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MADINA LAKE: „Sie taten es trotzdem“ PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Markus Tils   
Sonntag, 3. Februar 2008

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Sightseeing auf dem Kölner Dom
Aller Anfang ist schwer – ein Satz, den die Jungs von Madina Lake „mir nichts, dir nichts“ bejahen würden. In England wurden sie von den Kerrang!-Lesern zum „Best Newcomer“ 2007 gewählt und gingen in ihrer Heimat mit Linkin Park und dem gesamten Projekt Revolution Tross auf Tour. Besser kann es einer Band doch eigentlich nicht gehen, oder?
Nur Deutschland scheint für das Quartett ein hartes Pflaster zu sein. Zum zweiten Mal binnen sechs Monaten gastiert die Band im Kölner Underground, doch der Ansturm blieb erneut aus. Warum das so ist, wo die Schwierigkeiten liegen und warum die Band gerade in England alles andere als erfolglos ist, beantwortet Bassist Matthew Leone.

 

SMASH-MAG.com: Wir sitzen jetzt quasi Backstage im Underground. Hier stehen die Betten und hier könnt ihr euch breit machen. Kann man sich das auch in den Staaten so vorstellen?

Matthew: Nein, hier ist es schon besser. Du siehst das Essen da auf dem Tisch? In den Staaten gibt es höchsten Chips und dazu maximal 6 Flaschen Wasser. Und die Schlafmöglichkeiten sind viel kleiner. Also, das ist schon sehr komfortabel hier.

SMASH-MAG.com: Das ist eure zweite Europa-Tour in 6 Monaten. Wie läuft’s?

Matthew: Ja, das ist unsere zweite Tour hier. Wir treffen wieder viele Leute von der ersten Tour und es macht viel Spaß. Einige Shows sind ausverkauft und es ist cool in all diesen Clubs zu spielen. Wobei es hier für uns in Deutschland doch etwas schleppend vorwärts geht. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir es hier auch schaffen werden. Man darf nicht vergessen, dass uns hier niemand kennt. Wir haben hier keine große Band supportet um populär zu werden. Umso schwerer ist es dann auch für uns. Für heute Abend haben wir über 100 Tickets verkauft. Damit sind wir sehr zufrieden.

SMASH-MAG.com: Ich kann mich natürlich an eure erste Tour hier erinnern. Da war nicht wirklich viel los. Ist Deutschland ein besonders schweres Los für euch?

Matthew: Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit amerikanischen Bands umzugehen. Es gibt Bands, die wachsen in den Staaten und setzen alles auf den US-Markt. So lange, bis sie wirklich erfolgreich sind. Erst dann gehen sie in andere Länder. Wir hatten nun die Chance direkt rüber zu kommen und uns ist es wichtig überall kleine Erfolge zu haben, anstelle eines großen. Deshalb schauen wir auf Europa und Japan und suchen hier den Erfolg.

SMASH-MAG.com: Viele empfinden es als schwer in anderen Ländern von vorn anzufangen, wenn man bei euch in den Staaten dick im Geschäft ist.

Matthew: Ja, das stimmt. Wir sind jetzt zwei Jahre durchgehend auf Tournee. In England füllen wir Hallen mit einer Kapazität von über 2000 Menschen, in den Staaten spielen wir vor 500 bis 1000 Leuten und hier in Deutschland spielt man halt vor 100 oder noch weniger. Das demotiviert dich im ersten Moment, jedoch fühlt man sich gleich wieder in der Rolle des Underdogs. Das wiederum spornt uns dann auch an.

SMASH-MAG.com: Oftmals sagen Bands, dass es ihnen nichts ausmacht, ob sie vor 5 oder vor 100000 Leuten spielen. Das ist doch die größte Lüge die man als Band erzählen kann, oder?

Matthew: Naja, es kommt drauf an. Schwierige Frage. Für uns ist es so, dass wir ja Musiker sind und es das Optimum ist, ständig auf Tour zu sein. Wir wollen immer das Beste geben und auch wenn nur Einer im Publikum stehen würde, dann müssen wir ihm zeigen, dass wir es trotzdem wert sind, dass er gekommen ist.

SMASH-MAG.com: Ihr habt in den Staaten Linkin Park bei der Project Revolution Tour begleitet und sie spielen übermorgen hier in Köln. Wäre doch eine gute Gelegenheit für euch gewesen, oder?

Matthew: Das Stimmt. Aber das ist halt eine komplizierte Sache. Wenn eine Band wie Linkin Park hier auf Tour geht, dann wollen alle Labels irgendwie eine Band als Support unterkriegen. Letztendlich ist es auch eine Frage des Geldes, wer mit auf Tour geht. Dazu kommt es, dass wir auf der Kerrang!-Tour in England spielen werden und die Termine stehen. Da freuen wir uns auch schon total drauf.

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Matthew auf der Bühne



SMASH-MAG.com: Wie kam es, dass ihr die die Project Revolution Tour gespielt habt?

