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HOT WATER MUSIC: Eine heißes Familientreffen PDF Drucken E-Mail
Konzerte - Aktuelle Konzerte
Geschrieben von Jan Laging   
Freitag, 16. Mai 2008

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Umjubelter Auftritt in Münster: Hot Water Music ( Foto. J. Laging)
(10.05.08, Münster, Skaters Palace) Der Split von Hot Water Music hat vor einigen Jahren für viele gebrochene Herzen gesorgt, die auch von den Soloausflügen von Chuck Ragan nicht vollends geheilt werden konnten. Viel zu prägend hat die Gruppe mit ihrem typischen Gainesville-Sound auf ihre Hörer gewirkt, als dass sie sich für immer hätten in die Jagdgründe verabschieden können.

 

Und auch die (quasi) Nachfolgeband The Draft konnte den Kreis nicht schließen. Dass sich die vier Musiker jedoch so schnell zurückmelden würden, hätten wohl nur die Wenigsten erwartet. Nach ihrem grandiosen Auftritt am Vortag beim Groezrock, inklusive einer Stippvisite zusammen mit Alkaline Trio bei deren Song „Radio“, machte die Gruppe an diesem sonnigen Samstag im Skaters Palace Station, welches dementsprechend „restlos ausverkauft“ gewesen ist, wie die vielen Schilder vor der Halle androhten. Denn bereits seit Monaten waren die Karten vergriffen und wurden bei Ebay zu teilweise horrende Summen verhökert. Denn nicht nur HWM hatten an diesem Tag etwas zu feiern, auch der ortsansässige Green Hell Store veranstaltete in diesem Rahmen seine 15 Jahre Geburtstagsfeier.

Als erster Gratulant schickte sich WALTER SCHREIFELS an, das Publikum mit seinem breit gefächerten Programm in Stimmung zu bringen. Aber Dank des grandiosen Wetters war die große Mehrzahl der Leute sowieso eher daran interessiert, im Innenhof bei Bier und Bratwurst die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Nichtsdestotrotz waren seine Zuschauer offensichtlich gut unterhalten worden, zumal Walter, der schon früher mit HWM zusammengearbeitet hatte, die Qualitäten eines Stand-Up Comedian offenbarte. Wirklich voll wurde es erst bei den folgenden MUFF POTTER, die in Münster ein Heimspiel für sich verbuchen konnten. Durch ihren früheren Support und die folgende Freundschaft zu der Hauptband waren sie dem Publikum sowieso bestens vertraut und passten optimal in den nostalgischen Abend. Spätestens nach ihrem Chuck Ragan Cover „The Boat“, bei dem ihnen der Frontmann am Mikro aushalf, hatten sie ihre Punkte beim Münsteraner Publikum gesammelt. Ein bunter Querschnitt durch ihre lange Schaffensperiode („Wir sitzen so vorm Molotow“, „Allesnurgeklaut“) stellte die Fans zufrieden und sorgte für ordentlich Bewegung vor der Bühne. Aber wie auch Sänger Nagel bei der Zugabe anmerkte: „Wir beeilen uns ja… wir wollen doch alle Hot Water Music sehen.“

Und so ertönte lauter Jubel, als die glücklichen Anwesenden schließlich ihre verlorenen Söhne in Empfang nahmen: Rechts Chuck, in der Mitte Jason, am rechten Bühnenrand Chris und George hinter seinem Drumset, denen allesamt während des Auftritts deutlich anzusehen war, wie sehr sie die gemeinsame Zeit genießen. Gleich der Eröffnungsdreier „A Flight And A Crash“, „Wayfarer“ (Gänsehaut!!!) und „Rooftops“ (alle Fäuste in der Luft) brachte die Fans auf Betriebstemperatur: Vom ersten Moment an bildete sich ein großer Pit vor der Bühne, in dem es aber erfreulich unaggressiv und solidarisch zuging und den Hingefallenen sofort auf die Beine geholfen wurde. So soll es sein! Denn jeder Anwesende im Skaters wollte nur seinen Spaß haben und die Band abfeiern, so dass die Stimmung einfach nur als überaus grandios zu beschreiben ist, zumal sich das Publikum zu ca. 95% textsicher zeigte und die Texte mit hundertfach Herzblut und Inbrunst wiedergab. Was dann bei Stücken wie „Paper Thin“ und „Remedy“ in der Menge los war, lässt sich dementsprechend schwerlich in einem trockenem Konzertbericht wiedergeben: Es war ganz offensichtlich, dass für viele Anwesenden gerade ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen ist. Und dies hat nichts mit verklärtem „früher war alles besser“ Gefasel zu tun, sondern damit, dass sich die Gruppe in absoluter Topform präsentierte; beinahe so, als hätte sich in der „Unterbrechungsphase“ die Wasser erst richtig zum Brodeln gebracht.

Jedenfalls konnten HOT WATER MUSIC vor diesem Publikum, der Dankbarkeit und diesen Stücken groß aufspielen: Chuck und Chris waren perfekt auf einander abgestimmt und wussten den bewährten Wechselgesang voll auszureizen, zumal sich ihre Stimmen gerade live frappierend ähneln. Im Gegensatz zum Vortag in Belgien machte Jason hingegen einen weiten Bogen um sein Mikro und konzentrierte sich voll auf sein Bassspiel. So ließen er und George einen wirklich fetten Rückenwind aus den Boxen blasen, der die Stücke rhythmisch nach vorne peitschte. Dabei war es sehr auffällig, wie stark die Band „Caution“ und vor allem ihr Meisterwerk „A Flight And A Crash“ in den Mittelpunkt rückten. Aber auch die übrigen Platten kamen auf ihre Kosten, so dass die Setlist auch einer ausgezeichneten Best-of Cd würdig gewesen wäre. Bei all der Feierei ließen es sich auch Nagel (bei „Turnstile“) und Walter Schreifels (beim Oberknaller „Free Radio Gainesville“) nicht nehmen, einige Lieder mitzuschmettern. Aufgrund des hohen Energielevels zu Beginn des Konzerts wurde es vor allem in einer Crowdsurfer-Phase im letzten Drittel etwas ruhiger vor der Bühne, bevor die Band in der Zugabe erneut ganz tief in ihrer Schatzkiste herumkramte („Old Rules“, „Manual“, „Its Hard To Know“, „220 Years“). So dürfte so ziemlich jeder Fan auf seine Kosten gekommen sein und seine Top-10 Liste größtenteils abgestrichen haben.
Man hatte es im Vorfeld ja schon „irgendwie im Gefühl“, dass es ein großer Abend in Münster werden würde. Aber das dann schließlich so ein grandioses Konzert dabei herauskommt, hätten wohl die Wenigsten für möglich gehalten. Diese Band muss einfach weiterleben!

Info: www.hotwatermusic.com
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