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VIRGINIA JETZT!: "Back to the roots!" PDF Drucken E-Mail
Interviews - Aktuelle Interviews
Geschrieben von Stefanie Delhess   
Dienstag, 9. Januar 2007

 

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VIRGINIA JETZT! (Foto: Nils Rodekamp)
"Wer hat angst vor VIRGINIA JETZT!?" und "Anfänger" waren zwei Deutschpopalben an die man sich noch lange erinnern wird. Ende 2006 meldeten sich VIRGINIA JETZT! mit der Single "Bitte bleib nicht wenn du gehst" und einer Tour durch deutsche Jugendzentren zurück. Nun steht ein neues Album "Land unter" in den Startlöchern... Grund genug sich mit Thomas Dörschel, dem Tastenmann & Gitarristen von VJ!. zusammen zu setzen.

 

 

SMASH-MAG.com: Man wartet schon länger auf euer neues Album. Der Veröffentlichungstermin wurde schon häufiger verschoben. Warum?
THOMAS: Nicht wirklich. Wir haben eigentlich ganz clever von Anfang an gesagt, im August gibt es neue Musik. Wir haben nie gesagt, wann es das Album geben wird. Und das haben wir auch eingehalten. Es gab im August eine EP. Das Album kommt jetzt im Januar raus. Das ist alles. Wir haben uns einfach diesmal viel Zeit genommen. Nehmen wollen. Wollten es zu gut wie möglich machen. Das will man natürlich immer. Aber diesmal wollten wir noch weniger bis gar keine Kompromisse machen. Und deshalb hat es so lange gedauert.

 

SMASH-MAG.com: Ihr habt es also nicht verschoben, sonder alles war geplant. Und wie würdest du euer neues Album im Vergleich zu eueren ersten beiden Alben beschreiben? Wo liegen die Unterschiede?
THOMAS: Beschreiben würde ich es gar nicht. Das wäre ja euer Job.  Ein Unterschied ist zum Beispiel, und ich glaube, dass man den auch hört, dass wir diesmal alles live eingespielt haben. Unser großer Wille war es, dass es so nah wie möglich am reinen Bandsound dran ist. Nicht das keine Streicher mehr zugelassen sind, die haben wir auch bei zwei Stücken, aber das kam ganz zum Schluss. Es war uns wichtig ein Album zu machen das wir im Proberaum komplett spielen können, ohne jeglichen Einsatz von Streichern etc. Was auch sehr, sehr gut funktioniert. Dass eine Dichte hat, die nur durch die Band erzeugt wird. Stücke wie zum Beispiel „ In einer besseren Welt“ funktionieren wirklich mit nur vier Instrumenten und mehr ist da auch gar nicht bei. Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und das reicht aus. Und das war uns sehr, sehr wichtig. Und dass man so vielleicht auch ein Gefühl von live spielen auf die Platte bekommt und das es so lebendiger wird und vielleicht auch ein bisschen rougher. Dass war uns sehr recht, nachdem das zweite Album eher ein konzipiertes Popalbum war. Das war schon ein Popentwurf. Da hatte man U2, da hatte man ABBA und da hat man diese Band und man dachte wenn wir das auch so ein bisschen hinkriegen, dann.....Das hat auch Spaß gemacht, und hat uns sehr zufrieden gestellt, aber diesmal sollte es was anderes sein.

 

SMASH-MAG.com: Also eher back to the roots?
THOMAS: Ja. Oder ne, eigentlich nicht. Ich finde ja, dass es mit dem ersten Album oder mit früher gar nicht so viel zu tun hat. Wir wollten einfach eine Dicht erzeugen, die nicht aus dem Studio kommt, sonder von uns als Band erzeugt wird. Wir wollten uns auf unsere eigenen Stärken besinnen und haben geschaut wofür stehen „Virginia jetzt“ und haben das auf Platte gebracht.

 

SMASH-MAG.com: Das ist ja jetzt schon euer drittes Album und ihe habt auch schon drei EPs veröffentlicht. Hattest du da schon mal Angst, dass dir die Ideen ausgehen?
THOMAS: Ja, die hat man immer so ein bisschen. Aber meistens bevor man wieder begonnen hat was Neues zu machen. Ich hab jetzt auch gerade gar keine Vorstellung wie unser viertes Album aussehen wird. Ich weiß es nicht. Aber irgendwann vergeht Zeit, man entwickelt wieder Kreativität, entwickelt wieder Ideen und dann ist das auch ein Selbstläufer. Man muss nur irgendwann Anfangen.

