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Seite 1 von 2 THE ZUTONS aus Liverpool lassen zum Interview rufen. Wer? Richtig, The Zutons. Im United Kingdom mit ihrem neuen Album „Tired Of Hanging Around“ auf Platz 2 der Albumcharts gelandet, hierzulande sind sie noch eher ein Geheimtipp. Dabei heben sie sich nicht nur durch einen gewissen visuellen Chic hervor. Nein, auch ihre Musik ist wenig eigenwilliger als der momentane Brit-Pop, der in massigen Wellen ständig zu uns rüberschwappt. Sie erfinden das Rad nicht neu. Ein kräftiger Griff in die Retro-Kiste wird auch von den ZUTONS getätigt. Aber im Gegensatz zu vielen ihrer musizierenden Landsleute greifen sie umso großzügiger bei Sixties-Pop und Seventies-Soul zu. Die Eigthies-Kiste ist eh grad leer. Beim Interview sprach SMASH-Mag.com mit Sänger Dave McCabe und Drummer Sean Payne.
 THE ZUTONS freundlich-interessiert (Foto: SMASH-MAG.com) SMASH-MAG.com: Eure neue Platte heißt „Tired Of Hanging Around“. Hört sich an, als ob ihr froh seid, dass die Platte endlich erscheint… Dave: Ja, ich bin glücklich. Glücklich, wieder rumzukommen. Ich mag den Titel auch, weil er zwei Bedeutungen hat. Einerseits das Verlangen aufzustehen und weiterzuziehen und andererseits negativ gesehen, angepisst zu sein, die ganze Zeit herumzusitzen und ständig die gleichen Dinge zu tun. Das erste Album hieß „Who Killed The Zutons?“. Da wollten wir diesmal was etwas Anderes machen, weil wir den Titel eh nicht hätten toppen können. Wir wollten diesmal genau das Gegenteil. Ich lüge nicht und sage der Titel jetzt ist besser. Er ist einfach anders. Ich denke, das Album ist besser, die Musik ist besser. Ich wollte kein Antwortspiel oder so was wie „They killed the Zutons“ oder „We killed The Zutons“.
SMASH-MAG.com: Ein anderer Gedanke ist, dass es vielleicht ein Statement zum kreativen Prozess ist. Dass dabei die Abhäng-Phasen ziemlich hart für Euch sind. Hat das vielleicht auch damit was zu tun? Dave: Nee, eher nicht. So wie jede Band mögen wir es kreativ zu sein. Es ist mehr eine persönliche Sache. Nicht fähig zu sein mal zu relaxen in der ganzen Zeit… Sean: Die Leute versuchen immer auf verschiedene Art und Weise die Bedeutung eines Albumtitels herauszufinden. Aber es ist nur ein Song auf dem Album…
SMASH-MAG.com: Habt ihr genug Selbstdisziplin zum Arbeiten oder habt ihr einige Abhäng-Phasen in der Band? Dave: Ja, ich hab Selbstdisziplin. Wir alle lieben was wir machen. Manchmal kann man aber auch nichts anderes machen als rumzuhängen. In einer Band verbringt man viel Zeit mit Warten. Warten, um auf die Bühne zu gehen, zum Beispiel. Sean: Ich denke, wir haben als Band eine wirklich gute Selbstdisziplin. Wir bekommen die Sachen, die getan werden müssen, hin. Wenn wir alle zusammen sind, machen wir normalerweise was Kreatives. Das Einzige, was wir zusammen machen, ist Musik machen. Wir gehen auch selten zusammen einen trinken. Meistens sagt dann jemand: Lass uns Musik machen! Also sind wir schon sehr diszipliniert…
SMASH-MAG.com: Es gibt da auf Eurer Internetseite eine Aussage zur Studioarbeit von Dir, Dave. „Studios are the best and the worst place for me“ wirst Du zitiert… Dave: Ja, das stimmt. Man braucht Spannung im Studio, um Sachen fertig zu bekommen. Sonst werden die Sachen nie fertig. Man wird dann auch schnell zufrieden. Sean: Man ist morgens im Studio ist und denkt: Yeah, das war grad ganz gut! Und dann kommt jemand mit einem Mikroskop und sagt: Was war denn damit und damit? Dann denkst Du nur: Ahhhhhhh, Sh…! Im Studio klingt halt alles gut. Dave: Es ist ein Prozess. Ein neuer Song wird erstmal auf einen Fleischspieß gesteckt. Er wird einem ein bisschen weggenommen. Manchmal verliert man komplett die Freude an einem Song, wenn man im Studio ist. Und man vergisst, dass der Spaß zurückkommt, wenn man den Song wieder spielt. Man gibt ihm eine Pause für ein paar Wochen, gibt ihn weg. Wenn man dann das Album hört, denkt man zunächst: Was hast Du getan? Es muss quasi ein bisschen repariert werden, bis die Freude wieder da ist. Trotzdem ist es besser mit dieser Spannung. Es ist gut, wenn andere Musiker deinen Gedanken noch etwas hinzufügen.
