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Platten - Aktuelle Plattenkritiken
Geschrieben von Markus Tils   
Freitag, 10. Oktober 2008

Image(DIY) Wie leicht könnte man es sich machen und zu dieser EP einen Verriss schreiben. Post-Punk, kombiniert mit Indie, ach wie unoriginell. Hatten wir nicht schon At the drive In oder später Hot Water Music? Aber wisst ihr was? Arschlecken! Denn Casca aus unter anderem Koblenz haben an allererster Stelle ein überaus ordentliches Stück Musik eingespielt, welches in seiner Qualität eigentlich keine zwei Meinungen zulässt, Daumen hoch.

 

Natürlich ist die Verquickung frickelicker Gitarren, ausgestattet mit Widerhaken, und hymnischen Gesang nix neues. Aber wenn man das dann trotzdem macht, bitte wie hier. Casca beherrschen durchweg die Kunst, eine Ausgewogenheit zwischen musikalischen Können und Seele herzustellen. Die vertrackteren Parts der fünf Songs verkommen nie zum Selbstzweck, sondern sind dramaturgisch überzeugend in die Songs eingebettet. Eine der größten Schwierigkeiten bei solcher Musik ist es, den Eindruck von Kalkulation zu vermeiden.

Diese Klippe umschiffen Casca scheinbar mühelos, diese EP kommt von Herzen. Der Opener Watershortage zielt nicht auf den schnellen Aha-Effekt, in aller Ruhe entfaltet er Stück für Stück seine Größe, deren man sich als Hörer dann auch erst nach 4:22 voll bewusst ist. Nix für den schnellen Gebrauch, also. So verhält es sich auch mit den restlichen vier Songs, es gibt nicht unbedingt einzelne Momente, die herausragen, es sind die Songs in ihrer Gesamtheit, die überzeugen. Die durchaus ambivalenten Elemente der Songs ergeben ein vielschichtiges Ganzes, welches geschlossen wirkt. Ich glaube, das nennt man schlicht und einfach gutes Songwriting. Schön, dass das alles nicht zu verkopft rüberkommt, denn „Drowning Horseman In The Rearview Mirror“ ist beispielsweise ein Stück, vorrangig gemacht für Arsch und Beine, mitgrölen erlaubt und angebracht. Ungekröntes Highlight dieser EP ist sicherlich der abschließende Titeltrack, der noch einmal alle Stärken von Casca auf den Punkt bringt. Parolenartiger Sprechgesang wechselt sich mit einem erhabenen Refrain ab, bevor sich die Zeit genommen wird, die Gitarren mäandern zu lassen. Abgerundet wird der Song von einem mächtigen Post-Punk-Gewitter, ach ja, Platz für ein tief gestimmtes Klavier ist auch noch da. Aber wie gesagt, seinen Zauber entfaltet auch dieser Song erst so richtig, wenn man ihn in seiner Gesamtheit betrachtet. Hier haben wir es also mit gut zwanzig Minuten Musik zu tun, die die Musikwelt sicher nicht nachhaltig verändern wird, die einem aber mal wieder bewusst macht, wie schön diese Art Musik ist, die man schon seit jeher hört.

Info: www.myspace.com/planetcasca
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