 

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(Foto: Nils Rodekamo)
SMASH-MAG.com: Und wann kommt dieser Punkt meistens? Nach der Tour?
THOMAS: Also jedes Album hat einen musikalischen Rahmen. Der beginnt da wo man Stücke dafür schreibt und endet bei der letzten Tour die man für das Album spielt. Die meisten Bands spielen zwei Touren. Eine direkt zum Album und eine noch mal ein halbes Jahr später. Und wenn die letzte Tour vergangen ist, so haben wir es letztens gemacht, dann nimmt man sich ein bisschen Zeit, ein bisschen Freiraum, ein bisschen Abstand von allem, weil man unglaublich viel Zeit miteinander verbracht hat und nur für eine Sache da war den ganzen Tag. Dann macht man erst mal ein bisschen Urlaub, verzieht sich mal für drei, vier Wochen und dann beginnt man wieder mit neuen Stücken.

 

SMASH-MAG.com: Und woher nimmt du dann deine Inspirationen? Woher kommen die Ideen?
THOMAS: Wenn ich das wüsste, dann wäre es einfach Lieder zu schreiben. Aber ich weiß es nicht. Also ein Zustand ist mir aufgefallen. Und das ist Langeweile. Der bringt mich dazu zu schreiben. Ich schreibe meistens Lieder, wenn ich Langeweile habe. Wenn ich mal so zwei, drei Wochen nichts zu tun hab und jegliche Pflichten, von Müll raustragen bis E-Mail beantworten, erledigt habe, dann ist mir langweilig, dann fang ich an zuhause sinnlos am Klavier zu klimpern oder Gitarre zuspielen. Und irgendwann entstehen dann so ein paar Harmonien und vielleicht eine Textzeile, wo ich dann denke, ok da könnte vielleicht ein Song raus werden.

 

SMASH-MAG.com: Euer erstes Album heißt „Wer hat Angst vor Virginia jetzt“. Ist das einfach nur ein Wortspiel oder habt ihr irgendeinen Bezug zu dem Theaterstück?
THOMAS: Nein. Das ist einfach nur ein Wortspiel. Zu Edward Albee sehr amüsantem kleinem Drama hat es keinen Bezug. Ich hab irgendwann mal in der Uni gesessen und dachte an dieses „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ und dacht: ok, wenn wir jemals ein Album machen, dann muss das genau so heißen.

 

SMASH-MAG.com: Im Sommer nach der Veröffentlichung der EP habt ihr eine Tour durch Deutschlands Jugendzentren gemacht. Hattet ihr das Gefühl das ihr damit andere Leute angesprochen habt? Habt ihr neue, andere Fans dadurch gewonnen?
THOMAS: Ich hoffe, dass wir neue Fans gewonnen haben. Das wird sich zeigen. Das kriegt man ja hinterher nicht so richtig mit. Die kommen natürlich hinterher und sagen, dass sie es toll fanden und kaufen T-shirts und eine CD. Daran merkt man das schon. Und viele waren beim Konzert sehr aufmerksam dabei. Ja, also ich glaube schon das wir neue Fans gewonnen haben.
Wir haben ja an Orten gespielt, wo sonst kaum eine Band hinkommt. Und es war uns auch sehr wichtig an kleinen Orten in kleinen Städten zu spielen. Es gab eine Menge Fans von uns die wir schon kannten, man kennt ja seine Pappenheimer. Die haben sich auch geoutet: hey ich bin von da und da und bin extra hier her gekommen. Da gab es schon einige. Aber es gab auch viele, und das war auch eigentlich unser Ziel, die aus den kleinen Städten selbst kamen und die sich dachten, hey da spielt ne Band, die hab ich mal im Fernsehen gesehen, in nem Video oder die sind mal in ner TV-Show aufgetreten, das kostet nur fünf Euro, bisher hab ich mich mit denen noch nicht beschäftigt oder ich finde die nur so halb gut, aber es kostet nur fünf Euro. Guck ich mir mal an! Und das war unser Ziel. Und es hat auch funktioniert.

