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SMOKE BLOW: Ein Album für jede Lebenslage PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Markus Tils   
Mittwoch, 26. März 2008

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Foto: Eric Weiss
„Colossus“ heißt das neuste Werk der Kieler Schweinerocker von Smoke Blow und soll nach eigener Angabe das „ultimative“ Album der Band sein. Eine ernstzunehmende Aussage. Smoke Blow bringen dabei einige neue Überraschungen. Welche? Das kann man im folgenden Interview mit Jack Letten und MC Straßenköter lesen.

 

SMASH-MAG.com: Wie definiert ihr Rebellion?

Jack zu MC Straßenköter: Dann definiert du mal, mein lieber Freund.

MC Straßenköter: Dass, auch noch als erste Frage…

Jack: Jetzt hau’ mal rein.

MC Straßenköter: Rebellion. Keine Ahnung. Ich würde sagen, es ist jedem selbst überlassen was er daraus macht. Man will ja was damit bewegen. Ist das jetzt auf die Band bezogen?

SMASH-MAG.com: Meine zweite Frage lautet, ob Smoke Blow das passende Ventil oder Werkzeug dafür ist?

Jack: So gesehen sind wir eine unreflektierbare Rebellion. Wir sind gegen alles. Vor allem auch gegen uns selbst. Ein in uns tief sitzender Hass. Mit Hass gekocht.

MC Straßenköter: Die geballte Wut der Mittelklasse.

Jack: Ganz genau.

SMASH-MAG.com: Jack, du führst ja neben der Band auch ein relativ normales Leben.

MC Straßenköter: Was soll das heißen? Führe ich kein normales Leben?

Jack: So gesehen ist es eine Art Wochenend-Rebellion.

MC Straßenköter: Man muss ja auch mal raus aus seiner normalen Arbeiterhaut.

SMASH-MAG.com: Ist dieser Spagat zwischen Arbeit und Bühne, der einzige Weg heutzutage authentisch zu sein?

Jack: Was heißt der einzige? Es ist unser Weg halt.

MC Straßenköter: Dieser Rhythmus zwischen Arbeit und Band ist ja für uns völlig normal. Wir kennen es nicht anders.

SMASH-MAG.com: Beim letzten Album hast du mal gesagt, dass man drei Anläufe braucht, damit es zündet. Wie viele Anläufe braucht „Colossus“?

Jack: Mir wird das immer von Leuten gesagt, dass sie ein paar Anläufe brauchen. Ich selbst kann so was ja nicht beurteilen. Ich kann nicht in anderer Leute Schädel schauen um festzustellen, wann jetzt unser Album bei denen zündet. Meine Erfahrung ist, dass die Leute es beim ersten Mal halt „Naja, okay…“ finden, beim zweiten Mal dann „Okay“ und beim dritten Mal „Alles klar!“ rufen. Unser Grafiker ist zum Beispiel einer, der mir immer sagt, dass er drei Anläufe braucht, um unsere Platte gut zu finden.

SMASH-MAG.com: Mir ist aufgefallen, dass es nicht mehr diese düstere Stimmung vermittelt, wie die bisherigen Alben.

Jack: Ja, dass hält sich hier ein wenig die Waage. Einige Songs sind schon etwas düster, aber die anderen sind richtige Partykracher.

SMASH-MAG.com: Neu ist auch, dass ihr einige deutschsprachige Songs habt. Wie kommt’s?

Jack: Das haben wir jetzt zum ersten Mal gemacht. Der Grund ist der, dass man auch mal mit seinem Latein am Ende ist, wenn es darum geht sich in der englischen Sprache auszudrücken. Man kann Inhalte anders und gewitzter rüber bringen, was man auf Englisch nicht kann. Ich habe nicht die zwei Jahre in Amerika oder England gelebt, um jetzt hier alles perfekt beherrschen zu können, dass ich meine Texte so transportieren kann, wie ich es gerne hätte. Es war ein Versuch und der ist uns gelungen, wie wir finden.

SMASH-MAG.com: Keine Angst gehabt?

Jack: Doch, doch. Sehr große Angst. Der Grat ist auch Schmal zwischen studentisch oder banal. Wir wollten genau dazwischen liegen.

SMASH-MAG.com: Die deutschsprachigen Songs erinnerten mich teils an Turbostaat. War schon seltsam.

Jack: Ich hab jetzt keine Turbostaat CD zu Hause und höre die Band auch nicht bewusst. Insofern kann ich dazu nichts sagen. Ich kann nur sagen, dass ich eine Band wie Dackelblut höre und es höchstens daher kommt. Turbostaat selbst, das würde ich mal behaupten, sind ziemlich stark von Dackelblut beeinflusst.

SMASH-MAG.com: Ihr sagt selbst, dass „Colossus“ als das ultimative SMOKE BLOW Album in die Geschichte eingeht. Was gibt den Ausschlag dafür?

Jack: Wir haben eigentlich nichts anderes gemacht, wie bei den anderen Platten auch. Das ist der typische Smoke Blow Sound, die typischen Smoke Blow Akkorde. Die Songs sind soweit gerafft und gestrafft worden, dass sie die optimale Länge haben und die Refrains sind die stärksten, die wir bis jetzt gemacht haben. Und es sind die besten Texte. So sehen wir das jetzt.

SMASH-MAG.com: Welche Erwartungshaltung habt ihr?

