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THE FASHION: "Ein Hauch von Dunkelheit und Unvorhersehbarkeit" PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Felix Neumann   
Montag, 3. März 2008

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Den Hype-Charakter in der Tasche! (Foto: thefashion.dk)
Was Anfang 2000 unter dem Namen Joyphilter begann, hat seit 2003 absoluten Hype-Charakter. Nach Formationswechseln und ändern des Namens in The Fashion, sind die vier Dänen Jakob, Anders, Jacob und Christian jetzt bei SonyBMG unter Vertrag und haben in diesem Zuge ihr zweites Album „The Fashion“ veröffentlicht. Vor dem Konzert im Frankfurter Sinkkasten nahm sich Sänger Jakob Printzlau Zeit um dem SMASH-MAG.com einige Fragen zu beantworten – völlig alkoholfrei, äußerst freundlich und wahnsinnig entspannt.

 

SMASH-MAG.com: Hallo Jakob, kein Bier?

JAKOB: Nein, kein Alkohol, danke!

SMASH-MAG.com: Lässt du generell die Finger davon, oder nur heute Abend?

JAKOB: Ich halte mich heute mal ein wenig zurück. Die Tour ist noch sehr lang – noch knapp vier Wochen – und wir haben zwischendurch nur einen Tag Pause. Da kannst du nicht jeden Abend feiern.

SMASH-MAG.com: Jakob, vor einigen Jahren habt ihr noch zu fünft oder sechst gespielt und habt 2002 euren Namen von Joyphilter in The Fashion geändert. Warum The Fashion?

JAKOB: Das Wichtigste war nicht wirklich die Namensänderung. Als wir noch Joyphilter hießen waren wir eine komplett andere Band. Damals machten wir eine ganz andere Art von Musik und hatten auch einen anderen Schlagzeuger. Um es kurz zu fassen: Mit Joyphilter tourten wir damals mit der dänischen Hardcore-Band Lack. Dort spielte Jacob Schlagzeug und irgendwann schnappten wir ihn uns und probierten gemeinsam etwas aus. Das klang dann einfach komplett anders und passte nicht in mehr zu Joyphilter. Da musste einfach ein neuer Name her.

SMASH-MAG.com: War diese neue Art von Musik dann einfach „more fashionable“ (modischer)?

JAKOB: Ich würde nicht sagen, dass sie modischer oder angesagter war beziehungsweise ist, aber aus irgendeinem Grund hat unsere Musik stilistisch genau die Elemente, die heute angesagt sind, obwohl wir nicht wirklich darauf aus waren. Für „Like Knives“ haben wir uns zum Beispiel drei Jahre Zeit genommen. Dabei wollten wir vor allem wegkommen vom geschäftlichen Teil der Musikindustrie, bei dem wir am besten in kürzester Zeit so viele Alben wie möglich schreiben sollten. Bei unserer ersten Platte ging alles in etwa zwei Monaten über die Bühne. Erst haben wir nur eine EP auf einem sehr kleinen Label veröffentlicht und plötzlich klopften die großen Firmen bei uns an und wollten neue Songs haben, damit wir mit einem kompletten Album auf Tour gehen können. Dieses Mal haben wir uns nicht so hetzen lassen, haben den Booker und Manager gefeuert und dem Label einfach gesagt: „Jungs, hört zu, wir schreiben jetzt in aller Ruhe unsere Songs und entweder mögt ihr die Sachen oder ihr lasst es bleiben!“.

SMASH-MAG.com: Und das kann man sich bei SonyBMG erlauben?

JAKOB: Ja, wir haben eigentlich damit gerechnet, dass wir gefeuert werden, was uns auch nichts ausgemacht hätte. Stattdessen haben wir aber alle Zeit der Welt bekommen um uns auf das neue Album zu konzentrieren. Und in den drei Jahren haben wir einfach unglaublich viele verschiedene Stile in unsere Musik einfließen lassen, was vielleicht dazu führt, dass unsere Songs doch ein wenig „fashionable“ klingen.

SMASH-MAG.com: Mit Mode hat das alles also nichts zu tun.

