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 Foto: Scott Toepfer Einen wahren Hindernisparcours musste man meistern, um endlich jemanden von Poison The Well vor das Mikro zu bekommen: Erst gab es keinen festen Interviewtermin, dann verpassten uns die Musiker und dann stand schon die erste Band auf der Bühne (in diesem Fall die Stolen Babies). Als schon nicht mehr damit gerechnet wurde, nahm sich Drummer Chris doch noch Zeit, um uns lange nach Ladenschluss im Van der Band doch noch höflich und konzentriert sämtliche Fragen zu beantworten.
SMASH-MAG.com: Ihr ward vor einigen Jahren schon einmal mit Dillinger Escape Plan zusammen in Europa auf Tour. Gab es spezielle Gründe dafür, dass ihr es erneut im Doppelpack nach Hamburg geschafft habt?
CHRIS: Nun ja, beide Bands sind nun einmal mit einander befreundet und respektieren sich. Beim letzten Abstecher hatten wir eine gute Zeit zusammen, weswegen Dillinger bei uns angefragt haben, ob wir nicht wieder Lust hätten mit ihnen zu touren. Da haben wir sofort zugesagt.
SMASH-MAG.com: Wäre es für euch nicht auch interessant gewesen, als Headliner nach Europa zu kommen? Jedenfalls habt ihr heute leider nur sehr kurz gespielt und dabei schienen viele Fans nur wegen euch gekommen zu sein.
CHRIS: Eigentlich hatten wir schon vor als Headliner zu spielen, aber dann sind viele kleine Probleme aufgetaucht, die uns davon abgehalten haben. Das Angebot von Dillinger hat uns erst nach Europa geholt und gibt uns außerdem die Möglichkeit, vor vielen neuen Leuten zu spielen. Ich hoffe aber, dass wir bald noch einmal als Hauptact rüberkommen können, spätestens wenn wir unser neues Album veröffentlicht haben. Die Spielzeit auf dieser Tour ist wirklich ziemlich kurz. Heute waren wir aber auch einfach spät dran, weil wir bei der Anreise viel Zeit in Tennesee beim Umsteigen verloren haben.
SMASH-MAG.com: Bei euren vergangenen Europatouren waren jedes Mal verschiedene Musiker mit an Bord und viele sind schon gespannt wer 2008 zu Poison The Well gehört. Kannst du die neuen Leute kurz vorstellen?
CHRIS: Als Gitarristen haben wir dieses Mal Bradley Clifford mit dabei, der früher bei Since Of Man gespielt hat. Mit denen sind wir vor Jahren schon zusammen getourt und waren uns gleich sympathisch. Bradley Grace war schon lange unser Gitarrentechniker und spielt jetzt bei uns Bass. Wir sollten eigentlich schon immer in einer festen Besetzung spielen, aber manchmal laufen die Dinge eben anders. Es ist auch gar nicht so einfach Leute zu finden, die wirklich zur Band passen.
SMASH-MAG.com: In Amerika scheint ihr um ein Vielfaches bekannter zu sein. In einigen Interviews klingst du aber richtig verbittert, in Bezug auf die Szene in den Staaten. Hat sich diese Beziehung in den letzten Jahren verändert?
CHRIS: Bis zu einem bestimmten Grad hat sich eigentlich nichts verändert: Es ist immer noch wichtig gut auszusehen und die richtigen Schuhe und Jeans zu tragen. Ich glaube aber, dass das Aussehen, das Image und der ganze Kunstkram keine Rolle spielen sollte. Music is music. In Amerika verkauft sich eine Band aber fast nur noch über „den einen „catchy“ Song“ und ihr Image. Auf der einen Seite ist es cool, dass Hardcore so groß geworden ist, aber andererseits gehen die Inhalte den Bach runter. Eigentlich sollte man doch selbstbestimmt sein eigenes Ding durchziehen und sich nicht nur nach den Meinungen anderer richten… (überlegt) Es ist schon ok, dass sich die Musiker auch etwas am Geschäft orientieren und wissen, wo ihr Geld hingeht. Aber die Majorlabels, die großen Manager und dieser ganze Bullshit haben immer irgendwo ihre Hände mit im Spiel. Und deswegen hat sich die Hardcoreszene nicht zum Besseren entwickelt. Manchmal fühlt man sich wie auf einem sinkenden Schiff. Aber wenn der ganze HC-Trend abflaut, wird sich das Geschehen wieder in den Underground verlagern und ich denke auch, dass wir gerade diese Entwicklung mitmachen: Uns ging es finanziell mal relativ gut, wir sind zu einem Major gewechselt und so weiter. Jetzt spielen wir zwar kleinere Shows, aber die Kids, die zu unseren Konzerten kommen, interessieren sich wirklich für unsere Musik und die Inhalte.