Jack: Scheiß egal, wie es aufgenommen wird. Wobei, das Album wird ja schon sehr gut aufgenommen. Wir haben ja bereits einige Interviews gemacht und man merkt es eben. Aber es wird immer die geben, die ein wenig enttäuscht sind, weil das Album nicht so klingt wie das Album davor, oder davor. Letztendlich machen wir immer dasselbe. Die Rangehensweise ist immer gleich, aber die Platten klingen am Ende immer anders. Warum? Das kann ich dir jetzt auch nicht beantworten. Auf Kritiken kann man aber generell nicht viel geben. Platten müssen sich entwickeln, gerade Punkrock-Platten.

SMASH-MAG.com: Wenn ihr eine Hitliste eure Alben machen müsstest. Wie würde die aussehen?

Jack: Wir entwickeln uns nicht weiter. Das klingt immer so progressiv. Man entwickelt sich anders, aber nicht weiter. Wir merken halt, dass wir einfach bessere Songs und Texte schrieben als damals. Die „Bloodrock“ oder „German Angst“ sind einfach Brecher-Platten. Die kannst du aber auch nur in bestimmten Lebenslagen hören. Die kannst du echt nur hören, wenn du zum Beispiel durch den Berufsverkehr nach Hause kommst und tierisch die Büchse auf hast und einfach mal Luft rauslassen musst. Um morgens aus dem Bett zu kommen oder wenn du am Strand liegst absolut fehl am Platz Da kommen wir noch mal zum Ausdruck der „ultimativen Platte“. „Colossus“ ist ein Album für jede Lebenslage. Du kannst es morgens, mittags, abends, am Strand, im Bett, wo auch immer hören.

MC Straßenköter: Einfach gut kombinierbar.

SMASH-MAG.com: Jack, wie gehst du eigentlich an die Arbeiten an solch ein Album ran? Neben Smoke Blow singst du auch bei Genepool, wo das letzte Album vor einiger Zeit erschienen ist.

Jack: Bei Genepool bin ich nicht in der Vorbereitung involviert. Ich bin nur ins Studio und habe gesungen. Den Rest hat die Band im Vorfeld gemacht.

SMASH-MAG.com: Und wie ist das für dich?

Jack: Es ist anders, vor allem zeitsparend. Da ich die Songs nicht von Anfang an entwickle bleibt auch einiges auf der Strecke. Smoke Blow baut seine Songs halt ganz anders auf. Genepool baut die Songs vom Instrumentalen und Smoke Blow vom Gesanglichen und Textlichem her auf. Das ist grundlegend.

SMASH-MAG.com: Jetzt kommt eine Tour, im Sommer Festivals und im Spätsommer erneut eine Tour. Kommt es noch vor, dass ihr die Hosen runter lasst und nackig auf der Bühne steht?

MC Straßenköter: Wenn es warm ist, dann ist es angebracht. (lacht) Es kommt halt auf den Moment an und ist kein fester Bestandteil unsere Show.

SMASH-MAG.com: Ich kann mich an eine Show im Kölner Underground erinnern, wo du nackig durch Publikum geturnt bist. Das war noch zu „Bloodrock“-Zeiten…

Jack: Joah, das ist aber schon verdammt lange her. Da kannste dich aber glücklich schätzen, das noch erlebt zu haben. Klar, aber damals sind wir auch noch viel krasser an die Sache rangegangen. Heute, nach etlichen Konzerten und Tourneen später ist man halt an einem Punkt, wo man es nicht mehr so kann, man geht anders ran.

SMASH-MAG.com: Warum kann man nicht mehr? Fehlt die Unbekümmertheit, die ihr damals hattet?

Jack: Ja, kann man sagen. Wenn heute Leute zu unseren Shows kommen und genau das jetzt so erwarten wie du es damals gesehen hast, dann habe ich auf so was auch keinen Bock mehr.

MC Straßenköter: Wir werden ja auch älter und brauchen nicht jeden Abend die große Pimmel-Show.

Jack: Alle fanden die Shows damals krass und geil, aber wir wurden nur darauf reduziert, dass wir nackt auf der Bühne standen. Das war ja doch nachteilig, obwohl wir musikalisch immer eine sehr gute Band waren, egal welches Album du nimmst.

SMASH-MAG.com: Du bist ja schon eine Ewigkeit Erzieher. Waren schon einige Kinder bei euren Shows, die im Kindergarten waren, als du mit dem Job angefangen hast??

Jack: Vom Alter würde das passen. Ich mache ja den Job bereits 13 Jahre. Aber auf einer Show habe ich noch keinen von denen gesehen. Warum auch, ich hab sie ja gut erzogen. (lacht)

SMASH-MAG.com: Also, muss man verdorben sein, um auf eure Shows zu kommen?

Jack: Nein, natürlich nicht. Aber ich bin auch ganz froh drum, dass ich noch keinen bei einer unserer Shows gesichtet habe. Ich möchte das halt auch für mich trennen: Job und Band.

SMASH-MAG.com: Warum?

Jack: Weil ich keinen Bock habe, mich ständig mit den Leuten über meine Band zu unterhalten. Wenn sich die Leute dann mit meiner Musik auseinandersetzen, dann stelle ich für viele eine ganz andere Person dar, die ich beruflich aber nicht bin. Und das will ich nicht. Man muss sich ja nicht ständig über die Band unterhalten. Ist auch mal irgendwann langweilig. Ich muss ja jetzt schon drei Tage lang Interviews machen. Weißt du wie schrecklich das ist? Ich will ja auch ein Leben neben der Band haben.

Info: www.smokeblow.de
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