JAKOB: Nein, der Name passte damals einfach, weil wir alles auf eine ganz eigene Art und Weise gemacht haben und das immer noch tun.   

SMASH-MAG.com: Achtest du denn trotzdem auf aktuelle Mode-Trends?

JAKOB: Meiner Meinung nach lügen die Leute, die behaupten, dass sie nicht einem gewissen Trend hinterher laufen. Denn jeder ist sich darüber im Klaren, was aktuell in seiner Subkultur angesagt ist und was nicht. Aber alles was auf den Laufstegen präsentiert wird, oder vielleicht mal in zwei Jahren angesagt ist, ist nichts für mich und meine Bandkollegen. Schau uns an! (lacht) Wir sind ganz normale Typen. So sehr interessiert uns Mode also nicht.  

SMASH-MAG.com: Fridolin, einer eurer Produzenten, hat bereits mit Outlandish gearbeitet. Deren Musik geht ja eher in die Richtung Hip Hop und Reggae. Ist das der Grund für die verschiedenen Facetten eurer Musik?

JAKOB: In der Vergangenheit haben wir mit so vielen Rockproduzenten gearbeitet, da wurde es Zeit für etwas Neues. Fridolin ist ein bodenständiger Typ aus Kopenhagen und in unserem Alter. Mit einigen der Bands in denen er gespielt hat waren wir sogar mal auf Tour. Für die Songs die wir bis dahin geschrieben hatten, wollten wir einfach jemanden an den Reglern, der aus einer ganz anderen musikalischen Ecke kommt und der uns die Rock-Parts überlässt.

SMASH-MAG.com: Sind Songs wie „Letters From The Ambulance“ oder „Solo Impala“ deshalb so geworden, oder war das alles eure Idee?

JAKOB: Nein, Fridolin hat nichts an unseren Liedern verändert. Schon auf den Demoaufnahmen waren alle Songs so wie sie jetzt auf dem Album sind. Fridolin hat sich die Sachen angehört, fand sie sehr gut und hat dann lediglich den technischen Part der Produktion übernommen. Zu der Zeit war er noch neu im Geschäft und war froh bei den Aufnahmen dabei zu sein. Während dieser Zeit ist er so was wie unser fünftes Mitglied geworden. Momentan arbeitet er übrigens in den Staaten zusammen mit P. Diddy. Man könnte also sagen, dass er es geschafft hat.

SMASH-MAG.com: Nenn mir doch bitte drei Wörter, die eure Musik beschreiben.

JAKOB: Also auf jeden Fall energiegeladen, eingängig und (überlegt) zweiseitig. Ich verstehe warum viele Leute unsere Musik als Pop kategorisieren, denn sie hat einfach die Strukturen von Popmusik. Dennoch gibt es diesen Hauch von Dunkelheit und Unvorhersehbarkeit. Mein Ziel war es mit der Musik in die eine und mit den Texten in eine komplett andere Richtung zu gehen. Dazwischen entsteht dann diese unbeschreibliche Spannung, die unserer Musik dieses gewisse Etwas verleiht.

SMASH-MAG.com: Ihr wart schon mal in Deutschland, richtig?

JAKOB: Ja, mit Joyphilter waren wir sehr viel unterwegs. Diese Tour ist aber unsere erste konstante Tour mit neuem Namen.

SMASH-MAG.com: Du hast eben gesagt, dass ihr in einem Monat nur einen einzigen Tag Pause habt. Was stört dich am Touren am meisten?

JAKOB: Auf Tour zu sein ist wirklich toll, aber das Gefühl, im Auto zu sitzen und nicht zu wissen wo man am Abend schläft, das ist echt ätzend. Man braucht einfach die Möglichkeit zum Abschalten nach der Show.

SMASH-MAG.com: Also habt ihr für heute Abend noch keinen Schlafplatz?

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Sänger Jakob Printzlau (Foto: F. Neumann)


JAKOB: Doch, wir haben ein Hotel. Aber es gibt Tage da schläft man in einem Vier Sterne Hotel, was total (schmunzelt) „fashionable“ ist, und an anderen Tagen bist du irgendwo in irgendeiner gammeligen Unterkunft ohne Dusche. Das kann schon extrem nerven, wenn dir diese kleinen Sachen des Alltags fehlen.

