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 Zeit für Liebe? Bassist Peter Wentz ( Foto: M. Tils) (19.08.2007, Köln, Palladium) Hmm, also doch. Die Hoffnung war da, dass im Palladium die Tokio-Hotel-Fanclub-Quote nicht ganz so hoch sein würde, auch wenn ein Konzertbeginn um 19 Uhr böses ahnen ließ. So kam es, wie es kommen musste, wenn erfolgreiche Emo-Punker aus den Staaten, dazu noch gepusht durch Kollaborationen mit HipHop-Mogulen wie Key West oder Timbaland, in Köln Station machen: Kleinmädchengekreische und Handycams dominieren…
Los geht’s, die Dezibel schnellen in die Höhe, ebenso wie sich die Frequenz sich Menschen nicht mehr hörbarem Bereich nähert. Mann, und das schon bei der ersten Vorband „Cobra Starship“. Jaja, Pre-Pubertäre Mädchen sind ein dankbares Publikum…
Jede leidlich tuntige Pose von Frontmann Gabe Saporta, der wie eine Mischung aus Eko Fresh und Enrique Iglesias über die Bühne scharwenzelt, wird frenetisch gefeiert. Nett für die Stimmung im ordentlich gefüllten Palladium, auch wenn die Kobra-Raumschiffe musikalisch eher mau daher kommen. Bestes Gimmick noch: Victoria Asher, die in bester Modern-Talking-Manier munter auf ihrer Keytar (dem Zwitter aus Gitarre und Keyboard) herum dudelt. Der Semi-Hit Bring It (Snakes on a Plane), aus dem herben B-Movie-Spaß mit Godfather Samuel L. Jackson, hebt sich da kaum vom Einheitsbrei ab. Wenn der Kreischpegel der anwesenden Mädchen im noch nicht heiratsfähigen Alter auf den zukünftigen Erfolg verweist, haben Cobra Starship die Nase gegen über „The Academy is…“ vorne – das wäre aber wirklich ungerechtfertigt.
Zwar sind die Indie-Rocker aus Illinois auch nicht wirklich erfinderisch, aber zumindest schon mal mehr geradeaus und vor allem lauter als der Opener. Hierbei sei am Rande angemerkt, dass tatsächlich ein Großteil der wirklich jungen Zuhörer mit Ohrstöpseln auf ihr wahrscheinlich erstes Konzert gingen. Gut, die haben im Gegensatz zum Autor mit 40 wahrscheinlich noch so was wie Gehör, aber Rock´n´Roll sieht anders aus. Ist irgendwie so, als würde ich zum ersten Saufgelage einen Notarzt mitnehmen, aber naja… Zeit für solche Nachdenklichkeiten lassen auf die Faszination Von „The Academy is…“ durchaus erwünschte Rückschlüsse zu…
Nach zwei Bands, von denen sicher eine – Tipp: Cobra Starship – spätestens in drei Monaten als neues „heißes Ding“ nach Deutschland schwappt, also „Fall Out Boy“. Gute Typen, alle dürfen schon Bier trinken – in den Staaten versteht sich – dazu einige eingängige Songs, dass könnte was werden. Und die Band, die sich nach dem Assistenten des Radioactive Man aus dem Simpson-Universe benannt hat, enttäuscht nicht.
Vor der Bühne versammeln sich zwar ein wenig zu viele Handycam-Hochhalter und auch das Hüpfen und Pogen müssen die meisten noch lernen, aber es ist noch kein Moshmeister vom Himmel gefallen. Dass jedoch – ungelogen, nicht ausgedacht! – nach dem zweiten Lied ein Jung-Rocker nebenan bittet: „Mensch, bleib mal ruhig“ und „Spring nicht so“ ist durchaus bedenklich.
Musikalisch ist aber alles rund: Anlehnungen und Leihgaben von Panik! At the Disco oder Jimmy Eat World sind durchaus zu erkennen, aber die Show ist gut. Auch wenn der Sound im Palladium wie fast immer suboptimal ist, die Kraft der Vier kommt klar rüber. Die Singles wie „This Ain't A Scene, It's An Arms Race“ oder sind schon Ohrwurmverdächtig, kommen ohne übertriebene Posen daher und haben garnicht den Anspruch, mehr als guter Gitarrenpop zu sein. Kommerzielle Ehrlichkeit sozusagen. Dazu noch weniger glatte Nummern wie das großartige “Take Over, The Breaks Over“ und straighte Kracher Marke „Fame < Infamy“ schnüren ein rundes Paket. Ausrutscher wie das unsägliche “I'm Like A Lawyer With The Way I'm Always Trying To Get You Off (me & You)” das nicht nur wegen seines unfassbar langen Titels an übelsten Meat-Loaf-Schmu erinnert, fallen da nicht so ins Gewicht. Überhaupt hat der wortkarge Sänger Patrick Stump durchaus Ähnlichkeit mit dem Bombastrock-Schwergewicht. Ihn sollte mal jemand fragen, wo er 1983 so alles gewesen ist…
Basser und Mastermind Pete Wentz führt minimalistisch, aber nicht unsympatisch durch den Abend und bietet noch akrobatisches, als er sich am Palladium-Deckengebälk entlanghangelt und sich ins Publikum stürzt. Hat schon geschmeckt. Die Nähe zum Hip-Hop-Land, dokumentiert etwa durch Mitarbeit von Jay-Z am aktuellen Album „Infinity On High“ sind sicher diskutabel, aber ein Grund für die Popularität, die FOB in den USA genießen. Kurzum: Fall Out Boy ro… - nein, diesmal nicht das böse Wort… Neuer Versuch: Fall Out Boy, na was nun? Krachen? Sind gut? Können was? Ach scheiß drauf. Sie rocken… Info: www.falloutboy.de »
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