SMASH-MAG.com: Ehrlich gesagt haben wir uns schon gewundert, dass ihr als Roadies bei Dillinger aushelft und mit eurem Van dem großen Reisebus hinterherfahren müsst…
CHRIS: Das letzte Mal haben wir uns den Bus auch geteilt, aber jetzt spielen wir auch noch mit den Stolen Babies zusammen, der Band vom Dillinger Drummer Gil. Deswegen teilen die sich dieses Mal den Bus… aber das ist schon ok. Wir sparen eine Menge Geld, wenn wir mit einem Van unterwegs sind, denn eine Tour in Europa ist immer eng mit finanziellen Fragen verknüpft: Nur wenn wir etwas Geld verdienen, können wir zurück in die Staaten unsere Rechnungen bezahlen. Aber ich mag es einfach, mit dem Van unterwegs zu sein und mir die Landschaften anzugucken, wenn wir durch Deutschland und Skandinavien fahren und das Leben an einem vorbeizieht. Ich beobachte gerne die Menschen in fremden Ländern.
SMASH-MAG.com: In diesem Jahr feiert ihr euer 10-Jähriges Veröffentlichungsjubiläum. Habt ihr irgendwelche Feierlichkeiten geplant und wer ist eingeladen?
 Poison The Well in Hamburg (Foto: J. Laging) CHRIS: Wahrscheinlich werden wir nichts Großes veranstalten, aber unser Tourmanager sammelt gerade Material für eine „Anthology – The past 10 years“ DVD. Das ist so etwas wie ein „sein kleines Kunstprojekt“ geworden: Er führt immer noch mit allen möglichen Leuten Interviews, die etwas mit der Band zu tun hatten oder mit uns getourt sind… also wird die DVD wohl noch lange auf sich warten lassen. Meine Freundin, die an einer Kunsthochschule studiert, hilft ihm etwas dabei. Aber eine spezielle Show oder ähnliches haben wir nicht geplant.
SMASH-MAG.com: In einem Interview habt ihr erzählt, dass ihr gerne in Schweden aufgenommen habt, weil die Sonne im Winter nur wenige Stunden am Himmel zu sehen war und sich dies auf euer Spiel ausgewirkt hat. Wie würde „Versions“ klingen, wenn ihr im Sommer in Schweden aufgenommen hättet und die Sonne gar nicht untergegangen wäre?
CHRIS: Vielleicht würde es etwas fröhlicher klingen, aber wohl nicht sehr viel, denn die Stimmung in Schweden ist einfach eine – nun ja – melancholische. Die Leute dort haben sich sicher daran gewöhnt, aber für uns Jungs aus Miami/Florida ist es eine andere, regnerische Welt, die so anders ist, dass wir gleich versucht haben uns daran zu gewöhnen. Ich bin mir aber sicher, dass unsere Produzenten genau solche Gefühle in uns auslösen wollten. Genau dieses gewisse Unbehagen haben sie am Laufen gelassen, weil sie glaubten, so dem Album helfen zu können und den Stücken den richtigen Vibe zu verpassen.
SMASH-MAG.com: Vielleicht ist es auch sehr unangenehm den ganzen Tag von Helligkeit umgeben zu sein…
CHRIS: Ich mag die Dunkelheit; deswegen war mit der „Licht-Faktor“ gar nicht so wichtig. Vielmehr hat mich diese kleine schwedische Stadt beeinflusst. Jeder dort hat zwar Englisch gesprochen, aber trotzdem war alles so unglaublich anders. Wir haben versucht uns anzupassen, aber trotzdem habe ich mich als Außenseiter gefühlt.