SMASH-MAG.com: Wie kommt es, dass so viele junge skandinavische Bands, wie zum Beispiel Dúné, so großen Erfolg in Europa haben? Findet ihr einfach früher zur Musik, oder woran liegt das?

JAKOB: Das kann ich dir ehrlich gesagt auch nicht erklären. Das hat sich aber auch erst in den letzten Jahren so entwickelt glaube ich. Es gab lange Zeit keine guten dänischen Bands. Vor zwei Jahren kam dann auf einmal diese große Welle an Neuentdeckungen. Zurzeit gibt es auch unzählige gute dänische Bands – ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Diese Entwicklung ist übrigens auch für uns gut, weil man zusammen mit anderen dänischen Bands besser touren kann als alleine.

SMASH-MAG.com: Kennt ihr die Jungs und Mädels von Dúné persönlich?

JAKOB: Ja wir kennen Dúné. Die haben vor vielen Jahren, als sie noch sehr jung waren, mal eine Show für uns eröffnet. Der Erfolg ist über Nacht gekommen und seitdem haben die einfach großen Erfolg. Erst vor kurzem haben sie zwei dänische Music Awards gewonnen.

SMASH-MAG.com: Könntest du dir vorstellen in so einer großen Band zu spielen? Bei Dúné stehen immerhin sieben Leute auf der Bühne. Oder reicht dir eine vierköpfige Band?

JAKOB: Live sind wir auch eine fünfköpfige Band. Ich könnte mich vielleicht dran gewöhnen, aber bei sieben Leuten kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass jeder etwas zu tun hat, denn unsere Musik ist auf die Grundlagen reduziert: Zwei Gitarren, Schlagzeug, Keyboard, Bass und Gesang.

SMASH-MAG.com: Und das Songwriting ist mit sieben Leuten auch nicht unbedingt leichter.

JAKOB: Ja, das stimmt. Bei uns läuft das so ab, dass Anders die Grundideen hat und ich mir dann Melodien dazu einfallen lasse. Danach entwickeln wir gemeinsam den Song. Bei sieben Leuten treffen im schlimmsten Fall sieben verschieden Ideen aufeinander – das wäre ziemlich schwer.

SMASH-MAG.com: Was ist deine momentane Lieblingsplatte?

JAKOB: Oh, das ist schwer. Gestern hat mir Christian ein Album von Rocky Ericson auf den iPod geladen. Das ist so ein ganz alter Singer-Songwriter, fast schon eine Legende der Rockmusik. Die neuen Sachen von Joan As Police Woman gefallen mir auch ganz gut. Eigentlich höre ich nicht so viele Sachen, die unserer Musik ähneln, weil ich denke, dass es wichtig ist, so viele verschiedene musikalische Einflüsse zu sammeln wie nur möglich. Die einzige Platte, die unserer Musik nahe kommt und die ichim Moment höre, ist das neue Album von The Mae-Shi. Das gefällt mir ganz gut.

SMASH-MAG.com: Okay, kommen wir zu einer etwas ernsteren Sache: In den letzten Wochen hat es in den Vororten von Kopenhagen unzählige Krawalle gegeben. Auslöser war der Abriss des Jugendzentrums in Nörrebro, in dem sich mit Genehmigung der Behörden seit 1982 linksgesinnte Aktivisten trafen. Was denkst du über die ganze Situation und wie nah warst du an den Geschehnissen dran?

JAKOB: Tatsächlich habe ich ungefähr einen Block von diesem Jugendzentrum gewohnt, darum habe ich das alles hautnah miterlebt. In meinen Augen war es eine typische politische Entscheidung, die wegen Mangel an Kommunikation aus dem Ruder gelaufen ist. Und jetzt liegt es wieder nur an der Bürokratie. Die Streitfrage war ja, ob die Menschen, die das Jugendzentrum besetzt haben, noch Besitzer der Einrichtung waren oder nicht. Dann wurden sie rausgeworfen und ein paar Stunden später brannten die ersten Autos. Ich verstehe nicht, warum die Regierung nicht versucht hat das zu stoppen und die Jugendlichen stattdessen auf die Straße gesetzt hat. Früher haben wir übrigens sehr oft in dem Jugendzentrum gespielt und ich war auch alleine oft da, obwohl ich kein großer Aktivist bin. Ich finde es echt traurig, dass man in einer sonst so schönen und geordneten Stadt wie Kopenhagen solche Orte nicht befürwortet.

