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 (Foto: Two Gallants) (13.12.07, Köln, Gebäude9) Yeeeha Freunde, heute ist Scheunenfest im Gebäude 9, die beiden Westküsten-Cowboys von Two Gallants sind in der Stadt, jene Jungs, die früher ganz bösen Hardcore und Punk gemacht haben und sich dann den eher traditionelleren amerikanischen Musikstilen zu gewand haben. Und ganz viele Western haben sie wohl gekuckt, Two Gallants haben in ihren Texten ein eigenes Universum geschaffen, in dem es um Verrat, Treue und das harte Los geht, ein Außenseiter zu sein.
Die guten alten Männerthemen also, wie man sie spätestens seit Jonny Cash kennt, aber diese Beiden sind ungewaschen und unrasiert, Western-core, quasi. Wo wir gerade bei amerikanischen Musikstilen sind, die haben Blitzen Trapper, die heutige Vorband, sehr gut verinnerlicht. Vieles, was in den letzten vierzig Jahren in den Staaten mit einer Gitarre, Schlagzeug, Bass und was da sonst noch kreucht und fleucht, angestellt wurde, findet man im Sound der Band aus Portland, Oregon wieder. Country, Sixties-psychadelica, ja sogar Grunge, wer gut hinhört und Lust hat, kann hier einiges entdecken. Der Vorteil bei so einer stilistischen Vielfalt ist, dass fast für jeden mindestens ein Song dabei ist, der einem gefällt. Jedenfalls ist das Publikum im ausverkauften Gebäude angetan, muss man sich mal intensiver mit beschäftigen, Gelegenheit dafür bietet das aktuelle Album Wild mountain nation, das kann man sich ja in der Umbaupause am Merch-Stand kaufen, denn in der Konzerthalle kommt Hip-Hop vom Band, ist ja irgendwie ganz lustig, passt aber zum heutigen Abend wie Vanilleeis zu Leberwurst. Das führt dazu, dass man noch ungeduldiger auf den Auftritt der Two Gallants wartet.
22 Uhr 30 kommen sie endlich auf die Bühne, Chelsea Jackson undAuggie Washington, dazu noch ein Schlagzeug und eine Gitarre, basta! Mehr gibt es nicht und mehr brauchen Two Gallants auch nicht, um 90 Minuten voller Intensität darzubieten, andere Bands bräuchten dafür eine ganze Wagenladung an Instrumenten und Effektgeräten. Einen kleinen Wehmutstropfen muss man heute allerdings wegstecken. Das Konzert in Köln findet ziemlich am Ende der laufenden Tour statt und man hat ein wenig den Eindruck, dass die Stimme von Chelsea Jackson schon einiges mitgemacht hat. Also schlägt er gesanglich nicht so über die Stränge, wie man das von den Alben kennt. Aber ansonsten, ganz großes Gefühlskino. So unterschiedlich das Publikum die Musik aufnimmt, mit geschlossenen Augen am Bühnenrand, oder als Einmann-moshpit mit kreisender Bierflasche, so abwechslungsreich auch die Musik. Was gleich bleibt, ist die Leidenschaft, mit der Two Gallants zu Werke gehen. Es gibt die ruhigen Momente, die so viel Sehnsucht und Niedergeschlagenheit vermitteln, dass man den Klos im Hals gerne willkommen heißt. Und dann gibt es noch den Dreck und den Rotz, Washingtons Schlagzeug überschlägt sich, beim Versuch, der Energie der Songs Herr zu werden, während Jackson seine Wut und Verzweiflung durch seine Stimmbänder schmirgelt. Intensiver kriegt man das auch nicht bei einem Punk-Konzert, „they gonna hang me, if i stay here, they gonna shoot me, if i run“, beschissene Situation, für wahr. Es ist beeindruckend, mit welch einfachen Mitteln Two Gallants so viel Wirkung erzielen, besonders das Zusammenspiel der beiden ist einfach großartig. Das merkt man bei den instrumentalen Zwischenparts, mit denen die einzelnen Songs bei den Konzerten verbunden werden, Two Gallant spulen nicht nur ein Programm runter, sie spielen mit den Songs, variieren die einzelnen Parts, entwickeln so die Songs auf der Bühne weiter: Diese Musik lebt. Das Konzert gipfelt schließlich in der Zugabe, die aus einem einzigen Song besteht, waves of grain, buchstabiere: S-E-H-N-S-U-C-H-T. Diese neun Minuten sind ein einziges Flehen nach Erlösung, „let u spray for rain“, aber dieser Song trägt in sich, dass dieses Flehen unbeantwortet bleiben wird, außer vielleicht von dem Einmann-moshpit( ihr erinnert euch), der herrlich betrunken mitgrölt, und verdammt, das stört nicht, das passt, das jagt einem sogar einen Schauer über den Rücken. Damit wird man dann auch in die Nacht entlassen, das war verdammt viel, was man heute Abend von zwei Musikern mitbekommen hat.
Info: www.twogallants.com »
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