Matthew: Die Tour wird ja von Linkin Park initiiert und sie hören sich jede Band vorher an. Ihnen hat unsere Platte gefallen und somit haben sie uns die Chance gegeben mit ihnen auf Tour zu gehen. Linkin Park sind echt super Typen, die nicht einen auf große Rockstars machen. Sie sind immer noch mit beiden Füssen fest auf dem Boden geblieben. Sie kamen gleich am ersten Tag auf uns zu und haben uns gesagt, dass wir nur sagen sollen, wenn wir was bräuchten. Sie haben den Kontakt zu anderen gesucht und zusammen mit den anderen Bands hatte es was Familiäres.

SMASH-MAG.com: Hast du eine Erklärung dafür, dass ihr so erfolgreich in England seid?

Matthew: Ich denke, dass dort die Musikindustrie ganz anders arbeitet. Es beginnt damit, dass man gute Supportshows angeboten bekommt. Das gibt einer Band wie uns gleich einen Schub. In Amerika z.B. kriegt man solch eine Möglichkeit als kleine Band nicht. Wir hatten echt Glück, dass wir letztes Jahr mit Linkin Park spielen durften. Aber vor dieser Tour waren wir echt nur auf uns allein gestellt.
In England sind wir mit Paramore auf Tour gegangen und haben jeden Abend vor 800Kids gespielt. Das war ausschlagend für den Erfolg. Dann zeigen diese Kids auch viel Enthusiasmus und feiern ein Konzert durchgehend. Von der Supportband bis zum letzen Ton des Hauptacts. Die haben einfach riesigen Spaß und sind sehr aufgeschlossen gegenüber neuen Bands.  

SMASH-MAG.com: In England ist auch die Presse sehr euphorisch und eine Welt für sich. Wie empfindest du es, dass ihr von den Kerrang! Lesern zum Best Newcomer 2007 gewählt wurdet?

Matthew: Das wir diesen Preis dort gewonnen haben ist bis jetzt das größte was uns als Band passieren konnte. Die Kids dort haben abgestimmt und sich für uns entschieden. Das ist letztendlich mehr wert als 1 Millionen verkaufter Platte. Ein ganz großes Kompliment für uns.

SMASH-MAG.com: Ihr habt bei der TV Show „Fear Factor“ 50000$ gewonnen und somit den Grundstein für die Band gelegt. Was hat euch damals dazu bewegt dort mitzumachen. Das Geld?

Matthew: Nein, keinesfalls. Es war einfach ein Joke. Ich muss das auch mal klar stellen. Damals, als wir in dieser Show waren, gab es nicht einmal einen Namen für unsere Band. Diese Aktion hatte auch nichts mit der Band zu tun. Wir wollten einfach Spaß haben und den Leuten am Bildschirm eine gute Show bieten. Tja, und plötzlich hatten mein Bruder und ich die 50000$ gewonnen. Davon haben wir uns dann einen Van gekauft und das erste Demo finanziert. Aber es wäre auch ohne das Geld dazu gekommen, dass wir diesen Schritt und diesen Weg als Band gegangen wären.

SMASH-MAG.com: Würdest du noch mal bei der Show mitmachen?

Matthew: Nein. Damals kannte ich die Show nicht und wusste nicht was auf mich zu kam. Wir mussten Eingeweide von Kühen essen und aus einem fliegenden Helikopter springen. Es war schon ’ne verrückte Sache.

SMASH-MAG.com: Vom Helikopter zu springen ist doch cool.

Matthew: Ja, aber die restlichen Sachen waren schon recht eklig.
 
SMASH-MAG.com: Habt ihr schon in Aussicht, wann der Nachfolger zu „From Them, Through Us, To You“ erscheinen soll?

Matthew: Ja. Wir rechnen mit Anfang 2009. Wir schreiben gerade noch an neuen Songs und die sollen bis Ende April soweit fertig sein. Dann bereiten wir uns auf die diesjährige „Warped Tour“ vor und wenn die dann vorbei ist, dann werden wir ins Studio gehen.

SMASH-MAG.com: Ist es ein Vorteil als Zwilling im Musikbusiness? Da fällt man doch eher auf.

Matthew: Ja, das ist so wie die Sache mit „Fear Factor“. Man wird ständig drauf angesprochen. Man hat diese Band und arbeitet wirklich hart daran Erfolg zu haben und immer wieder wird man drauf angesprochen. Das ist schon schwer, damit umzugehen. Ich denke, dass es für die Presse halt interessanter ist über uns als Zwillinge zu schreiben, anstatt über die ganze Band, die aus vier Bandmitgliedern besteht. Die Geschichte mit „Fear Factor“ ist ebenfalls ein gefundenes Fressen. Wenn ich mir wünschen könnte in Zukunft nicht mehr über ein Thema gefragt zu werden, dann wäre es sicherlich über „Fear Factor“.

SMASH-MAG.com: Aber das wird auch von eurem Label ausgeschlachtet und sie weisen auch immer drauf hin.

Matthew: Ja, das ist richtig. Wir haben auch damals darum gebeten es nicht zu tun, aber sie taten es trotzdem (lacht).

Info: www.myspace.com/madinalake

» 1 Kommentar
1Kommentar von Yvette am Montag, 5. Mai 2008 17:50
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