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 Weakerthans Frontmann John K. Samson (Foto: M. Tils) Mit den Weakerthans ist es ja immer so eine Sache: Da veröffentlicht die Band alle Jubeljahre ein Album, welches Hoffnungen erfüllt und mit größter Hingabe verinnerlicht wird… und dann passiert erst einmal gar nichts. Ganz anders 2007: Nicht nur erscheinen mit „Reunion Tour“ eine neue Offenbarung der Band aus Winnipeg, sondern ebenso bereits einige Wochen später die ersten Tourdaten der Gruppe im Internet. In Hamburg trafen wir auf Sänger John, der sich als sehr höflicher, aufmerksamer und netter Mensch herausstellte, dem aber Interviews nicht sonderlich zu behagen scheinen.
(John nimmt interessiert mein Aufnahmegerät in die Hand und betrachtet es amüsiert).
SMASH-MAG.com: Das Modell ist schon etwas älter… (ein Grundig Stenorette 2020)
John: Ja, aber es ist schön. Es gefällt mir.
SMASH-MAG.com: Wir haben euch vor zwei Abenden schon mal in Münster gesehen und fanden dein Karl Marx T-Shirt interessant. War es ein Verweis auf deine politische Vergangenheit, oder…
John: Eigentlich nein, es war nur ein Geschenk von einem Freund von mir. Er wusste, dass ich die Stadt Trier sehr gerne mag und hat mir deswegen das Shirt von der dortigen Universität geschenkt. Marx ist schließlich in Trier geboren und dort aufgewachsen und deswegen gefällt es mir sehr gut.
SMASH-MAG.com: Eure Show in Münster hat uns wiederum sehr gut gefallen, da ihr recht lange gespielt habt und beinahe alle wünschenswerten Stücke zum Einsatz gekommen sind. Es ist aber auffällig gewesen, dass ihr etwas Zeit brauchtet, um auf der Bühne warm zu werden. Gegen Ende hin – spätestens nach „The Reason“ - habt ihr jedenfalls viel lockerer und auch aufgeweckter gewirkt. Braucht ihr zu Beginn eines Konzerts generell etwas mehr Zeit, um euch Warmzuspielen?
John: Yeah, ich glaube, dass ist ein ganz natürlicher Ablauf. Ich gehe nicht direkt auf die Bühne und tue nur so, als wäre ich super drauf. Das ist jeden Abend unterschiedlich.
SMASH-MAG.com: …oder hängt es auch von eurem vornächtlichen Aktivitäten ab?
John: Oh, I´m not partying. (Blickt versonnen auf seinen Ehering und muss leise lachen.) Bei uns gibt es nicht keine Parties auf Tour. Eigentlich gehe ich jeden Abend früh ins Bett.
SMASH-MAG.com: Wenn du gar nicht feiern gehst, wie sieht denn dann ein normaler Tourtag für dich aus?
John: Ich schlafe gerne etwas länger und mache dann gleich den Soundcheck. Dann essen wir etwas und trinken vielleicht noch einen Kaffee. Im Anschluss gehe ich meist noch etwas spazieren und gucke mich etwas um, bis ich abends ein paar Interviews gebe. Danach schalte ich gerne ab und ruhe mich kurz aus, bevor wir dann die Show spielen. Im Anschluss daran trinke ich vielleicht noch ein paar Gläser und gehe zurück zu unserem Bus, um etwas zu lesen oder mich mit den anderen zu unterhalten. Dann gehe ich schlafen und mache die selben Dinge am nächsten Tag aufs neue.
SMASH-MAG.com: Eure aktuelle Setlist wird von „Manifest“ abgeschlossen, dem ersten Lied eures „Reconstruction Side“ Albums. Somit wird aus dem Intro ein Outro und ich wollte dich fragen, ob es dafür einen bestimmten Grund gibt?
