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Über Haldern schreiben heißt immer auch über’s Wetter schreiben. Und „Wetter“ heißt in diesem Fall „Regen“. Dieser beschloss in diesem Jahr, seine Taktik zu ändern und nicht mehr stetig und dauerhaft über zwei Tage zu fallen, sondern alle Schläuche bereits am Freitag in einer dreiviertelstündigen Sintflut leer zu machen. Naja, Haldern wäre nicht Haldern, wenn man nicht bis zu den Knien im Schlamm stehen müsste...
Nach dem Warm-Up am Donnerstag (mit u.a. MARTHA WAINWRIGHT und LAMBCHOP) ging es am Freitag im Spiegelzelt mit einigen Nachwuchsbands richtig los. Von den Brit-Poppern MUMM-RA wird man noch einiges hören, die waren gut. Leider ging es aber nicht auf diesem hohen Niveau weiter, denn dieses Jahr hatte Haldern doch ein paar Bands zu viel geholt, deren Inspiration zwischen den Polen Coldplay und Radiohead angesiedelt ist (z.B. THE VEILS, MORNING RUNNER oder den 19-jährigen Schotten PAOLO NUTINI). Auch die ZUTONS, in England schon Superstars, konnten nicht über die Messlatte springen, die letztes Jahr die Kaiser Chiefs hier gelegt hatten. Dagegen konnten einem WE ARE SCIENTISTS und THE COOPER TEMPLE CLAUSE leid tun, dass ihre Auftritte mit besagten sintflutartigen Regenfällen zusammenfielen.
So war mein persönliches Highlight letztlich ELEMENT OF CRIME, deren Trompeter/Sänger/Gitarrist/Schriftsteller Sven Regener Gerüchten zufolge schon mittags Beck’s-mäßig gut dabei war. Das hörte man ihm auch an, vor allem, wenn er die Trompete hochhielt und seinen Schlachtruf „Romantik!“ rausgrölte. Hat aber nicht gestört. Im Gegenteil. Die Ansagen hatten den Charme eines autistischen Autoscooter-Ansagers, was sehr sympathisch war: „Ja! ... Haldern! ... Supersache! .... Wir machen dann auch mal weiter...“ Viele Songs vom neuen Album und als Slide-Guitar-Highlight das alte „Immer unter Strom“.
Dass am Samstag die RIFLES ihren sehr catchigen The-Jam-Poppunk schon vor zwei Uhr mittags aufspielen mussten, war eigentlich fast schon Verschwendung, zumindest was den Hit „Local Boy“ betrifft. Direkt danach kam mit den kanadischen ISLANDS schon der zweite Höhepunkt des Tages. Die siebenköpfige Nachfolgeband der berüchtigten UNICORNS (sehr empfehlenswert) kam ganz in Weiß auf die Bühne und überzeugte mit außergewöhnlichem Instrumentarium, das auch ständig getauscht wurde, und mit langen, komplexen Songs, die alle Genres von Artrock bis Bossa Nova streiften. Ähnlich, aber nicht ganz so überzeugend, waren die GUILLEMOTS – auch aus Kanada – unterwegs.
Damit waren die interessanten Bands aber auch fast schon vorbei, auch wenn eine Kollegin die KOOKS über den grünen Klee lobte. Was jetzt noch fehlte, war ein echter Star. Dieser kam auch in Gestalt von Neil „DIVINE COMEDY“ Hannon, der überraschenderweise nicht dressed up auf die Bühne kam, sondern mit den gleichen Klamotten croonte, in denen er eine Stunde vorher noch seine Hackfleisch-Paprika gemampft hatte. Er und seine sechs Musiker waren sehr gut eingespielt und hatten offensichtlich Bock. Ein gut aus Songs des aktuellen Albums und Klassikern wie „National Express“ oder „Something for the Weekend“ (lief merkwürdiger Weise am nächsten Tag in der Lindenstraße...) und sogar einem kurz angespielten „Maneater“ (Nelly Furtado, nicht Hall and Oates). Um es mit Neil zu sagen: „That was fun!“
Alles in allem nach wie vor ein sehr schönes Festival, wenngleich es den Bookern dieses Jahr bei weitem nicht so gut wie im letzten Jahr gelungen ist, die besten Livebands nach Haldern zu lotsen. Wenn sie wieder große Kaliber und/oder große Entertainer wie Franz Ferdinand, die Kaiser Chiefs, „den“ Moneybrother, die Magic Numbers oder Art Brut zum Kartoffel-Schäler-Festival lotsen, dann stört auch der Regen nicht mehr.
Info:www.haldern-pop.de
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