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 Phoenix live (Foto: EMI) (Sa. 04.11.2006, Live Music Hall) Vielfach sah man zweifelnde und fragende Gesichter vor dem Gig von Phoenix in der Live Music Hall. Die Elektro-Sounds der Pariser hatten der Band Ende der Neunziger zu einer veritablen Bekanntheit in der Club-Szene verholfen – inzwischen werden aber neue, pop-rockigere Pfade beschritten. War das jetzt ein Pop-Konzert, eine Rock-Show oder eine Elektro-Party? Die Antwort kam eindeutig mit fetten Brettern, verträumten Melodien und eingängigen Hooks aus den Boxen…
Bevor das „Geheimnis“ gelüftet wurde, gaben die Newcomer Fotos ihre Visitenkarte ab. Die Band, die jüngst ihren Erstling veröffentlichte, wird zur Zeit gnadenlos gehyped und mit anderen Bands verglichen und gefeiert - etwa als „die deutschen Bloc Party“ – was auch immer solche Vergleiche genau heißen sollen…
Die „Fotos“ sind tight, keine Frage, und kommen mit ordentlich Feuer im Arsch um die Ecke. Aber ja, auch wenn alle Freunde von Bands wie Tomte, die Sterne und Co. nun auf die Barrikaden gehen: allzu viel „Hamburger Schule“ bremst den Hüpf- und Schüttel-Faktor einer Rockband doch erheblich – wahrscheinlich gewollt. Die Kraft, die bei vielen Songs spürbar ist, wird so nicht vollends freigelassen.
 Phoenix live (Foto: EMI) Es fehlt an guten alten Hooklines, Refrains, die sich ins Ohr bohren, an die man sich noch erinnert. Ausnahme hier eindeutig der erste „Semi-Hit“ der Gruppe: „Komm Zurück“. Auch mit arg röchelndem Halspein-Krächzen kann man erahnen, dass der an diesem Abend Grippe-gebeutelte Sänger Thomas Heßler über eine Stimme mit Widererkennungswert verfügt – und absolut Frontmann-tauglich ist. Musikalisch sind die vier Jungs aus Hamburg, Köln und Wuppertal wirklich großartig, sie haben und machen Spaß – auch wenn die Mischung aus Hamburger Schule und ewigem Franz-Ferdinand-Schlagzeuch-Stakkato die meisten Songs doch recht verwandt klingen lässt. Nichts desto trotz: Fotos sind eine wirklich gute Live-Band – auch auf Grippostad C!
Dann also Phoenix, Kritikerlieblinge, Club-Helden – und die wohl einzige französische Pop-Band, die es wagt, englisch zu singen. (Vielleicht auch nur die einzige, die dem Autor bekannt ist – Beschwerden bitte an den SMASH-MAG.com-Webmaster…). Mit Elektro-Pop und tanzbaren Club-Hits wie “If I ever feel better” ist die Band um die Brüder Christian Mazzalai und Laurent Brancowitz, die aus dem Umfeld der Sound-Tüftler von Air stammt, Ende der Neunziger zu einem gefeierten Club-Act avanciert. Nur am Rande: ihren gefeierten Beitrag zum Soundtrack von „Lost in Translation“ kann man jedoch getrost unter der Kategorie „Vitamin B“ abhaken – ist Frontmann Thomas Mars doch „zufällig“ der Freund von Regisseurin Sofia Coppola…
In den letzten Jahren haben sich die Mannen aus der französischen Hauptstadt - der Autor hatte tatsächlich kurz über den üblen Wortwitz „poppige Pariser“ nachgedacht - immer mehr weg vom Elektro-Pop hin zum Rock bewegt. Das im Mai erschienene dritte Studioalbum „It's Never Been Like That“ ist astreiner Indie-Pop, nur an wenigen Stellen schimmern die elektronischen Wurzeln noch durch. Die Songs sind dabei von einer beeindruckenden – wohl nur Franzosen eigenen - Lässigkeit geprägt – man könnte auch sagen: viel passiert auf dem Album nicht wirklich. Tracks zum Relaxen und Cocktails trinken.
 Phoenix live (Foto: EMI) Ein völlig anderes Gesicht zeigen Phoenix live. Bei beinah alle Songs werden Weichspüler und Bremse weggelassen. Wer es nicht besser wüsste, könnte meinen, die Studio-Band Phoenix und das Live-Erlebnis, das die Live Music Hall beschallt, könnten nie und nimmer dieselbe Combo sein. Klingt das Instrumentalstück „North“ auf der Platte noch wie eine gemütliche Fahrt durch eine laue Sommernacht im Süden Frankreichs, steigert sich die Nummer live zu einer Achterbahnfahrt durch den Pariser Berufverkehr. Immer schneller, rau, mit fetten Gitarrenbrettern. Chapeau!
Ebenfalls großartig: „I'm An Actor“ – ein wahnwitziger Song im 7/4-Takt. Klingt so schräg und hinterher, dass bekommt keine Band ungewollt hin. Auch die noch älteren Titel wie „Everything ist Everything“ oder „Run, Run, Run“ werden im Live-Gewand noch besser. Und Frontmann Mars ist gleichzeitig umwerfend charmant – auf einem Rockkonzert als begeistertes Publikum mit „Merci beaucoup“ umgarnt zu werden ist doch was feines – auf der anderen Seite aber auch mit der nötigen Portion Coolness und Arroganz gesegnet, die ein amtlicher Rockstar braucht – immer jedoch eine Nummer galanter als der Straßenkind-Charme vom ollen Liam G….
Tipp: Wer das „zweite Gesicht“ der französischen Indie-Popper kennen lernen will, sollte in jedem Fall zum 2004er-Live-Album „Live! Thirty Days Ago“ greifen, und die trotz heruntergefahrenem Elektro-Anteil immer noch recht schmeichelnden Sounds der Studio-Alben umfahren. Oder einfach zum nächsten Konzert pilgern!
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