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TEGAN AND SARA: Lach- und Sachgeschichten PDF Drucken E-Mail
Konzerte - Aktuelle Konzerte
Geschrieben von Felix Neumann   
Dienstag, 11. März 2008

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Tegan Quin...
(10.03.08, Köln, Gloria) Montagabend, das Gloria Theater mitten in Köln, große Vorfreude, ein ausverkauftes Konzert und unzählbar viele weibliche Fans – das kann fast nur heißen, dass heute die kanadischen Erfolgszwillinge Tegan und Sara Quin spielen. Im Gepäck haben die Schwestern fünf Alben, darunter auch ihren jüngsten Geniestreich „The Con“. Der Ruf einer brillanten Live-Combo mit großartigen Entertainerqualitäten eilt den sympathischen, jungen Damen voraus. Am Ende des Abends ist die Menge sehr glücklich, so viel darf schon verraten werden. Aber spulen wir etwa drei Stunden zurück:

 

Die New Yorker Vorband Northern State soll ab kurz nach 20 Uhr einheizen. Tut sie aber nicht. Man stelle sich drei junge Oberschülerinnen aus den 90er Jahren vor. Die Girls mögen Le Tigre und die Beastie Boys. Im Grundkurs Musik gibt ihnen ihr Lehrer eines Tages folgende Aufgabe: „Schreibt einen aussagekräftigen Text und tragt ihn in kreativer Art und Weise im Kurs vor.“ Die Mädels entscheiden sich zu rappen, weil das grad „sooo angesagt ist“. Nun ja, das Endergebnis kann sich wohl jeder ungefähr vorstellen. Und genau so klingen und wirken Musik und Performance von Julie, Correne und Robyn. Dazu noch eine ordentliche Portion Trash und fertig ist die Musik von Northern State. Vielleicht beim Schulfest, aber nicht hier und heute. Nach knapp 45 Minuten ist die Band fertig. Endlich!

Nach einer guten Viertelstunde Wartezeit und unter tosendem Applaus und hysterischem Gekreische betreten Tegan and Sara gegen 21 Uhr die Bühne. Tegan links und Sara rechts – aus der Sicht des Publikums. Direkt zu Beginn verfeuern die Quins gemeinsam mit ihrer Live-Band (Gitarrist Edward Gowans, Bassist Shaun Huberts und Drummer Johnny Andrews) eine handvoll Hits vom neuen Album „The Con“. Da wären zum Beispiel „Dark Come Soon“, „The Con“ oder „Burn Your Life Down“. Der Sound ist dabei und den Rest des Abends sehr gut ausbalanciert und lückenlos perfekt. Zudem merkt man, dass die Zwillinge ihrem zuvor erwähnten Ruf mehr als gerecht werden. Munter werden die Instrumente getauscht und es wird fleißig zweistimmig gesungen. Nicht eine Sekunde verliert einer der Protagonisten den Faden oder macht einen Fehler. Auch von Tegans Erkältung ist nichts zu hören. Nur eine Sache läuft nicht wie erwartet: Wo sind die berühmten Anekdoten und die fast schon obligatorischen Wortgefechte zwischen den Schwestern? Noch reihen die Kanadierinnen sehr wortkarg einen Song nahtlos an den nächsten. Nach „Like O, Like H” und „Are You Ten Years Ago”, zwei düsteren Elektro-Tracks von „The Con”, bricht Sara dann endlich das kollektive Schweigen und versichert dem Publikum seine „unglaubliche Attraktivität“. Alles läuft wie erwartet. Nach dem folgenden „Soil, Soil” ist dann auch das erste Mal Zeit für ein paar ältere Songs. Und zwar „Take Me Anywhere”, „Speak Slow”, „I Bet It Stung” und „So Jealous” – allesamt vom 2004er Album „So Jealous”. Spätestens jetzt dürfte auch der letzte Fan bemerkt haben, dass sich die Musik der eineiigen Zwillinge stark verändert hat: Von poppiger Leichtigkeit zu nachdenklicher Melancholie.

 

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...und ihre Zwillingsschwester Sara (Foto: M.Tils)

Beides klingt toll, beides passt zu Tegan and Sara. Die Erzählungen zwischen den Songs gehen weiter: Hier eine lustige Geschichte zum Kölner Dom, dort ein Spiel, in dem Tegan das Publikum auf eindrucksvolle Weise manipuliert und zu seltsamem Singsang anstiftet: „Johnny Five!“ Dann der emotionale und stark euphorisierende Höhepunkt: „Nineteen“, ebenfalls vom neuen Album. Das Gloria Theater bebt, wackelt und genießt. Viel Bewegung ist unter den Zuschauern an diesem Abend allerdings nicht zu erkennen. Größtenteils wird die Musik leicht nickend und wippend konsumiert, was wohl daran liegt, dass die nach eigener Aussage sonst so schüchternen Quins alle in ihren Bann ziehen. An diesem Abend passt alles. Nach vier weiteren großartigen Nummern geht das Set mit der letzten Single „Back In Your Head“ und der wunderschönen Ballade „Call It Off“ zu Ende. Aber bereits vor ihrem letzten Stück verraten die Zwillinge mit einem Augenzwinkern, wie der weitere Verlauf aussieht: „Das ist jetzt unser letzter Song, dann klatscht ihr wie verrückt und wir kommen ganz unerwartet für drei weitere Lieder zurück auf die Bühne.“ Gesagt, getan: „Fix You Up”, „I Know I Know I Know” und „Living Room” bilden die Zugabe, die das etwa 90-minütige Gastspiel von Tegan and Sara in Köln abrundet.

