht man dabei experimentellere Wege und verzichtet auf Core-Elemente ohne dabei an Härte einzubüßen. Die Musik ist weiterhin Ausdruck für die politischen Ansichten der Band, die auf „Iconoclast“ vor allem Neoprotestantismus, Nationalsozialismus und sozialen Misstand aufgreifen. Vor dem „Rise Or Die“-Festival in Essen stand Gitarrist und Songwriter Maik Weichert Rede und Antwort.
SMASH-MAG.com: Ikonoklasten gelten als Krieger, die den Tod des einen Gottes rächen und alle anderen Gottesbilder zerstören. Wie seid ihr auf den Titel gekommen?
MAIK: Auf den Titel sind wir gekommen, weil es einfach ein cooles Wort war. Erst später habe ich mitbekommen was es wirklich bedeutet und wir brauchten nicht mehr viel dran rum zu biegen, sondern konnten es gut für unser Konzept übernehmen. Die Idee mit den Kriegern passt halt sehr gut, wobei unsere Interpretation doch ein wenig abweicht von dem was man sonst unter Ikonoklasten versteht. Statt Götter umzustoßen geht es bei uns eher um falsche Idole und Vorbilder.
SMASH-MAG.com: Der Song „Joel“ ist gegen Neoprotestantismus in den Staaten gerichtet. Wie kommt ihr darauf ein Thema anzukreiden, das in den Staaten alltäglich ist?
MAIK: Das ist ja nicht nur in den USA vorhanden. Wir kommen aus Thüringen und unser Ministerpräsident Althaus ist auch ein Befürworter des Kreationismus und vertritt merkwürdige Ansichten – das als deutscher Ministerpräsident. Deshalb ist das Thema nicht wirklich weit von uns entfernt. Ich glaube nicht, dass er dieses Denken unbewusst unterstützt. Also ist das Ganze doch schon bemerkenswert. Nicht zu vergessen ist, dass wir solche Dinge auch immer mit einem Augenzwinkern betrachten. Wir sind jetzt nicht völlig verbittert und immer korrekt drauf. Das ist so ein Thema, über das man lachen könnte, wenn es nicht so verdammt traurig wäre - ein gefundenes Fressen halt.
SMASH-MAG.com: Ihr behandelt auch das Hitler Attentat vom 22.Juli 1944. Was hat euch dazu bewegt?
MAIK: Mich hat schon immer aufgeregt, dass die Attentäter als die moralischen Soldaten dargestellt werden. Obwohl selten genau hinterfragt wird was die Leute eigentlich für Ziele hatten. Was sollte eigentlich die Ordnung nach dem Attentat sein? Das es eine richtige Sache war Hitler um die Ecke zu bringen, da brauchen wir nicht drüber zu diskutieren. Nur, da waren Leute am Start die erzkonservativ waren und es hätte später zum Beispiel zur Militärdiktatur kommen können. Auf jeden Fall hätte dadurch eine Ordnung entstehen können, die man heutzutage nicht feiern sollte. Soldaten, die die Massentötungsbefehle verweigert haben, sind in meinen Augen heldenhafter als die Attentäter. Schade, dass diese Namen Abseits der Wehrmachtsausstellung noch nie aufgetauscht sind. Sehr bedauernswert...
SMASH-MAG.com: Aber letztendlich auch müßig sich darüber Gedanken zu machen, was wohl passiert wäre.
MAIK: Ja, natürlich. Aber wenn ich einen Mörder eines Tyrannen als Helden feiere, obwohl der vermutlich selber Züge eines Tyrannen hatte, muss man doch schon schlucken. Ich denke schon, dass viele Hitler deshalb töten wollten, da sie gesehen haben, dass mit ihm auch ihre persönliche Macht untergeht. Viele wollten durch Hitlers tot eben den Nationalsozialismus und das Dritte Reich retten. Leute, wie die von der Weißen Rose oder Einzelattentäter, die Hitler schon vor dem Krieg töten wollten erhalten bei weitem nicht solch eine Publicity. Und dann die Frage, warum dieses Attentat eigentlich scheitern musste? Irgendwie hat dieses Attentat überhaupt keine große Unterstützung erhalten. In der Bevölkerung hat es nicht wirklich etwas bewegt und in den weiteren Militärkreisen passierte auch nicht viel. Letztendlich ist dieser Putschversuch elendig verpufft in der ewig langen Befehlskette der Wehrmacht. Ein Jammer. Deshalb sollte man an diesem Tage nichts feiern. Es ist einfach bedauerlich, dass die falschen Leute das Richtige machen wollten und es nicht geschafft haben.
