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TEGAN AND SARA: Melancholischer oder dunkler, whatever PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Markus Tils   
Donnerstag, 28. Februar 2008

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Foto: warnermusic.de
Ein Geheimtipp startet durch! Die Zwillinge Tegan und Sara Quin besser begannt als „Tegan And Sara“ präsentieren nun auch in Europa ihr aktuelles Album „The Con“. In den Staaten bereits im Sommer 2007 veröffentlicht, hat es Lobeshymnen eingesackt wie Schumi WM-Titel. Indie von seiner schönsten Seite. Rock, Pop, Folk bis hin zu Elektro kombinieren die Zwillinge zu einem harmonischen Sound, der seines Gleichen sucht.

 

Da muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen und zum offiziellen Pressetermin erscheinen. Sara Kiersten Quin sitzt auf dem Sofa und schaut TV als die Tür aufgeht. Das vorherige Phoner-Interview scheint wohl länger zu Ende zu sein und sie zappt sich durchs Programm. Sie schaltet direkt aus und begrüßt freundlich. Ihre Schwester Tegan ist leider nicht mit von der Partie. Umzugsstress verhinderte ihren Ausflug nach Europa. Sie ist klein, zierlich, strahlt freundlich und wirkt äußerst sympathisch. Auf geht’s, Sara!
 
SMASH-MAG.com: Ihr wohnt beide in unterschiedlichen Städten. Da trifft man sich nicht mal eben zum Proben. Wie handhabt ihr dieses Problem?
 
SARA: 70 oder 80 Prozent eines Songs sind soweit fertig. Ich hab sie dann auf meinem PC. Dann sende ich es zu Tegan rüber und sie hört es sich an, macht Verbesserungsvorschläge und fügt ihren Teil, ihre Ideen hinzu. Dann schickt sie mir alles zurück. So gesehen wandern die Songs hin und her.

SMASH-MAG.com: Über das Album „The Con“ sagst du, dass es einen dunkleren Eindruck vermittelt. Warum?

SARA: Vielleicht liegt es daran, dass bei uns nicht alles so rund lief. Tegan hatte viel Liebeskummer und noch andere Dinge, die einfach keine gute Laune zuließen. Bei mir war es nicht anders. Man stellt sich generelle Fragen, dachte über das Leben nach: „Was macht man überhaupt?“, „Bin ich glücklich mit meinem Leben?“, oder „Bin ich glücklich mit meiner Beziehung?“.  Diese Phase spiegelt das Album wieder. Ob jetzt melancholischer oder dunkler, whatever...

SMASH-MAG.com: Wieso habt ihr das Album „The Con“ (Schwindel) genannt?

SARA: Es geht um den Schwindel den man macht, um irgendjemanden zu gefallen. Wie oft erzählt man kleinere Lügen oder übertreibt irrsinnig, nur um cooler dazustehen? Oft liegt man doch nachts im Bett und fragt sich, ob es wirklich so ist, wie man es den anderen gesagt hat. Mag ich wirklich dieses und jenes oder sag ich es einfach nur so? Das ist eine Art von Selbstbetrug den wir hier aufgreifen und der uns ständig begleitet.

SMASH-MAG.com: Magst du dein Leben gerade?

SARA: Ja, ich denke schon. Ich merke, dass ich gerade den richtigen Job ausübe. Ich mag meine momentane Karriere, ich liebe es Musik zu machen und ich mag meine Band. Mal schauen, wie lange es anhält. Man weiß ja nie. (lacht)

SMASH-MAG.com: Der erste Song des Albums heißt „I Was Married“? Ich dachte,  du lebst momentan in einer Beziehung?

SARA: Ich bin wieder Single. Aber der Song handelt von der Zeit in der Beziehung. Man muss in Kanada nachweisen können, dass man in einer Beziehung lebt und braucht dazu bestimmte Dokumente. Als wir diese damals ausgefüllt haben und unterschrieben habe, sagte ich zur meiner damaligen Freundin, dass ich mich gerade fühle, als ob ich geheiratet hätte. Gerade für gleichgeschlechtliche Ehen oder Beziehungen ist es halt immer noch schwierig.

SMASH-MAG.com: Eine Kritik über euer Album lautet wie folgt: „The Con ist nicht perfekt, was aber auch nie das Ziel gewesen ist. Es gehört zu den besten Alben des Jahres 2007.“ Stimmst du dem zu?

