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 Tummelt auf der Bühne (Foto: Jan Laging) (24.11.07, Münster, Skater’s Palace) Punk und Hardcore Touren genießen einen guten Ruf in Deutschland, ziehen meist ein breites Publikum an und laden eigentlich immer zur sportlichen Betätigung ein. Die Never Say Die! Tour wurde heuer zum ersten Male ausgerichtet und fand im Münsteraner Skater´s Palace, zwischen all den Ramps und Pipes, eine sehr passende Location für den Tourabschluss. Eine konzeptionelle Neuerung wurde insoweit vollzogen, als das sowohl auf die sonst obligatorische Metalband verzichtet wurde, als auch auf einen zugkräftigen und alteingesessenen Headliner (wie Hatebreed, Agnostic Front, SOIA etc. pp.). Stattdessen konnten sich jüngere und unbekanntere Gruppen beweisen und präsentieren, die - nimmt man Comeback Kid aus der Rechnung heraus –in Deutschland allesamt noch einen Vorbandstatus besitzen, was sich bei Parkway Drive spätestens seit dieser Tour geändert haben dürfte.
In Münster ist der Ansatz der Tour jedenfalls sehr gut angekommen, so dass das Skater´s Palace schon zu früher Uhrzeit recht gut gefüllt war, trotz 19 Euro an der Abendkasse. Als üblicher Kritikpunkt sei lediglich erwähnt, dass die ersten Gruppen jeweils eine lächerlich kurze Spielzeit hatten (20 Minuten) und der Sound in der Skatehalle aufgrund der ständigen Equipmentwechsel nicht gerade optimal war. Ersteres war unter anderem dafür verantwortlich, dass ich leider gleich drei Bands - The Blackout Argument, This Is Hell und die The Warriors - verpasst habe, die schlichtweg zu schnell mit ihrem Programm durch gewesen sind. Anderseits muss und kann man positiv hervorheben, dass das Geschlechterverhältnis im krass jungen Publikum beinahe ausgeglichen war und es keine lästigen Barriers gab.
Angefangen hat der Abend also mit den CANCER BATS, die erst 2006 ihr Debütalbum „Birthing The Giants“ veröffentlicht haben. Ihre Vorliebe für puren Rock n´Roll wurde nicht nur am Entombed-Shirt des Gitarristen deutlich, da in ihren Stücken sogar Southern Rock Elemente a la Down durchschimmerten. Und dennoch kam der sehr moshige Sound erstaunlich gut beim Publikum an, obwohl die Fledermäuse im Gegensatz zu den folgenden Bands technisch und musikalisch eher langweilig rüberkamen. Außerdem war der Auftritt von Sänger Liam ganz schön nervig, der unbedingt den grölenden Asi abgeben musste und in jedem Satz mindestens ein „fuck“ bemühte. Mag der/die ein oder andere vielleicht noch situationskomisch gefunden haben - grundsätzlich schien die Gruppe aber auch nicht viel mehr zu sagen zu haben. Dennoch schafften es die Musiker den ersten Circle Pit zu provozieren und zumindest einige neue Freunde zu T-Shirt Käufen zu animieren.
Generell war das Billing der Tour schon auf traditionellere Hardcore Sounds ausgelegt, weswegen die nachfolgenden STILL REMAINS keine guten Karten hatten, vor allem, da sie ziemlich kurzfristig von ihrer Tour mit Atreyu mit auf das Münsteraner Konzert aufgesprungen waren und daher kaum eigenes Publikum in die Halle gezogen hatten. Somit waren sie heute die mit Abstand poppigste Gruppe und boten mit ihren Emo-Gesangspassagen und Keyboard-Sounds gehörig Angriffsfläche für anwesende Traditionalisten. In Anbetracht dessen fielen die Reaktionen seitens des Publikums unerwartet wohlwollend aus. Grundsätzlich stellt sich aber schon die Frage, ob man bei einer Minimalspieldauer unbedingt ein langes Intro in sein Set einbauen muss. Die Amis zeigten sich jedenfalls von Beginn an sichtbar motiviert und bewegungsfreudig, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die älteren Stücke („White Walls“) wesentlich stärker sind, als die seichteren Nummern vom neuen „The Serpent“. Dennoch merkte man den erfreulich ungeschminkten Musikern an, dass sie ihren Auftritt durchaus als Herausforderung verstanden und mit ihrem sehr metallastigen Auftreten (Dauerheadbangen) gerade die Metaller im Saal ansprechen konnten. Dennoch war der cleane Gesang streckenweise einfach zuviel des Guten, zumal dieser in der Koproduktion vom Sänger und dem Gitarristen (der aussieht wie Ricky Martin) teilweise furchtbar schief erklang. Für Erheiterung sorgte aber das Herumgehampel vom hyperaktiven Keyboarder, der in seinen Pausen scheinbar nicht viel mit seinen Händen anzufangen wusste, als merkwürdige Gesten an die ersten Reihen zu richten. Zum Schluss wurde ihre Single „Stay Captive“ mit einem Schreipart angereichert und von Einigen im Publikum sogar jubelnd erkannt. Dennoch blieb nach dem Auftritt ein etwas fader Beigeschmack zurück, da der eingeschlagene Weg der Gruppe, nicht überall auf Zustimmung treffen wird.