John: Ja, dass stimmt! (Überlegt.) Es macht einfach viel Spaß das Stück live zu spielen, weil es einen schönen Up-Beat besitzt: Man verabschiedet sich dabei in einem sehr energetischen Moment vom Publikum. Außerdem passt die Aussage des Songs sehr gut, weil es darum geht, mit anderen Leuten eine Verbindung herzustellen und dafür das Beste zu geben. Allerdings ist sein Up-Beat für ein Eröffnungsstück etwas zu hart und nervös. Ich mag es nämlich einfach lieber, wenn die Konzerte etwas gediegener und ruhiger beginnen und sich dann langsam Spannung aufbaut. Wenn wir das Stück sehr früh spielen würden, wäre es in etwa so für mich, als würdest du bei deinen Sportübungen zuerst sprinten und dich dann erst warm machen. SMASH-MAG.com: Bei dem Konzert in Münster war es ebenfalls auffällig, dass du und die Band recht wenig mit dem Publikum kommuniziert habt. Möchtet ihr stattdessen den Fokus alleine auf eure Musik richten oder warum sied ihr so wortkarg?
John: (überlegt) Ich denke wir sind alle zusammen bei den Konzerten: Die Band und das Publikum treffen sich in diesem Raum, um gemeinsam Musik zu machen. Deshalb sehe ich keinen Grund, warum ich viel mit dem Publikum reden soll, wenn wir doch durch die Musik kommunizieren. Es ist einfach nicht mein Job, den Entertainer zu spielen.
SMASH-MAG.com: Kommen wir nun etwas weg von euren Konzerten und sprechen über eure Veröffentlichungen. Auf den letzten beiden Alben hat die Katze „Virtute“ bei zwei Stücken eine zentrale Rolle gespielt. Außerdem sieht man eine Katze auf eurem aktuellen Tourposter und früher schon im Merchandising. Was ist an Katzen eigentlich so besonders?
John: Eigentlich gar nichts und eigentlich bin ich auch kein großer Katzen-Fan. Ich bewundere Katzen wirklich sehr, aber… ich habe zwei Hunde und zwei Katzen und ich liebe sie alle. Katzen sind einfach niederträchtiger, was sie etwas interessanter macht. Ich mag außerdem die Idee, dass sie so selbstbestimmt und unabhängig sind und gleichzeitig Zuneigung brauchen. Es sind sehr interessante Tiere!
SMASH-MAG.com: Nicht zuletzt aufgrund eures Songs „One Great City“ und den zahlreichen Interview und Merchandising-Referenzen seid ihr zentrale Repräsentanten eurer Heimatstadt Winnipeg geworden, die ihr dem deutschen Publikum vorstellt, vor allem nach eurer Cover Story in der Visions. Wird eure Werbearbeit von den Lokalpolitikern und Bürgern eigentlich wahrgenommen?
John lachend: Eigentlich nicht, nein. Höchstens ein kleines bisschen, aber ich denke mal, dass die Leute aus Winnipeg keine Ahnung haben, dass ich in der Welt herumreise und Geschichten über die Stadt verbreite. Ich bleibe weiter ein durchschnittlicher Bürger meiner Heimatstadt. Manchmal treffen Leute aus Winnipeg im Ausland auf Leute mit Weakerthans-Shirts, auf denen der Stadtname steht und erzählen davon, was ich ganz niedlich finde.
SMASH-MAG.com: Aber die Tourismusbehörde hat eure Band noch nicht für sich entdeckt?
John: Nein, wirklich nicht. Vor allem, weil wir mit „One Great City“ ein Stück aufgenommen haben, dass nicht unbedingt positiv auf den Tourismus zurückfällt.
SMASH-MAG.com: Aber anderseits verbreitet ihr doch viel Positives über eure Stadt, vor allem in vielen Interviews.
John: Ja, dass stimmt eigentlich auch wieder. Vielleicht sollten sie mich anwerben für den Tourismus in Winnipeg… (lacht)
SMASH-MAG.com: Könntest du dir zum Beispiel vorstellen, nach deiner Musikkarriere in die lokale Politik oder Sozialarbeit in Winnipeg einzusteigen?