SMASH-MAG.com: Das ist auch so ein Ding, das mich überrascht hat: Skandinavische Länder, vor allem auch Dänemark, haben in Europa einen perfekten Ruf. Eine gut funktionierende Regierung, das makellose Bildungssystem usw. Aber dann passiert so etwas.

JAKOB: Momentan ist politisch einiges im Argen. Die Politik ist gerade dabei, so viele Subkulturen wie möglich aus Dänemark zu verbannen – das ist totaler Scheiß. Aber so ist Politik leider manchmal. Aber tatsächlich stellt die Regierung den Aktivisten jetzt ein neues Haus zur Verfügung und das wiederum steht in meiner neuen Nachbarschaft. So kann ich also weiterhin Teil der Bewegung bleiben, was mich sehr freut.

SMASH-MAG.com: Also gibt es in Dänemark doch Entwicklungen, die ein Grund sind, nicht dort zu leben?

JAKOB: Mir gefällt die politische Richtung nicht, die die aktuelle Regierung einschlägt. Aber dennoch ist Dänemark speziell für junge Menschen ein tolles Land um aufzuwachsen. Du kriegst Geld fürs Studium und findest viele günstige Wohnungen – das gibt es nicht in vielen Städten auf der Welt.

SMASH-MAG.com: Wieso wird man dann noch Rockstar?

JAKOB: Nun, ich habe meine Schule und alles beendet, aber das mit der Musik hat sich einfach so entwickelt und wurde immer größer. Also habe ich mich dafür entschieden Musiker zu werden.

SMASH-MAG.com: Vervollständige zum Schluss doch bitte noch folgenden Satz: The Fashion sind…

JAKOB: (überlegt) …so ziemlich auf dem Weg zu etwas ganz Großem. In letzter Zeit passieren uns die tollsten Dinge in so kurzer Zeit. Jeden Tag kommen neue Anfragen per Mail rein und ich weiß jetzt noch nicht, was in den nächsten Monaten auf dem Plan steht. Aber unser Management hat auch aufgehört uns auf dem Laufenden zu halten, damit wir uns voll und ganz auf diese Tour konzentrieren können. Nach den Deutschlandterminen spielen wir das „South By Southwest“ in den Staaten und noch einige Gigs in New York. Anschließend geht’s zurück nach Skandinavien und im Sommer dann wieder zurück nach Amerika für die großen Festivals.

SMASH-MAG.com: Auf der aktuellen Tour spielt ihr hauptsächlich in kleineren Clubs, oder?

JAKOB: Ja, schon. Der Laden in Dortmund gestern war zum Beispiel sehr klein. Andererseits haben wir in Berlin im ausverkauften Magnet Club gespielt. Das variiert jeden Abend. Mir persönlich gefällt es besser vor 500 Leuten zu spielen, als vor 1500. Erst heute wurden wir für das „Roskilde“ in unserer Heimat gebucht. Es kommt also noch sehr viel auf uns zu. Wir müssen nur aufpassen, dass unsere Band nicht zu einem Job verkommt, den wir machen ohne dabei Spaß zu haben.

SMASH-MAG.com: Und dann noch die großen Erwartungen, die an ein drittes Album gestellt werden.

JAKOB: Da bin ich mir noch nicht so sicher. Von diesem Album wurde im Vorfeld auch nicht viel erwartet, aber dann wurde es vielerorts gut aufgenommen. Es ist echt gut gelaufen für uns. Man muss einfach sein Ding machen und hoffen, dass die Leute es mögen. So lange man selber zufrieden mit dem ist was man tut, dann wird schon alles gut gehen.   

Info: The Fashion auf allmybands.de

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