Ganz anders hingegen PARKWAY DRIVE, die zur Zeit enorm an Popularität und Zustimmung gewinnen. Schließlich schafft es kaum eine Gruppe derartig glaubwürdig (Death) Metal mit Hardcore zu verbinden und vor allem im HC-Lager durch eine konsequente Haltung zu gefallen. „You will not be served while smoking“ hieß es bei ihnen am Merch-Stand, was von den Meisten auch brav eingehalten wurde. Und nachdem die beiden Bühnenaufsteller fachgerecht platziert waren, erschienen die Musiker recht zügig, um die angefüllte Halle zum bersten zu bringen. Denn während es bisher lediglich einen kleinen Pit vor der Bühne gegeben hatte, setzte sich rasch der gesamte vordere Hallenbereich in Bewegung. Die Australier hatten einfach einen guten Tag erwischt, sprühten vor Spielfreude und sammelten viele Sympathiepunkte. Sänger Winston fand gar nicht genug Worte, sich bei Veranstaltern und den anderen Bands für die gelungene Tour zu bedanken und forderte immer mehr Kids zum diven auf die Bühne auf. Ebendies wurde auch in aller Konsequenz (und teilweiser Brutalität a la Headwalking) ausgeführt, obgleich einige Diveereinlagen eher an Arschbomben im Schwimmbad erinnerten. Der sportliche Höhepunkt war folglich bei Turmspringen von den 2 Meter hohen Monitorboxen erreicht, was dem Mutigen sicherlich noch heute Schmerzen bereiten dürfte (warum springt er auch auf den Bauch und nicht auf den Rücken?). Die Musiker jedenfalls konnten komplett überzeugen und wurden auch in ihren technischeren Death Metal Momenten bestens vom Publikum abgefeiert. Der absolute Höhepunkt des Auftritts gipfelte natürlich in ihrem Debüthit „Romance Is Dead“, bei dessen Refrain die halbe Halle mit einsetzte. Für viele waren Parkway Drive sicherlich der berühmte „heimliche Headliner“ und das zu Recht: Ein super Auftritt… …an dem sich COMEBACK KID erst mal messen mussten. Wenige Tage zuvor hatte auch noch Bassist Kevin seinen Ausstieg verkündet, was man – wieder erwarten – so gar nicht an seinem Auftreten festmachen konnte. Im Gegenteil: Vor allem jener war im Einklang mit Shouter Andrew der absolute Aktivposten bei CK und schien die verbleibende Zeit noch so effektiv wie möglich nutzen zu wollen. Derweil wurden im Publikum die letzten Kraftreserven mobilisiert, was sich vor allem in einer bedenklich hohen Stagediveranzahl niederschlug. Sogar während den Unterbrechungen zwischen den Songs war ständig eine Gestalt im Sprung, was letztlich so grotesk wurde, dass sich am linken Bühnenrand eine Schlange sammelte, ähnlich wie bei einer Wasserrutsche. Sehr springfreudig waren auch die Musiker selbst, welche den Parkway-Aktionslevel sogar noch überbieten konnten. Allerdings ging von den Kanadiern eine wesentlich positivere Ausstrahlung aus, was schlichtweg durch ihre Message zu erklären ist. Der Querschnitt durch die letzten beiden Veröffentlichungen wurde von den Kids jedenfalls textlich detailgetreu rezitiert, gerne auch von den ersten Reihen direkt ins Mikro. So wenig innovativ CK aus der Sicht von Kritikern musikalisch auch sein mögen, so unbestreitbar energisch, effektiv und gut sind sie auf der Bühne. Natürlich hat sich das Warten auf „Wake The Dead“ gelohnt, welches mittlerweile beinahe einen „Gotta Go“ oder „Bro Hymn“ Status besitzt. In der angestauten Spannung wurde beim letzten Refrain des Abends kurzerhand die Bühne gestürmt und Kevin von Bandkollegen, den anderen Musikern und den Fans auf Händen getragen. Was soll man hier jetzt noch groß an Worten verlieren – die Never Say Die! Tour sollte ihren Namen jedenfalls unbedingt wörtlich nehmen! Mit Superlativen ist es ja immer so eine Sache, aber alleine von den starken Auftritten von PD und CK war das heutige Konzert in Münster – sicher nicht nur für mich - das vielleicht beste Hardcorekonzert des Jahres!
Info: www.comeback-kid.com /www.parkwaydriverock.com www.stillremains.com / www.cancerbats.com »
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