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 Wer keine Onliner fotografieren läßt, kriegt Balken vors Gesicht... (03.12.07, Köln, Palladium) Nach den großen Festivals im Sommer machen die Arctic Monkeys von der Insel ihren deutschen Fans ein vorweihnachtliches Geschenk und kommen für ein einziges Konzert in die Republik. Schauplatz des Spektakels ist heute Abend das Palladium in Köln und irgendwo hat man das ganze Drumherum doch schon mal gesehen: draußen eine kilometerlange Schlange und massenhaft aufgedrehte Teenies, drinnen „AUSVERKAUFT“ Schilder, Banner von Einslive und auf der Bühne eine britische Indie Band, die vor ein paar Jahren einen enorm großen Hype erfahren hat. Alles erinnert stark an das Maxïmo Park Konzert Ende Oktober – leider inklusive der negativen Parallelen.
Zuerst aber folgende Situation: Direkt am Eingang werden allen Online-Reportern die Kameras abgenommen. „Heute keine Fotos für Online-Redakteure“, heißt es. Irgendwie paradox wenn man bedenkt, dass die Arctic Monkeys erst durch das Internet so richtig bekannt geworden sind. Indes tun sich vor der Bühne schon lange vor Beginn erste Abgründe auf: Das Palladium ist voll von vielen sehr jungen Menschen. Nicht, dass junge Leute kein Recht haben gute Musik zu hören, aber wenn 14-jährige Mädchen unter 1,40 Meter mitten in der pogenden Masse stehen, muss man einfach mit dem Kopf schütteln und sich fragen, welche Eltern so etwas zulassen.
Gegen 20 Uhr richten sich auch die letzten sitzenden Teenager auf um der Vorgruppe Reverend and The Makers Gehör zu schenken. Die Musik der britischen Electropopper um Frontmann Jon McClure klingt ein bisschen wie die von Cobra Starship, allerdings exklusive Ohrwurm-Melodik. Entsprechend mittelmäßig ist der gesamte Auftritt. McClure, der ein alter Jugendfreund von Arctic Monkeys-Frontmann Alex Turner ist und nebenbei der Bruder des zerzausten Typen auf dem Cover des Monkeys-Debüt „Whatever People Say I Am, That's What I'm Not“, stolziert selbstsicher und irgendwie ziemlich großkotzig über die Bühne und versucht dabei das Publikum mit strenger Gestik und Mimik zum Tanzen zu bringen. Das klappt problemlos, ist aber wohl eher dem hohen Alkoholpegel der jungen Zuschauer zu verdanken. Trotz musikalischer Durchschnittsarbeit ist das Anheizen an diesem Abend für Reverend and The Makers eine dankbare Aufgabe und die Menge begeistert.
Es folgt eine zu lange Umbaupause bevor die Arctic Monkeys endlich die Bühne betreten. Mit „Sandtrap” geht das Set los. Der Sound ist leider noch unausgewogen und dröhnt gewaltig. Komischer Beginn, aber es kann nur besser werden. Und das wird es: Mit „This House Is A Circus“ folgt ein Track, der brillant vorgetragen wird und obendrein das Publikum und die heutige Atmosphäre herrlich treffend beschreibt. Weiter geht es mit „Teddy Picker“, der neusten Auskopplung aus dem zweiten Album „Favourite Worst Nightmare“. Die Menge macht gut mit und die Arme werden fast bis in die letzte Reihe gen Himmel gestreckt. Viel wurde der Nachfolger von „Whatever People Say I Am, That's What I'm Not“ ob seines gewöhnungsbedürftigen Sounds kritisiert und dennoch ist die Resonanz heute ausnahmslos positiv. Kein Grund für die gewohnt wortkargen Sheffielder nicht auch die Hits der ersten Platte zum Besten zu geben. Schon bei den ersten Tönen von „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ tobt das Publikum und alle tanzen wie die besungenen Roboter von 1984. Es folgt „Dancing Shoes“ und passenderweise wird einfach weiter getanzt. Mit „From The Ritz To The Rubble“, „Fake Tales Of San Francisco“, „Balaclava“ und „Old Yellow Bricks“ folgen vier weitere Highlights des Sets. Bis hierhin stehen die Arctic Monkeys gefühlte 20 Minuten auf der Bühne. Das ist allerdings nichts neues, denn für diesen „Affenzahn“ sind die Jungs bekannt. Nach einem kleinen musikalischen Hänger in Form von „Put Me In A Terror Pocket“ und anhaltenden Problemen mit der Gitarre von Alex Turner erklingt das Intro von „When The Sun Goes Down“. Schlagartig ist die ausgelassene Stimmung wieder da und es wird ordentlich mitgesungen. Die restlichen sechs Songs der 17-teiligen Setlist gehen weiter ungebremst nach vorne. Insbesondere „Do Me A Favour“, eines der besten Stücke der neuen Platte, macht richtig Spaß. Gefolgt wird dieses Highlight von „Brianstorm“. Klimax, Schlussakkord und aus! Vorerst… War ja klar, dass sich die Band dem Druck der fordernden Menge ergeben wird und für eine Zugabe zurückkehrt. „Nettles“ ist aber ähnlich wie „Sandtrap“ alles andere als ein guter Anfang. Das reißen die arktischen Affen aber mit „The View From The Afternoon“ wieder raus. Schon wieder ein Hit, sehr gut! Nach dem ebenfalls guten “If You Were There, Beware” ist leider schon Schluss. Leider ist „505“, die bisher einzige Ballade der Arctic Monkeys, wieder nicht Teil des Sets.
Betrachtet man die junge Bandgeschichte nach dem heutigen Auftritt genauer, so ist es wirklich erstaunlich welch steilen Weg die Arctic Monkeys gegangen sind. Einfach gestrickte Riffs, genial ausgefeilte Rhythmen und die verträumte Stimme von Alex Turner reichen um richtig groß zu werden. Die Arctic Monkeys haben wieder einmal bewiesen, dass sie eine hervorragende Live Band sind und sieht man vom teilweise übertriebenen und nervtötenden Geschubse und den vielen besoffenen Minderjährigen ab, war der Abend unterm Strich mehr als gut.
Info: www.arcticmonkeys.co.uk
Setlist:
Sandtrap This House Is A Circus Teddy Picker I Bet You Look Good On The Dancefloor Dancing Shoes From The Ritz To The Rubble Fake Tales Of San Francisco Balaclava Old Yellow Bricks Put Me In A Terror Pocket When The Sun Goes Down D Is For Dangerous Fluorescent Adolescent Da Frame 2R Still Take You Home Do Me A Favour Brianstorm
Nettles (Zugabe) The View From The Afternoon (Zugabe) If You Were There, Beware (Zugabe) »
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