SMASH-MAG.com: Ich will nicht ausgiebig auf „Versions“ zu sprechen kommen, aber eine Frage brennt mir auf den Lippen: Wer hatte die Idee für die außergewöhnlichen Arrangements von „Riverside“?
CHRIS: Das Stück ist schon sehr alt. Ryan und ich haben es zusammen mit unserem alten Gitarristen Derek geschrieben…der aber eigentlich doch nicht so viel daran beteiligt war. Damals haben wir jedenfalls mit Derek ein paar Songs für ein Demo aufgenommen, uns dann aber darüber zerstritten. Dennoch gefiel mir das Stück so gut, dass ich Ryan weiter damit genervt habe, eine neue Version von uns beiden für „Versions“ aufzunehmen. Als wir dann im Studio nur noch das Grundgerüst für den Song stand, hatte jemand die Idee mit dem Horn-Arrangement. Unser Produzent konnte Posaune spielen und Ryan brauchte ihm nur noch die Noten sagen….und ich mag das Stück sehr. Was ich an „Versions“ wirklich liebe, ist die Vielfalt der Stücke und die verschiedenen Elemente.
SMASH-MAG.com: Von Album zu Album haben die cleanen Gesangspassagen immer mehr zugenommen. Könntet ihr euch vorstellen, vielleicht für eine EP einmal völlig auf die Hardcore Shouts zu verzichten?
CHRIS: Sicherlich könnte ich das: In „Riverside“ beispielsweise ist kein einziger Schreipart vorhanden und trotzdem ist es ein toller Song. Its not cheesy pop music – its just really tasteful. Wenn es Ryan und Jeff nicht zu viel ausmachen würde, könnte ich mir schon vorstellen, dass unsere Stücke etwas reifer werden und mehr von der Stimme getragen werden. Bisher sitzen meist Ryan und ich zusammen und schreiben die Musik. Aber die beiden Neuen werden sich jetzt sicher auch mehr einbringen und ihren Beitrag zu PTW beisteuern. Deswegen haben wir sie in die Band aufgenommen, weil wir uns sicher sind, dass sie uns weiterbringen werden, sowohl live, als auch im Studio.
SMASH-MAG.com: Habt bereits zwei Mal die Smashing Pumpkins gecovert und scheint demnach Fans ihrer Musik zu sein…
CHRIS: Ja und nein. Wir mögen zwar ihre Musik, aber wenn sie jetzt in Miami spielen würden und ich wäre zu Hause, würde ich nicht unbedingt hingehen. Es war eher ein komischer Zufall, dass wir sie zweimal gecovert haben: Zuerst wollten wir „irgendein Cover“ einspielen und sind zufällig auf „Today“ gekommen. Und dann hat jemand von einer Compilation genau dieses Cover von uns gehört und für den Sampler angefragt, ob wie auch „Soma“ covern könnten („The Killer in You: A Tribute to Smashing Pumpkins“ – Anm. d. Verf). Da gab es also eine kleine Verbindung… Ich mag die Pumpkinds schon: „Siames Dream“ und „Pisces Iscariot“ sind tolle Alben, aber ich persönlich bin kein allzu großer Fan von ihnen.
Info: www.myspace.com/poisonthewell
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2 Kommentare
1Kommentar nettes interview. ein bißchen mehr in die tiefe hätte es gehen können, da gäbe es doch ein paar fragen die auf den lippen brennen. und heißt die band vom gitarristen brad cifford nicht since BY man?
2Kommentar Oh ja...da ist mir ein kleiner Tippfehler unterlaufen: Die Band heisst natürlich Since BY Man. Mit dem "in die tiefe gehen" war es insofern schwierig, als das wir (Dominick + ich) das Gespräch nach der Show geführt haben und wirklich jeder im Tourtross in hektischer Aufbruchsstimmung war. Als wir im Van sassen wurden wir auch mindestens 5, 6 Mal unterbrochen und Chris musste z.B. seine Fußmaschine zusammenbauen usw. Deswegen war unsere wechselseitige Aufmerksamkeit immer etwas beeinträchtigt. Trotzdem hat´s Spaß gemacht und dafür, dass Chriss echt unter Strom stand hat er sich auch echt Mühe gegeben...
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