SARA: Ja, weil ich bei der Musik niemals ein Perfektionist sein wollte. Ich bin eher ein spontaner Mensch. Wenn etwas gut ist, dann her damit. Ich bin mit sehr viel Punkmusik aufgewachsen und da ist ja auch nicht alles Perfekt. Es geht um das Gefühl, das bei Musik entsteht. Das ist entscheidend. Manchmal ist es besser einen Fehler auf der Platte zu haben, da man sich damit viel besser identifizieren kann, als wenn alles zu perfekt ist.

SMASH-MAG.com: Ihr habt auf der Platte viele Gastmusiker.

SARA: Ja, das stimmt. Matt Sharp (Weezer, The Rentals) ist ein guter Freund von mir. Ich kenne ihn bereits seit sechs Jahren. Als wir uns getroffen haben hatte er halt Zeit und da er auch etwas älter und erfahren ist haben wir ihn gefragt, ob er Lust hat mitzumachen. Es hat Spaß gemacht, da er einfach immer total fertig war. Er kam schon am Morgen mit hängenden Schultern und seufzend ins Studio. Das war schon lustig. Wir haben ihn dann immer etwas aufgemuntert. Aber auch die anderen Musiker, wie Jason McGerr waren großartig. Hunter Burgan von AFI, ein sehr guter Freund von Tegan, und natürlich Kaki King, eine wirklich großartige Gitarristin – unglaublich gut.

SMASH-MAG.com: Wie war die Zusammenarbeit mit Produzent Chris Walla?

SARA: Chris Walla ist ein super netter Kerl, der sein Studio in seinem Keller hat. Wir hingen die ganze Zeit dort ab und hatten richtig viel Spaß. Er ist ein ganz normaler Typ, der in einem stinknormalen Haus lebt, in seinem Wohnzimmer eine riesige Portland-Flagge hängen hat und ein Hybrid Auto fährt. Wir gaben ihm unser Material schon Monate vor den Aufnahmen. So kannte er jedes Wort und jeden Ton von uns. Man hatte teilweise das Gefühl, dass er sich besser mit den Songs auskannte als wir selbst. So intensiv hatte er sich damit beschäftigt.

SMASH-MAG.com: Ich finde es amüsant, dass du es extra erwähnst, dass er ein Hybrid Auto fährt.

SARA: Ehrlich? Ja, Chris ist halt ein politisch engagierter Mensch und achtet schon darauf, dass es in dem Fall gut für die Umwelt ist. Er ist nicht der typische Rockstar, der einen auf dicke Hose macht. Er steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Ganz normal halt. Das macht ihn so sympathisch.

 

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Foto: warnermusic.de


SMASH-MAG.com: Death Cab For Cutie – sind die wirklich so groß im Geschäft in den Staaten? Hier liefen sie anfangs über ein kleines Indie Label und erst mit „Plans“ kamen sie hier zu Warner Music.   

SARA: Ja, das letzte Album „Plans“ verkaufte sich fast eine Million Mal. Sie sind richtig groß in den Staaten. Im Studio haben wir über alles Mögliche geredet, über unsere Karrieren und das Touren. Dabei ging es auch darum, dass es hier ganz anders läuft als in den Staaten. Sie haben für ihren Erfolg in den Staaten so hart gearbeitet und hier fangen sie bei Null an. Ich kann das gut nachvollziehen, was uns Chris erzählt hat. Denn auch wir arbeiten nun seit 8 Jahren an unsere Karriere und haben schon Erfolge in den Staaten, Kanada und Australien. Dann kommt man nach Europa und wird gefragt, wer man ist und was man macht. Das ist echt schon schräg und teilweise auch anstrengend. Aber wir merken es, dass sich die Arbeit auch hier lohnt und wir uns mehr und mehr einen Namen machen. Außerdem möchte ich auch mal nach Japan, Frankreich oder mal nach Island. Das wäre bestimmt interessant, da es dort eine großartige Musiklandschaft gibt, aber gerade mal 320000 Einwohner.

SMASH-MAG.com: Weißt du, dass Billy Talent hier ziemlich fett im Geschäft sind?
 
SARA: Boah, yeah! Ich weiß. Das ist unglaublich. Sie sind eine echt coole Band und auch bei uns sehr erfolgreich. Aber in den Staaten kaum. Sie sind nicht wirklich eine richtig große internationale Band, wie ich finde, oder? Schon verrückt, wie erfolgreich die hier sind.