Wunderschön, einzigartig, lustig, sympathisch… Die Liste an passenden Attributen für diesen Auftritt ist endlos. Die Dankbarkeit, die Tegan, Sara und Band dem Publikum zeigen ist echt und aufrichtig. Gut, dass die Zwillinge vor einigen Tagen schon die nächsten Deutschlandtermine für dieses Jahr bestätigt haben.

Info: www.tegandandsara.com

Setlist:

Dark Come Soon
The Con
Relief Next To Me
Burn Your Life Down
Like O, Like H
Are You Ten Years Ago
Soil, Soil
Take Me Anywhere
Speak Slow
I Bet It Stung
So Jealous
Nineteen
Where Does The Good Go
Time Running
Walking With A Ghost
Hop A Plane
Back In Your Head
Call It Off
Fix You Up (Zugabe)
I Know I Know I Know (Zugabe)
Living Room (Zugabe)

» 6 Kommentare
1Kommentar von CHB am Dienstag, 11. März 2008 21:10
wie beim Paramore Konzert kann ich mich leider nicht so Recht mit deiner Kritik anfreunden. 
Northern State waren super! \\\"Better Already\\\" ist vom Sound her sehr ähnlich mit \\\"The Sounds\\\", eine schöne Elektro-Pop Nummer,übrigens ohne Rap. (das war der Song Nummer 5) 
Die Mädels waren sehr freundlich, haben sich nach dem Konzert viel Zeit für die Leute genommen und kamen auch gut an. Klar ein paar Nummern waren nur OK, da war einfach zu viel Rap dabei. 
Aber ich war sehr beeindruckt von der Band, die mir genauso gut gefallen haben wie Tegan & Sara. 
Schade, dass bei deiner Kritik NS so schlecht davonkommen, aber immerhin ist es ja nur deine Meinung und nicht wie es in Wirklichkeit war. 
 
lg
2Kommentar von cold_chardonnay am Mittwoch, 12. März 2008 07:07
Also ich kann mich meinem Vorschreiber hier nur anschließen. Mit dem Kommentar zu Northern State bin ich auch nicht glücklich. Ich kannte die Mädels vor dem Konzert nicht und war nachher ziemlich begeistert. Natürlich erinnert das an die Beastie Boys und sicher auch an Le Tigre, die Chicks on Speed oder sonstwas. Aber ein Problem sollte das doch nicht sein. Es muss ja nicht immer alles neu erfunden werden... 
Aber Meinungen dürfen ja zum Glück verschieden sein, daher ist es schön hier auch mal eine andere zu hören. 
Also schöner Artikel und insgesamt guter Review! Gibt einen guten Eindruck vom Konzert... 
 
Liebe Grüße.
3Kommentar von e_MM_a am Mittwoch, 12. März 2008 13:45
der bericht bei allschools hat mir auch irgendwie besser gefallen...
4"Dee" von Jay am Donnerstag, 13. März 2008 12:02
Obwohl die Vorband nicht unbedingt meinen Geschmack getroffen hat, fand ich sie trotzdem ziemlich gut und sie haben sich größte Mühe gegeben, das Publikum mitzureißen.. 
Ansonsten war das Konzert sehr gut (auch wenn hier erwähnt sein sollte, dass letztes Jahr in Köln, die beiden Mädels tatsächlich viel mehr erzählt haben) und die Stimmen wieder einmalig! Schade ist es tatsächlich, dass das Publikum sich auf das Kopfnicken beschränkt, da meine kleine 4er Gruppe mit der ich in der dritten Reihe stand 90min lang voller Leidenschaft getanzt haben. Wir wünschen und jedesmal, dass das Publikum endlich auch mal ein wenig mehr mitreißen lässt und sich auslässt. 
Zum Schluss sei erwähnt, dass nicht alle Mädchen ausschließlich ihre Augen auf Tegan und Sara gerichtet hatten sondern mindestens ein Augenpaar auf den Drummer Johnny gerichtet war. Nämlich meins. Auch hier war er nach dem Konzert sehr nett und hat mit mir eine bisschen geredet. Er hat sich tierisch über die Aufmerksamkeit meinerseits gefreut und nahm mein Lob dankend an. Die Jungs in der Band werden leider oft vergessen, aber nochmal hier offiziell sei erwähnt, dass sie super gespielt haben (und dabei gar nicht mal so schlecht aussehen...). 
Ich kann jedem nur ein Konzert empfehlen!!!
5Kommentar von terris am Sonntag, 16. März 2008 19:31
..ich hab schon lange nicht mehr so einen schlechten konzertbericht gelesen.
6Kommentar von indieaner am Sonntag, 23. März 2008 09:43
sooo verschieden sind die ansichten (die ungleichzeitigkeit der horizonte)....ich finde das ist ein äußerst gelungenes Review. Man muss ja auch nicht immer alles schön reden, was wirklich mies ist und das waren Nothern state nunmal.  
 
und was t&s angeht: d\\\'accord!
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