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ELECTRIC SOFT PARADE: Mehr Rock wagen! PDF Drucken E-Mail
Konzerte - Aktuelle Konzerte
Geschrieben von Martin Makolies   
Sonntag, 9. Dezember 2007

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Tom und Alex White (Foto: Electricsoftparade.com)
(05.12.07, Köln, Prime Club) The Electric Soft Parade sind so etwas, wie das zu gut gehütete Geheimnis der englischen Indie-Musik. Als sie vor gut fünf Jahren ihr Debüt-Album Holes in the wall rausbrachten, war die internationale Musikpresse erstmal schwer begeistert. Dasselbe wiederholte sich bei den beiden folgenden Alben. Nur schade, dass sich dies nicht unbedingt in den Verkaufszahlen niederschlug, an der großen Öffentlichkeit spielten Electric Soft Parade bis dato immer munter vorbei. Entsprechend ist der Prime Club heute Abend mit ca 100 Zuschauern auch eher spärlich besucht.

 

Der erste Support-Act kommt ebenso wie die Electric Soft Parade aus Brighton, nennt sich Dear Britch und stellt ein mittelschweres Ärgernis dar. Man stelle sich eine Mischung aus Boy George und Morissey vor, was die Dear Britch jedoch fehlt, ist deren Charisma. Ohne Talent verkommt die größte Geste zu unfreiwilliger Komik. Das soll wohl Performance-art sein, wirkt aber eher, als würde man jemanden in dessen Zimmer beobachten, wie er seinen Traum vom Berühmtsein träumt. Na ja, vielleicht wäre Dear Britch auch besser da geblieben. Deutlich erfreulicher wird es mit Gary, der Band von garnichtmehrso-Jungschauspieler Robert Stadlober. Die sind heute die zweite Vorband des Abends und haben sich Powerpop im Stile von Bands wie Ash auf die Fahnen geschrieben. Das heißt, Lieder für verliebte Teenager am Baggersee. Und falls das mit der Liebe nicht so klappt, haben Gary auch dafür den ein oder anderen Song parat: „Tears run down my windowsil“, der Ärmste! Aber im Ernst, falsch machen Gary schon mal nichts, im Gegenteil, die Melodien gehen sicher in Herz und Beine. Respekt haben sich Gary übrigens schon allein dafür verdient, dass dies hier ihr erstes Konzert seit drei Jahren ist und der Zuschauer davon nichts merkt, wie gesagt, sehr erfreulich.

Für ihre Live-Auftritte haben die White-Brüder Alex und Thomas, der Kern von Electric Soft Parade, noch einen Drummer und einen Bassisten dabei, es steht also eine vollwertige Band auf der Bühne. Und die liefern in der folgenden Stunde eine äußerst konsequente Show ab. Konsequent deshalb, weil das reguläre Set ausschließlich aus den Songs des neuen Albums besteht, von Anfang bis Ende, keine älteren Songs dazwischen. Die White-Brüder sind vom neuen Material überzeugt und wollen es dem Publikum umfassend vorstellen. Für diejenigen, die vor allen Dingen die älteren Sachen der Band mögen, schmälert das freilich das Konzertvergnügen von vorn herein. Aber die haben halt Pech gehabt. Was weiterhin auffällt, ist die Tatsache das ESP live in erster Linie eine Rock-Band sind. Die Alben der Band sind geprägt von einer harmonischen, immer leicht verschlafenen Atmosphäre(kleiner Tipp: Für einen verkaterten Sonntagmorgen gibt es keinen besseren Soundtrack als Holes in the wall), davon ist heute Abend aber nichts zu merken, die White-Brüder sind putzmunter und haben Spaß am Krachmachen.

Ausgiebiges Jammen, Feedbackorgien, warum nicht! Besonders Sänger/Gitarrist Thomas scheint hier in seinem Element zu sein. Der Typ, der aussieht wie das etwas zu dick geratene vierte Musketier, hat einen enormen Bewegungsradius und gefällt sich in der Rolle der Frontsau, erinnert ein bisschen an die Zeiten, als man mit dem Tennisschläger vor dem Spiegel poste, irgendwie sympathisch, that guy wants to rrrock! Verlierer des Abends sind ein wenig die ruhigen Songs, da diese von jener ruhigen, harmonischen Stimmung leben. Irgendwie schaffen es ESP nicht, diese Stimmung auf der BBBühne zu erzeugen, Songs wie Woken by a kiss wirken da wie eine Pflichtübung zwischen den schnelleren Nummern. Aber die funktionieren dagegen sehr gut. Das Killerriff von If thats the case, then i don´t know beispielsweise bringt das insgesamt eher verhaltene Publikum zumindest kurzzeitig in Fahrt. Spaß scheint die Band jedenfalls zu haben, überhaupt kommt dieser heute Abend nicht zu kurz. Schon lustig, wie Thomas sich mit dem Beamer, der für die Videoprojektionen auf der Bühne sorgt, abmüht. Das Ding macht einfach was es will. Auch witzig: Pünktlich zur Zugabe gehen die Lichter auf der Bühne aus, egal, spielt man halt im Dunkeln.

Während der Zugabe passiert übrigens ein kleines Wunder. Nein, nicht dass die Lichter wieder angehen. Es geht damit los, dass Dear Britch noch mal auf die Bühne kommt, um mit ESP eine Shirley Bassy-Nummer zu spielen Erst denkt man noch, „Mein Gott, der Typ ist echt penetrant“, aber, sei es, dass er jetzt von einer guten Band begleitet wird oder dass er hinter der Bühne sein Talent gefunden hat, das hier ist gut, sehr gut sogar, vielleicht der Höhepunkt des Konzertes. Ich bin perplex. Aus dem hässlichen Entlein wurde ein schöner Schwan. Ein schöner Abschluss für ein Konzert, welches sicher nicht perfekt war, die älteren Songs haben schon gefehlt, aber dennoch seinen Unterhaltungswert hatte, weil man hier mal wieder einer Band zuschauen durfte, die merklich Spaß an ihrer Sache haben.

Info: www.myspace.com/electricsoftparade

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