John: Auf jeden fall! Sicher nicht in beliebigen Polikfeldern, aber im generellen Aktivismus auf jeden Fall! Schon jetzt beteilige ich mich an politischen Projekten, die meist einen kulturellen Bezug haben.
SMASH-MAG.com: Generell scheint das Interesse an Kanada in Deutschland in den letzten Jahren stark gestiegen zu sein, da die Leute teilweise eine Reise nach Kanada eher einem Abstecher in die USA vorziehen, warum auch immer. Wenn du dir vorstellst, du wärst ein deutscher Arbeiter oder Student, der die seltene Möglichkeit erhält, für ein paar Monate nach Kanada zu gehen, welche Stadt würdest du für seinen Aufenthalt auswählen?
John: Ich würde nach Montreal in Quebéc gehen. Die Stadt ist sehr schön und vor allem vom kulturellen Angebot sehr interessant. Ich mag es außerdem, dass die Stadt zweisprachig ist: Neben den ganzen französischsprachigen Bürgern leben dort viele, die nur Englisch sprechen, weswegen ich diese besondere Mischung der Menschen sehr interessant finde. Ansonsten würde ich noch die Prärie und Winnipeg und vielleicht noch Saskatoon in Saskatchewan empfehlen.
SMASH-MAG.com: In deinen Texten erzählst du Geschichten über Eishockeyspieler, den Bigfoot und andere Akteure, zu denen du durch Informationen aus Zeitschriften und anderen Schriftstücken gekommen bist. Ich würde dich gerne fragen, was für Bücher du gerne liest?
John: Ich lese wirklich sehr, sehr viel, weswegen es wirklich schwierig für mich ist, etwas Bestimmtes hervorzuheben. (Überlegt) Recht viel lese ich von dem Autor John Berger und generell eine Menge Gedichte und Romane. Ich versuche tatsächlich so viel zu lesen, wie möglich… es ist meine absolute Lieblingsbeschäftigung. Ich mag auch gute Zeitungen und Magazine; eigentlich liebe ich alles, was aus Buchstaben besteht.
SMASH-MAG.com: In Bezug auf die europäische Veröffentlichung von „Reunion Tour“ habt ihr euch etwas Nettes einfallen lassen, indem die Käufer der LP-Version alle Stücke kostenfrei aus dem Internet laden konnten. War das eure eigene Idee?
John: Ein paar Freunde von uns hatten dies vorher schon in Nordamerika ausprobiert und es schien eine wirklich smarte Idee zu sein. Ich wollte das Album auch unbedingt auf Vinyl herausbringen, weißt du? Ich hasse Cd´s! Aber Schallplatten sind sehr schön und trotzdem höre ich auch gerne Musik über den Computer. Daher ist beides zusammen eine wunderbare Kombination und ich hoffe, dass dieser Trend zukünftig weiterentwickelt und sich wieder mehr Menschen die Platten kaufen.
SMASH-MAG.com: Ok, ich hatte auf dem Konzert in Münster wohl nur keine am Stand gesehen. Aber kommen wir nun zur letzten Frage: Ihr habt eure neue Cd „Reunion Tour“ benannt, obwohl ihr euch mitnichten Wiedervereinigt habt. Dennoch gab es in der Musik- und Rockgeschichte eine Menge von Reunion Tourneen, z.B. von Iron Maiden und Van Halen. Welches war bisher deine favorisierte Reunion Tour?
John: Ich denke mal die Konzerte von den die Pixies und Dinosaur Jr., welche ich beide besucht habe und dort viel Spaß gehabt habe. Vorher hatte ich nicht die Möglichkeit sie mal live zu sehen und als es dann doch so weit war, hat es mir wirklich viel Freude bereitet.
Info: www.theweakerthans.org
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