SMASH-MAG.com: Wie sieht es mit Alexisonfire aus, die ja ebenfalls aus Kanada kommen?

SARA: Ja, die sind auch sehr erfolgreich bei uns und verkaufen ordentlich CDs. Die ganze Punkrock Szene ist sehr lebendig. Wir, für unseren Teil verkaufen nicht so viele Alben und füllen auch nicht die Hallen wie Alexisonfire. Aber wir sind mit dem bisherigen Verlauf natürlich sehr zufrieden. 300000 verkaufte Platten und ständig im TV zu sein, das ist auch nicht das was ich wirklich will. Man würde sich zwar darüber freuen, aber dieser ganze Hype um eine Person, das ist irgendwie nichts für mich.

SMASH-MAG.com: Ist es ein Problem für euch, dass „The Con“ in den Staaten bereits seit Sommer 2007 draußen ist und jetzt erst hier in Europa?

SARA: Mmh, schwierig. Natürlich hätten wir es gerne gesehen, dass das Album zeitgleich erscheint. Doch die Leute von unserem Label hier kannten uns noch gar nicht richtig und haben uns vorher auch nicht live gesehen. Deshalb haben sie sich entschlossen, dass das Album erst in den Staaten veröffentlicht werden soll. Ich kann ihrer Entscheidungen nachvollziehen, hätte es mir aber anders gewünscht. Aber das ist nicht nur in Deutschland so. Auch in den anderen Ländern hat sich das Label so entschieden. Dabei haben wir ja hier schon unsere Fanbase und verkaufen genügend Tickets, um die Läden voll zu kriegen in denen wir spielen. Labels investieren viel Geld in Bands. Da ist man einfach vorsichtig. Wir selbst brauchen nicht viel Geld. Wichtiger sind uns Leute, die an uns glauben, uns unterstützen und unsere Musik mögen. Ich bin positiv gestimmt, dass Warner Germany gute Arbeit macht und wir einiges erreichen werden. Das ist alles Labelpolitik und man hat sich sicher etwas dabei gedacht. Viele denken ja, dass man uns unterstützt in dem man sich das Album downloaded und dann bei einer Show ein Shirt kauft. Es ist paradox, da es nur zum Teil dazu beiträgt. Denn wenn niemand für unsere Platten zahlen würde, dann hätten wir nicht das Geld, um zu Touren. Somit kann man sich dann auch kein Shirt kaufen. Eine Tour ist nicht gerade billig, vor allem wenn man aus Kanada mit seinem ganzen Equipment rüber kommt. Das vergessen die meisten. Es ist ein komischer Kreislauf, der irgendwie undurchschaubar ist.

SMASH-MAG.com: Eure Songs wurden von The White Stripes und The Rentals gecovert. Ist es nicht komisch, wenn jemand anderes die eigenen Songs spielt?

SARA: Ich liebe deren Interpretationen unserer Songs. Es ist einfach cool, wenn jemand wie die White Stripes oder The Rentals deinen Song nehmen und ihn nachspielen. Ich hab plötzlich auch ganz andere Sichtweisen auf die Songs bekommen. Man denkt ganz anders drüber nach. Verrückt.

SMASH-MAG.com: Wie gefällt dir der Remix von „Back In Your Head“ von DJ Tiesto?

SARA: Der ist ebenfalls richtig cool. Vor allem: Was haben wir mit DJ Tiesto zu tun? Ich höre ja weder House, noch Techno. Er ist so fett im Geschäft und kriegt eine Menge Songs angeboten, um sie zu remixen. Zum Bespiel Justin Timberlake, da war es schon cool, dass er einen Song von uns gewählt hat. Schließlich haben wir kein Geld dafür und haben auch nie gefragt, ob er es machen würde. Er hat es von sich aus getan, weil er einfach Lust hatte auf den Song.

Info: www.teganandsara.com

» 3 Kommentare
1Kommentar von cosy am Samstag, 8. März 2008 19:33
nettes interview. mich würde jedoch mal interessieren, wann und wo das interview stattfand?  
gruß
2Kommentar von markus am Freitag, 14. März 2008 06:51
pressetag in köln....in einem hotel am rhein...datum...ohje, weiß ich nicht mehr. Ende Jan oder Anfang Feb. war es...
3Kommentar von rob am Freitag, 21. März 2008 19:27
richtig? sie beide sprechen deutsch? oder hat man es auf deutsch getypt?
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