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TELE: Wir brauchen nichts PDF Drucken E-Mail
Neuigkeiten - Aktuelle Nachrichten
Geschrieben von Jan Quiel   
Mittwoch, 21. Februar 2007
ImageBei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest haben sie mit "Mario" reüssiert, jetzt steht mit "Wir brauchen nichts" das neue Album der sechs Jungs von TELE in den Startlöchern. SMASH-MAG.com präsentiert exklusiv am heutigen Mittwoch den gleichnamigen Titeltrack des Albums auf der Webseite der Band. Unter www.telemusic.de könnt ihr euch das Stück bereits vor Veröffentlichung am Freitag anhören.

„Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen / daß immer nur Zeichen und nie Wunder geschehen“ – diese lakonische Einsicht im Refrain der ersten Tele-Single „Falschrum“ sprach im Herbst 2004 einer ganzen Reihe Rundfunkredakteuren aus der Seele und das Stück wird bis heute im Radio gespielt. Ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Band damit eine Visitenkarte geglückt ist, die sie als Komponisten von Popsongs mit Langzeitwirkung empfiehlt.

Neben den Radioresonanzen gab es für Francesco Wilking (Gesang & Texte), Martin Brombacher und Tobias Rodäbel (beide Gitarre), Patrick Reising (Keyboards), Stefan Wittich (Schlagzeug) und Jörg Holdinghausen (Bass, seit 2005 fest dabei) noch einige weitere Signale, auf dem richtigen Weg zu sein. So fand das dazugehörige Album Wovon sollen wir leben nicht nur in der Fachpresse, sondern auch im Feuilleton Beachtung und tauchte Ende 2004 in vielen Kritiker-Jahrescharts auf. Die Zeile „Es ist Musik aus der Fabrik und will mit dir beten“ aus „Wunder in Briefen“ kürte ein Journalist gar als beste Antwort auf die allgegenwärtige
Betroffenheitslyrik.

Bestand zur Anfangszeit der (1999 in Freiburg gegründeten) Gruppe der Zuhörerkreis vorwiegend aus Postrock-Fans, deren Interesse durch euphorische Rezensionen zum selbstvertriebenen (später bei Tapete Records unter dem Namen Tausend und ein Verdacht wiederveröffentlichten) Debütalbum geweckt wurde, so erreichten Tele mit dem 2002 vollzogenen Schwenk zu klaren Popsongstrukturen ein gemischteres Publikum. Die in der Spex-Besprechung zur 2003er EP gemachte Prophezeiung: „Ich sehe schon die Indiefamilie auf den Tanzflächen ihre Augen schließen, den Kopf in den Nacken legen und singen: »Kommst du heute Nacht in meinen Traum - sag ja, sag es laut.«“ aus dem Song „Now Now Now“ ging in Erfüllung.

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TELE (Foto: Frank Eidel)
Der Umzug nach Berlin war damals schon vollzogen. Um aber die Freiburger Zeit harmonisch abzuschließen, nahmen Tele ihr zweites Album noch im dortigen Mixdiemotions-Studio auf, das sie gemeinsam mit der Band Geschmeido aufgebaut hatten. Mittlerweile haben sich beide Formationen im Berliner Prenzlauer Berg ein neues Arbeitsumfeld geschaffen, in dem der Löwenanteil des neuen Tele-Albums entstanden ist. Einige Songs („Fieber“, „Hans“ und „Rio de Janeiro“) wurden im Studio von Patrick Majer (dem Wir-sind-Helden-Intimus, der bereits Wovon sollen wir leben abmischte) aufgenommen. Die restlichen Stücke auf Wir brauchen nichts entwickelten Tele aber - wie schon die Vorgängerproduktionen - in kompletter Eigenregie. Erst beim Mischen wurden Kapazitäten wie Jem (Virginia Jetzt!, Roman Fischer) und Peter Schmidt (u.a. Blumfeld) mit ins Boot geholt.

Davor verstrich kaum ein Monat, in dem Tele nicht auf Tour waren. Ob als Headliner in gut besuchten Clubs, auf Festivals oder als Support von Phoenix und Wir sind Helden: überall zeigte die Band, wie essentiell und unterhaltsam die Live-Umsetzung ihrer organisch gewachsenen Popsongs ist. Dies blieb auch dem Goethe-Institut nicht verborgen, worauf Tele im WM-Sommer 2006 für drei Wochen zu einer Reise durch sechs afrikanische Staaten eingeladen wurden. Die dortigen Erlebnisse, über die der Musikexpress auf vier Seiten berichtete, stellten die hohen Erwartungen noch in den Schatten: wie es allein schon mit Musik als Universalsprache gelingen kann, neue Freundschaften zu knüpfen, durften Tele gleich mehrfach erfahren.

Überhaupt: die Sprache. Nur wenige Texte hat Francesco schon abgeschlossen, wenn er auf die Riffs, Rhythmen und Piano-Intros seiner Kollegen reagiert - die meisten Gesangslinien entstehen erst während des Zusammenspiels. Da kommt es der Band zugute, dass es sich bei ihrem Frontman um einen schöpferischen, Poetry-Slam-erfahrenen Sprachkünstler handelt, um dessen beiläufige Sprechgesang-Ausflüge (siehe die erste Single-Auskoppelung „Mario“!) ihn so manch Vollzeit-Rapper beneidet. Zeugten bereits die dreizehn Stücke des letzten Albums von den weit gefächerten Vorlieben der Tele-Mitglieder, ist ihnen nun mit Wir brauchen nichts der Geniestreich geglückt, den Radius unterschiedlichster Einflüsse noch einmal zu vergrößern.
 
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