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KILLSWITCH ENGAGE: „Das muss man mir jetzt mal abnehmen“ PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Markus Tils   
Sonntag, 19. November 2006

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Foto: smash-mag.com / Markus Tils
Der Herbst zeigt sich langsam von seiner dunklen und stürmischen Seite und ist nicht umsonst für viele die ungemütlichste Zeit des Jahres. So stürmisch sich der Herbst zeigt, so auch das neue KILLSWITCH ENGAGE Album „As Daylight Dies“. Der Nachfolger von „The End Of Heartache“ bildet weiterhin die Schnittmenge aus Hardcore und Metal und setzt weitere Maßstäbe. Kein Wunder, dass diese Band zu den erfolgreichsten und bekanntesten gehört, was diese MetalCore-Szene zu bieten hat. Im Kölner Hilton Hotel traf man auf einen sehr entspannten, locker wirkenden und sehr sympathischen Frontmann Howard Jones.

 

SMASH-MAG.com: Tja, ich hab es gar nicht so einfach.

Howard: Warum?

SMASH-MAG.com: Weil von den 2 Promo-Tagen die du gemacht hast, bin ich der letzte und alle meine Fragen die ich mir ausgedacht habe, hast du bestimmt innerhalb der letzten Stunden x-Mal beantwortet.

Howard: (lacht) Das stimmt. Von einem Phoner-Interview mal abgesehen bist du wirklich der Letzte. Und wahrscheinlich hast du recht damit, dass ich die Fragen bestimmt schon mal gestellt bekommen habe. Aber solche Tage, wie ich sie jetzt erlebt habe sind Teil meines Berufes. Sie gehören einfach dazu.
 
SMASH-MAG.com: Aber es ist schon hart, oder?

Howard: Nein. Wenn ich so denken würde, dann könnte ich jede Antwort schon vorher auf Tape aufnehmen und sie einfach abspielen. Es kommt auch auf die Situation an wie man fragt und jedes Interview ist eigentlich vom Grundsatz immer etwas Neues für mich. Davon abgesehen, spreche ich am Tag zu etlichen Leuten und die nur 1 Mal zu mir. Die Leute machen sich die Mühe die Fragen zu formulieren und da wäre es falsch gelangweilt oder abgefuckt zu tun, weil ein anderer die Frage schon gestellt hat. Ich weiß, dass solche Tage für die Band halt sehr wichtig sind.

SMASH-MAG.com: War denn einer da, der dich nach eurer Bandhistorie gefragt hat? Ich finde, dass es nichts Schlimmeres gibt als diese Frage.

Howard: Ja. Das ist ne Frage die man wirklich nicht mehr gerne hört. Man kann es eigentlich überall nachlesen und auf unsere DVD wird auch alles drüber verkündet. Aber man erzählt es trotzdem noch mal.

SMASH-MAG.com: Wie waren die bisherigen Interviews? Bist du zufrieden?

Howard: Es waren einige interessante Interviews dabei, aber viele die sehr standardmäßig von ihrem Schema waren. Man wurde nach seinen Erwartungen gefragt oder ob man einen gewissen Druck von irgendwem verspürte. Jemand erkannte in unserem Songs politische Aspekte, was mich dann wieder aufhorchen lies. Viele fanden unsere Texte etwas dunkel, aber einer schoss echt den Vogel ab. Der meinte tatsächlich, dass ihm die Texte depressiv machen. Ich hab ihn darauf gefragt, ob er die Texte gelesen hätte. Er meinte ja und ich hab ihn darauf hin gefragt, was genau ihm depressiv macht. Hey…er hat nur die Titel der Songs gelesen und das war es dann auch. Ich kam mir schon etwas verarscht vor von ihm. Ich komme extra übern Teich hierher und der belügt mich dann damit, dass er die Texte gelesen hätte und es stellt sich heraus, dass er es nicht getan hat. Der Typ hat mich echt aufgeregt. Dann soll er diesbezüglich keine Fragen stellen. Dann fing er auch noch über das Cover an zu sprechen, dass es ihm auch depressiv machen würde…das war ein Typ…
Klar, unsere Texte sind teilweise dunkel gehalten aber beinhalten immer noch den letzten Schimmer Hoffnung. Egal wie aussichtslos eine Situation ist, ich suche immer das Licht am Ende des Tunnels. Niemals aufgeben und die Hoffnung verlieren. Dafür stehe ich.