 

SMASH-MAG.com: Also das Konzept ist aufgegangen? Es sind überall genug Zuschauer gekommen?
THOMAS: Ja, klar. Die Clubs waren alle rappel voll. Bis auf einen Club im hohen Norden der sehr schlecht besucht war. Warum auch immer.

 

SAMSH-MAG.com: Dann gibt es sicher jetzt auch bald eine neue Tour?
THOMAS: Ja genau. Die startet am ersten März.

 

SMASH-MAG.com: Und freut ihr euch darauf? Tourt ihr gerne?
THOMAS: Ja, wir touren sehr gerne. Und eben weil wir das so gerne machen, haben wir auch die JuZe-Tour gemacht. Wir hatten einfach mal Lust drauf mal wieder in sehr kleinen Clubs zu spielen. Die waren auch alle so für 100 bis 200 Leute. Normalerweise haben wir jetzt immer in 600, 700 bis 1000, 1200 er Clubs gespielt. Und da freuen wir uns jetzt auch wieder tierisch drauf. Das macht Spaß. Aber der Spaß geht verloren, wenn es immer so ist. Wenn man die ganze Zeit vor 1000 Leuten spielt, so toll das auch ist, da ist keine Abwechslung da. Da passiert nichts Neues. Und gerade das macht es ja immer spannend. Deshalb haben wir die JuZe Tour gemacht.

 

SMASH-MAG.com: Habt ihr denn auch schon mal im Ausland gespielt? Oder habt ihr euch bis jetzt auf Deutschland beschränkt?
THOMAS: Ne. Also nur Österreich und Schweiz. Aber das ist ja auch deutschsprachiges Ausland. Wir haben auch mal in Belgien gespielt. Aber das war auch direkt an der Grenze zu Aachen. Das war also auch nicht so wirklich Ausland.
Aber wir haben auf Einladung des Goethe Instituts eine Tour in Russland gespielt. Das war 2004. Und wir haben im vergangenen Jahr eine Tour in der Türkei gespielt, das war auch vom Goethe Institut organisiert. Ansonsten ist das schwierig. Aber warum soll man auch zum Beispiel in Spanien touren, wenn die Leute einen sowieso nicht verstehen. Es gehen ja auch in Deutschland sicherlich wenige Leute zu einem Konzert um eine spanische Band zusehen, wenn es sich nicht vielleicht gerade um spanische Volksmusik handelt. Das funktioniert nicht. Popmusik in deutscher Sprache funktioniert im Ausland nur in Ausnahmefällen und da gehören wir glaub ich nicht dazu.

 

SMASH-MAG.com: Warum habt ihr euch entschieden deutsch zusingen? Stand es je zur Debatte englische Lieder zumachen?
THOMAS: Ja, das stand schon zur Debatte. Also um es ganz profan zu sagen, unser Englisch ist nicht das Beste und es auf jeden Fall nicht so gut um vernünftige Texte zu machen. Es ist uns sehr wichtig etwas zu erzählen, etwas was nicht nur sinn macht, sonder auf eine gewisse Art und Weise auch Poesie ist. Das wäre uns auf Englisch nicht möglich. Aber das ist auch wirklich schon alles. Das ist kein Politikum warum wir deutsch singen. Wenn wir es auf Englisch so gut könnten, würden wir wahrscheinlich englisch singen.

 

SMASH-MAG.com: Ihr habt letztes Jahr bei Stefan Raab Bundesvision Songcontest gespielt. Was war das für eine Erfahrung für euch? Könntet ihr euch daran gewöhnen „kommerzielle Massenveranstaltungen“ zu bestreiten?
THOMAS: Dran gewöhnen kann sich da vermutlich nicht dran. Es gab ja zwei Auftritte. Einen in Stefan Raabs wöchentlicher Sendung und einen beim Contest. Die wöchentliche Sendung fand ich ganz gut. Denn das ist eine von ganz wenigen Gelegenheiten, wo man als Band noch live im Fernsehen auftreten kann. Mir fällt da jetzt eigentlich nur noch die „Sarah Kuttner Show“ ein, die es jetzt nicht mehr gibt und das war’s eigentlich auch schon, wo ich mit bestimmter Sicherheit sagen kann, da darf man noch live spielen. Und das darf man deshalb, weil der Raab ein großer Musikfan ist. Wie man seine eigene Musik auch bewerten mag, er ist ein großer Fan von Musik und das spürt man da. Die geben sich da viel Mühe, habe gute Techniker da und es ist ihnen wichtig, dass man live spielt. Das schätzen wir sehr und sind deshalb dort auch aufgetreten. Die große Samstagabendshow ist was Anderes. Aber man muss es mal gemacht haben. Ich weiß nicht wie viel tolle Bands ich schon gesehen, die bei „Wetten dass...“ aufgetreten sind. Ich nehme da nicht so viel für mich mit, aber ich find es doch ganz interessant. Wenn man angeboten bekommt in einer Samstagabendshow zu spielen, die jetzt nicht total für den Arsch ist weil es der „ZDF Fernsehegarten“ ist oder so, warum soll man es nicht machen?

