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 Foto: Grace deVille (27.02.08, Köln, Luxor) Kennt ihr das auch? Man liest irgendwo etwas über eine neue Band, findet es interessant und holt sich einfach mal so das Album. Rein in den Player mit der Scheibe und eine dreiviertel Stunde später ist man im siebten Himmel und will alle seine Freunde anrufen, um das eben Erlebte mit der ganzen Welt zu teilen.
Also jetzt noch mal von vorne und für alle zum mitschreiben: Wer nur im Entferntesten etwas mit innovativer Rockmusik, mit großen Gefühlen und generell mit Spaß anfangen kann, braucht „Hold on now, Youngster“, das erste Album von Los Campesinos aus Cardiff.
Vor dem Hauptact wird heute John Goldtrain aus Köln ins Rennen geschickt. Es gibt eigentlich viele Gründe, warum man Goldtrain nervig finden könnte, sei es das alberne Outfit, Engelsflügel und verlaufener Kajal, oder die oberflächlichen Texte, die man so auch in einem Poesiealbum einer Siebtklässlerin mit einem Faible für die englische Sprache finden könnte. Aber halt: Goldtrain haben schöne Songs, schwelgerischer, ab und an auch wehmütiger Gitarrenpop, dessen Melodien gefangen nehmen. Da kann man dann doch nicht meckern. Außerdem hat Goldtrain Mut, spielt tatsächlich eine Coverversion von „No Digedy“ von Blackstreet und das groovt gehörig, Hut ab! So lässt man sich gerne in den Konzertabend einführen.
Lediglich eine kurze Umbauphase trennt den Besucher jetzt noch von der Begegnung mit den wilden Sieben aus Wales. Eins, zwei, drei, vier, auf deutsch wird der erste Song „Broken Heartbeats sound like Breakbeats“ angezählt. Schon ist man mittendrin im Sturm und Drang von Los Campesinos. Alles ist da, zum Beispiel der Wechselgesang von Sänger Gareth, der unheimlich viel zu sagen hat und Angst zu haben scheint, dass die Strophen dafür gar nicht ausreichen, er überschlägt sich förmlich, und Keyboarderin Aleksandra, die in den Refrains mit ihrer Elfenstimme eine Blumenwiese mitten ins Luxor pflanzt. Die restliche Band begleitet das ganze mit einem Triumphzug aus himmelstürmenden Gitarrenriffs und einem vitalen Geigenspiel. Herrlich, alles wie auf Platte, nur hier ist das noch intensiver, noch mitreißender. In den folgenden 60 Minuten wird der Zuschauer zum Surfer auf den Euphoriewellen, die die Band immer wieder auslöst. Groß ist dann aber wiederum, dass die Band nicht nur blind euphorisch voranprescht, sondern immer wieder auch melancholische Zwischentöne einbringt. Die Gitarren reduzieren das Tempo und bereiten den Boden für Geigerin Harriet, die aus ihrem Instrument die Klänge rausholt, die dem Bandsound erst zu seinem Facettenreichtum verhelfen. Beste Beispiele sind ”Don´t tell me to do the Math(s)” oder “Knee deep at ATP”. Aber auch abseits der Musik harmonieren Los Campesinos prächtig. Die einzelnen Bandmitglieder foppen sich, drücken sich gegenseitig Sprüche und haben überhaupt viel Spaß mit sich und dem Publikum. Diese Band lebt und ist eine wilde Einheit. Der Refrain zu „This is how you spell…“ wird dann auch aus allen sieben Kehlen geshoutet und bläst den Zuschauer mit seiner Energie förmlich um. Mit „You! Me! Dancing!“ erklingt gegen Ende des regulären Sets der Song, der die Stärken der Band am zwingensten auf den Punkt bringt. Wer den Text schon kann, singt aus voller Kehle mit, der Rest tanzt, tanzt, tanzt. Dieses Lied könnte man auch in einer Endlosschleife hören. Die treibenden Gitarren, der Ohrwurmrefrain, das alles sollte nie zu ende gehen. Das Gefühl einer durchtanzten Nacht in einem einzigen Song, Wahnsinn. Wäre das Konzert jetzt zu Ende, niemand wäre unzufrieden aber als kleines Bonbon spielen Los Campesinos noch „The Year I fell in love with Punk Rock“. Ein großer Abschluss für ein Konzert, welches nicht einfach nur gut war, heute hat man die Zukunft des Indie Rocks gesehen.
Info: www.myspace.com/loscampesinos »
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