SMASH-MAG.com: Wie war denn die Zusammenarbeit im Studio mit Stephen Street im Gegensatz zu Ian Broudie (Produzent des Debüts „Who Killed The Zutons?“ und Mitglied der Lightning Seeds)? Dave: Sie sind recht ähnliche Produzenten… Sean: Sie sind beide ziemlich typisch britische Produzenten. Ian hat mit ECHO AND THE BUNNYMEN und Stephen mit THE SMITHS gearbeitet. Dave: Wir konnten die ganze Zeit wir selbst sein. Er führte uns nur, wenn es sein musste. So hat es auch Ian gemacht. So machen es gute Produzenten. Als Band haben wir konkrete Vorstellungen von uns.
Sean: Das Kreative ist alles von uns. Wir brauchten nur einen Sachverständigen zum Loslegen.
Dave: Die Songs sind ja soweit fertig gewesen. Es braucht nur einen der sagt: „Yeah or no!“ Bei ein paar Sachen waren wir uns nicht ganz sicher. Das haben wir dann im Studio geklärt Sean: Es lief mehr so ab: „Mir gefällt, wie das klingt. Spiel es mal ein bisschen langsamer, dann hat es mehr Groove.“ Bei dem Song „Hello Conscience“ zum Beispiel meinte er, dass die ganze Zeit pausenlos gesungen wird. Dass wir doch mehr Gitarren- und Bassparts hinein bauen sollten. War kein Problem für uns, wir stimmten zu. Das gehört dazu, wenn man zusammen arbeitet. Er wurde im Studio schon so eine Art sechstes Mitglied. Er hat eine Menge damit zutun, dass das Album „bigger“ klingt. Und mehr „live“! Dave: Auf späteren Alben sucht man sich vielleicht eher einen Produzenten aus, der einen in eine bestimmte Richtung bringt und großen Einfluss hat. Wir machen als Band mehr das im Studio, was wir auch live spielen. Es ist kein Studioalbum.
SMASH-MAG.com: Und das war auch konkret Euer Ziel „live“ zu klingen auf der Platte? Dave: Wir hatten kein konkretes Ziel. Wie wollten nur diese Songs aufnehmen, die wir hatten. Sean: Wir wollten es mehr so machen, wie wir die Songs live spielen. Wir haben ein bisschen Kritik einstecken müssen, dass Songs von unserer ersten Platte live anders geklungen haben. Auf der ersten Platte gibt es einige Akkustik-Songs, die schon Jahre alt waren. Wir wollten es diesmal bewusst „live“ und „big“ klingen lassen.
SMASH-MAG.com: Du hast es schon angesprochen: Die neue Platte ist homogener als die erste Platte. Es gibt kaum noch Country-Einflüsse oder den typischen Chorgesang, der Stücke wie „You Will You Won’t“ so besonders gemacht hat… Dave: Das ist sogar mehr. Nur mehr unter der Oberfläche. Sean: Wir haben gelernt besser zu singen. Auf dem ersten Album haben wir zwar alle gesungen, allerdings haben wir oft die gleichen Stellen gedoppelt. Dieses Mal sind es mehr subtile Harmonien. Wir hatten letztes Mal schon gute Ideen, aber wir konnten diese physisch gar nicht umsetzen. Singen und Schlagzeug spielen war neu für mich. Jetzt sind wir darin viel besser.
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