SMASH-MAG.com: Warst du richtig sauer auf den Kollegen?

Howard: Ich fand sein Auftreten schon was dreist. Er hatte alle Möglichkeiten sich das Album vorher anzuhören, sich die Texte durchzulesen und dann kommt so was. Naja…da kann man nichts machen.

SMASH-MAG.com: Ich hab das Album auch das erste Mal gehört und muss sagen, dass mir die ersten 2 Songs weniger gefallen und dann sich das Album immer mehr steigerte.

Howard: Ja, also der erste Song ist auch etwas langsamer und schwerer… Aber ich merke schon, dass das Album von den Leuten sehr differenzierter betrachtet wird, was ich sehr gut nach empfinden kann. Für mich ist es ein Album, was ich wirklich gut vom Anfang bis Ende durchhören kann. Okay, das klingt vielleicht jetzt nicht so überzeugend, da ich ja singe, aber das muss man mir jetzt mal abnehmen.

SMASH-MAG.com: Hast du die letzen 2 Tage das Gefühl gehabt, dass du etwas sagen müsstest über das neue Album was dich keiner gefragt hat?

Howard: Ich denke mit den Fragen die gestellt wurden ist alles abgedeckt worden. Was mich verwundert hat ist jedoch die vielen Frage zum Cover. Dazu konnte ich nicht viel sagen, da Mike derjenige bei uns ist, der diese entwirft. Was ich noch jetzt dazufügen kann zu all den Antworten ist, dass ich nie zuvor so stressfrei ein Album aufnehmen konnte.

SMASH-MAG.com: Wahrscheinlich, weil du jetzt schon ein Weilchen als Sänger bei Killswitch Engage tätig bist?

Howard: Gut möglich, dass das einer der Gründe ist. Ich bin mittlerweile länger in der Band als Jesse Leech es war. Und wir sind in dieser Formation jetzt auch gewachsen. Wir kennen uns in und auswendig, was die Arbeit um vieles erleichtert hat. Wir haben das Album innerhalb 2 Wochen geschrieben und hatten alle unseren Teil dazu beigetragen, was man auch hört. Paar Demos wurden aufgenommen und dem Label geschickt. Die waren begeistert und so ging es ins Studio. Es lief wie geschmiert und deshalb erscheint das Album auch bereits im November.

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KSE live Essen 2005 / Foto: smash-mag.com / Markus Tils
SMASH-MAG.com: Ist es eine Erleichterung für euch, dass Adam auch der Produzent eures Albums ist?

Howard: Ja, es macht viele Dinge einfacher. Da wir uns alle kennen, wusste er von unseren Schwächen und Stärken. Und da wir nur die Stärken haben wollten, wusste er genau wie er sie auch bekommt.

SMASH-MAG.com: Stimmt es, dass Adam noch bei seinen Eltern wohnt? Johnny Truant wurden ebenfalls von ihm produziert und haben in einem Interview erzählt, dass sie alle bei seinen Eltern im Haus gewohnt und im Keller aufgenommen.

Howard
: Er ist vorkurzem mit seiner Freundin zusammen gezogen. Aber es stimmt, Adam hat ziemlich lange bei seinen Eltern gewohnt und gearbeitet. Und ich hatte immer Spaß daran gehabt ihn damit aufzuziehen. (lacht) Als ich das gehört habe, dass er von zu Hause aussieht sagte ich zu ihm, dass das kleine Kücken wohl anfängt erwachsen zu werden. „Shut Off“ war seine Antwort! (lacht).
Mal ganz ehrlich. Ich würde einiges geben, um mit meinen Eltern zusammen leben zu können. Ich habe mich immer nach diesem Ort gesehnt, den man als sein Zuhause bezeichnet. Vor allem ist es günstiger und zahlt nicht ständig Miete. (grinst)

SMASH-MAG.com: Hast du einen guten Kontakt zu deinen Eltern?