 

SMASH-MAG.com: Deine Top 3 Alben des letzen Jahres? Einmal in Hinblick auf deinen persönlichen Geschmack und einmal als vielleicht auch als Inspiration für deine eigene Musik.
THOMAS: Oh. Das fällt mir gerade sehr schwer. Ich habe eigentlich Abstand davon genommen viele Platten zukaufen, also nicht weil ich sie mir runterlade, sondern ich kaufe vorwiegend Platten deren Erscheinungsjahr schone einige Jahre zurück liegt. Weil die mich oft mehr interessieren, bzw. lerne ich einen Künstler kennen der schon gar keine Musik mehr macht und dann will ich auch die anderen, alten Alben von ihm haben. Und so hab ich jetzt eine Sammlung von allen möglichen Randy Newman oder Elton John Platten. Aber die letzten Platten der Kooks oder Arctic Monkeys oder wer auch immer, die finden sich bei mir nicht. Aber es gibt trotzdem Platten die dieses Jahr erschienen sind und die ich toll finde. Ich komm nur gerade nicht drauf. (Überlegt) Also ich finde das Ron Sexsmith Album„Time Being“ sehr gut. Da hab ich eine Weile für gebraucht, aber finde es inzwischen sehr stark. Ehm, vielleicht fallen mir nachher noch mehr ein. Das Interview dauert ja noch was.

 

SMASH-MAG.com: Und deine Top 3 Alben überhaupt?
THOMAS: Das ist auch schwierig. Also ich nenn mal drei die sehr, sehr weit vorne sind: Elton John „Madman across the water“, Ben Folds Five „Whatever and ever amen“ und das Album „Unten“ von der Band die Regierung. Die Regierung gibt’s nicht mehr. Oder die machen gerade wieder ein paar Live Konzerte, aber nicht mehr in der ursprünglichen Besetzung.

 

SMASH-MAG.com: ok. Vielen Dank!
THOMAS: Ok, dann hab ich ja jetzt noch Gelegenheit dir ein paar aktuelle Platten zunennen. Warte ich mach mir den Spaß und hol mal meinen i Pod.

 

(Steht auf und kramt in seiner Tasche den i Pod hervor und fängt an durch zu scrollen und vergisst dabei auch nicht die Interviewerin zufragen, welche ihre drei Top Alben des Jahres sind, die darauf ad hoc aber auch keine Antwort geben kann)

 

THOMAS: Also, Cat Power „ The Greatest“ fand ich ganz toll. Oh, und natürlich! Die hab ich jetzt wirklich vergessen. Das ist sträflich. „The beautiful lie“ von Ed Hardcourt. Den hab ich auch live in Hamburg gesehen. Ganz stark.

 

SMASH-MAG.com: Hast du denn überhaupt noch Zeit dir Bands anzuschauen, die du gut findest?
THOMAS: Ja, ja doch. Auf jeden Fall. Es gibt natürlich hin und wieder Konzerte auf die ich verzichten muss, weil wir gerade auf Tour sind. Das ist dann schon schade. Ich gleich das dann so ein bisschen aus in dem ich dann auch mal woanders hinfahre oder fliege um mir Konzert anzuschauen. Ich flieg zum Beispiel am Wochenende nach Basel um mir Elton John anzusehen und flieg danach wieder nachhause. Dafür sehe ich dann vielleicht drei andere Konzerte nicht, weil ich keine Zeit hab.

Info: www.virginiajetzt.de

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