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(05.10.2006, Carling Academy Brixtion, London) Down in Albion. Präziser, down in London. Am frühen Abend hatte sich vor der Carling Academy in Brixton bereits eine kleine Schlange Wartender gebildet. Von Katastrophentouristen keine Spur. Aber gerade diese hätte man beim Konzert der Babyshambles in ihrer Heimatstadt erwartet. Warum? Das ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Aber hier wartet eine unaufgeregt Gruppe von Menschen. Keine Spur von Zweifeln. Kommt er? Kommt er nicht?
Alle sind sich sicher. Peter Doherty ist da. Das liegt wahrscheinlich an der zur Abwechslung positiven Presseberichterstattung über Englands Junkie No. 1. Ein erfolgsreicher Aufenthalt in einer Londoner Entzugsklinik und eine seit einer Woche laufende UK-Tour ohne Zwischen- und Ausfälle lässt hoffen auf die Dinge die da kommen werden.
Auch in der Academy, die in ihren Dimensionen das Kölner Palladium wie ein kuscheliges Wohnzimmer wirken lässt, wird brav und ohne Aufregung auf die Shambles gewartet. Nur als der DJ zwischen den Support Slots ein Libertines Fossil zum Besten gibt und schätzungsweise 5000 Kehlen einstimmen, weiß man warum diese Menschen da sind. Für Libertines Begeisterte sicherlich ein Gänsehautmoment.
Nach mehr als zwei Stunden und drei Supportbands später, betreten die Babyshambles endlich die Bühne. Pipe down. Die Menge explodiert und feiert frenetisch ihr Idol. Auch während Killamangiro schaffte es die Band die Menge zufesseln. Danach ein Bruch. Angestimmt werden eine Reihe neuer, bisher unveröffentlichter Songs. Diese wirken zuweilen noch recht unfertig, lassen aber auch das Potenzial, welches in der Band noch steckt, durchblicken. „French Dog Blues“, „The Blinding“, „Unbilo Titled“, „You talk“ können eine kleine Menge eingeweihter begeistern, aber die Mehrzahl der Anwesenden ist auf den Boden zurückgeholt worden und steht nun mehr oder minder gelangweilt herum.
Unbekannte Songs und ein relativ aufgeräumt wirkender Doherty ist nicht das, was sie sich von einem Babyshambles Konzert erhofft hatten. Die Band schafft es kurzweilig die Menge durch Libertines Cover, wie „Time for Heroes“ und den Auftritt von Kate Moss, während „La Belle et la bête“, den man wenn man just in diesem Moment hat niesen müssen sicherlich verpasst hat, zurück zugewinnen..
„Fuck Forever“ schließt den Auftritt noch mal mit einem Höhepunkt ab, dies hielt aber viele nicht davon ab noch vor der Zugabe die Academy zugverlassen.
Ein Fehler. Denn sie verpassten eine sehr gut umgesetzte Ska-Version des Libertines Klassiker „I get along“.
Doherty und seine Band absolvierten technisch gesehen einen souveränen Auftritt. Die gelegentlich auftretenden längeren Pausen zwischen den Stücken sind obligatorisch und ein bisschen „Restchaos“ wird es bei den Shambles wohl immer geben. Es ist legitim für eine Band neue Stücke vor Publikum zutesten. Dabei sollte sie allerdings auf Ausgewogenheit achten. Große Teile des Publikums erwarteten eine Libertines-Cover-Band, große Hits und den Skandal. Wider dem ersten Eindruck doch Katastrophentouristen? Auch den Babyshambles war diese Aura der Zugverlässlichkeit wohl auf die Dauer zu „!angweilig“.
Denn Brixton sollte der letzte Auftritt der UK-Tour werden. Der Rest? Abgesagt. Ebenso wie einige Auftritte in den Niederlanden und Belgien. Um die geplanten Auftritte in Deutschland Ende Oktober reihen sich Gerüchte. Die Band sagt off. Die Veranstalter on. Das alte Chaos. Es ist wieder da.
Info: www.babyshambles.net
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