Howard: Ja! Meine Mutter lebt ca. 10 Stunden Autofahrt von mir und ich habe sie auf unsere DVD gegrüßt. Als sie das gesehen hat, hat sie mich angerufen und war sichtlich gerührt und gesagt, dass sie mich halt sehr vermisst.

SMASH-MAG.com: Mag sie eure Musik?

Howard: Überraschenderweise mag sie die nicht. Sie steht mehr auf Soul, R’n’B und so was. Umso erstaunter war ich, als sie mal erwähnte, dass bei Killswitch Engage gute und talentierte Musiker seien. (lacht) Das hat mich echt was stutzig gemacht, aber auch wiederum sehr stolz, so was von ihr zu hören.

SMASH-MAG.com: Ihr wart nominiert gewesen für den Grammy? Ist es Ansporn oder Ziel ihn mal in den Händen zu halten?

Howard: Es ist kein Ziel. Wenn es passieren soll, dann ist es cool. Wir hätten niemals damit gerechnet überhaupt nominiert zu werden. MOTORHEAD haben damals den Preis bekommen und wer gönnt es ihnen nicht? Ich hab auch immer gesagt, dass entweder MOTORHEAD oder SLIPKNOT gewinnt. Es war eine Ehre dabei gewesen zu sein.

SMASH-MAG.com: Wie denkst du über Metal in Deutschland nach? Ich sag mal, dass von Seiten der Musiksender kaum noch was gesendet wird…

Howard: Ich hätte früher nie gedacht, dass Metal ganz groß ist hier in Deutschland. Mit „The End of Heartache“ hatten wir das Album des Jahres bei „Metal Hammer“ und seit unserer ersten Show hier ist das Publikum jedes Mal überwältigend. Man muss sich den Erfolg hier auch erarbeiten. Ich kenne Bands, die spielten ne Show in Großbritannien und in Deutschland und kamen enttäuscht wieder und dachten hier läuft nichts. Ich sagte dann immer, dass man hier schon ausgiebig touren muss. Wer denkt, er könne mal eben nur 1-2 Shows spielen um Erfolg zu haben, der irrt sich. Was Metal im TV angeht ist es momentan hier sehr schwierig. R’n’B und Werbung für Ringtunes laufen nur noch. Es geht mir aber nicht darum auf MTV zu laufen. Vielmehr, dass die Leute zu unseren Shows kommen. Gerade das machen sie! Unsere Shows sind immer voll und das liegt bestimmt nicht an MTV oder ähnlichem. Schau dir die Festivals an. Allesamt sind sie voll und es spielen Bands, die kaum oder gar nicht im Radio oder Fernsehen laufen. Es zeigt, dass das Musikfernsehen nicht allzu viel Bedeutung für Bands wie z.B. für uns hat.


SMASH-MAG.com: Ich sehe an deinem rechten Unterarm das Heartagram der Band H.I.M. Da musst du aber ein großer Fan sein.

Howard: Ja, ich bin ein großer Fan von H.I.M. Ich kenne sie schon sehr lange, bevor sie eigentlich diesen großen Durchbruch hatten.

SMASH-MAG.com: Was fasziniert  dich an dieser Band? Der Sound wird ja gerne als soften LoveMetal bezeichnet.

Howard: Naja, ich höre ja nicht ständig die harte Metalschiene. (lacht). Wir kennen uns und ich schätze die Band sehr. Ville (Ville Valo, Sänger von H.I.M. – Anmerk.) hat mich mal für ein Magazin interviewt und ich hab ihn mal für ein Magazin interviewt. So hat man sich halt getroffen und auch ausgetauscht. Ich mag diese Art von Musik. Sie hat was, was mich einfach umhaut und mich einfach
in bestimmten Momenten besser stimmt.

Info: www.killswitchengage.com / www.roadrunnerrecords.de/artists/killswitchengage

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