SMASH-MAG.com: Ihr habt dem Album einige Informationen beigelegt die auf die einzelnen Songs eingehen. Warum habt ihr das gemacht? Hattet ihr Angst missverstanden zu werden?
 (Foto: heavenshallburn)
MAIK: Es sind keine Interpretationen, viel mehr Informationen, die es leichter machen, das entsprechende Thema zu begreifen. Simon Wiesenthal wird zitiert und die Leute sollen auch wissen, wer Victor Klemperer war. Man soll es als Anstoß betrachten, um sich daraufhin weitere Informationen über diese Leute zu beschaffen.
SMASH-MAG.com: Habt ihr das Gefühl, dass die NS-Zeit heutzutage etwas in den Hintergrund abdriftet?
MAIK: Es gerät nicht in Vergessenheit, aber wird in der heutigen Realität zur Geschichte. So wie für uns beide der erste Weltkrieg mittlerweile Geschichte ist, wird der zweite Weltkrieg für die heutigen Kids auch nur noch Geschichte sein. Da wird es keine Oma mehr geben, die mit Tränen in den Augen von der Flucht oder Bombenangriffen erzählt. Ich selbst komme aus Weimar und bin immer am Tag der Befreiung des KZ Buchenwald dort hingefahren. Dort kamen auch immer die Überlebenden, teilweise sogar noch in ihren Häftlingsklamotten. Das ist schon krass. Und es werden immer weniger, die noch am Leben sind. Man merkt es: Realität wird zur Geschichte.
SMASH-MAG.com: Geschichte wird dann wohl auch immer öfter so wie jetzt von den Rechten verleugnet.
MAIK: Aber da hat man geschichtlich und gesellschaftlich sehr viel aufgearbeitet. Leute wie Simon Wiesenthal, oder der Zentralrat der Juden haben viel dafür getan, dass Verleugnungen dieser Art direkt widerlegt werden. Das zu leugnen ist einfach nur abstrus.
SMASH-MAG.com: Wie viel Hoffnung habt ihr, dass sich die Leute eurer Texte annehmen?
MAIK: Mittlerweile kriegen wir wirklich viel Feedback auf unsere Texte. Sei es via Mail oder auch in Interviews – wir werden immer mehr damit konfrontiert. Dabei kommt es auch oft vor, dass man völlig anderer Meinung ist und darüber diskutieren möchte. Das ist schon spannend, interessant und wir sind wirklich überrascht, dass es so viele Anfragen gibt. Die Leute, die die Texte nicht nur einfach konsumieren und dann nachplappern, sondern sich eigene Gedanken machen und kritische Fragen stellen, alleine für die hat es sich gelohnt.
SMASH-MAG.com: Zum Abschluss ein anderes Thema. Hat es auch euch überrascht, dass ihr mit dem Album in der ersten Woche gleich auf Platz 21 der Charts springt?
MAIK: Ja, schon. Die Plattenfirma hat ordentlich Promotion gemacht bzw. machen lassen. Das hat seine Wirkung gezeigt. Dass es dann gleich auf Platz 21 ging hat uns aber wirklich überrascht. Wobei es ein echt nettes Gimmick ist und eine tolle Sache, die man sich auf die Fahne schreiben kann. Da kann man auf Festivals die größere Fresse haben. (lacht) Dennoch, wir leben unser Leben so weiter wie bisher und großartig ändern wird sich da nichts. Viel überraschender finde ich aber, dass wir mit unserem Album in Griechenland auf Platz 29 gelandet sind. Das ist doch mal was (lacht).
SMASH-MAG.com: Neben Caliban und Maroon seid ihr nun die erfolgreichste Combo der deutschen Metalcore Troika.
MAIK: Ja, ich würde es jetzt nicht als Troika, sondern eher als Quadriga bezeichnen, da man Neaera nicht vergessen darf, die mit ihrem letzten Album auf Platz 65 landeten. Aber Chartsplatzierungen sind eh wie Schwanzvergleiche. (lacht)
Info: www.heavenshallburn.com
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