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H2O: Nothing To Prove PDF Drucken E-Mail
Platten - Aktuelle Plattenkritiken
Geschrieben von Jan Laging   
Mittwoch, 2. Juli 2008

Image (Bridge9 Records / Soulfood)Auch wenn die Auflösung der H2O nie offiziell vollzogen wurde, hat man nicht unbedingt mehr mit einem weiteren Album der Band gerechnet; nicht zuletzt, weil der finale Longplayer "Go" von 2001 den Tiefpunkt der H2O-Karriere dargestellt hat. Aber die Szene hat sich verändert und man kann nicht unbedingt behaupten, dass sich die Belange nur positiv entwickelt haben. Daher ist es erfreulich und begrüßenswert, dass die integre Gruppe erneut ihren Senf zum heutigen Geschehen abgibt. Im Vergleich zu ihren (mittlerweile) zahlreichen Reunion-Kollegen, waren H2O mit ihrem energischen und melodischen Hardcore schon immer etwas Besonderes gewesen. Denn auch wenn sie - ähnlich wie Ignite - vom Härtegrad eher im Punkrock zu Hause wären, haben H2O besonders viele Anhänger im Hardcore-Lager, was nicht zuletzt auf ihre Nähe zu Sick Of It All zurückzuführen ist.

 

Glücklicherweise hat sich bei den Jungs musikalisch nicht viel geändert, wie der programmatische Opener "1995" von der ersten Sekunde an beweist: Zurück sind die großen Zeiten des Melodycores, in denen Fat Wreck und Epitaph noch das Maß aller Dinge waren. Nahezu euphorisch (und etwas wehmütig-nostalgisch) feiern H2O ihre Vergangenheit ab, in der vieles noch besser und einfacher war. Und weil sie wissen wo sie herkommen, haben sie halt "Nothing To Proove". Leider ist der Track mit Roger Miret etwas zu stumpf geraten und gehört mit dem folgenden "Sunday" nicht gerade zu den zwingenden Stücken des Albums.  

Zugleich wird ein nerviges Manko der Platte hörbar, da es die Band mit den Einspielern zwischen den einzelnen Songs völlig übertrieben hat. So durfte sich der kleine Sohn von Tad gleich drei Mal auf dem Album verewigen, worunter der Spielfluss von "Nothing To Proove" gerade bei mehrmaligem Hören etwas leidet. Wirklich nervig wird es vor allem nach dem finalem "What Happened", indem durch sechsminütiges Gelaber die Laufzeit der Platte nur künstlich erhöht wird. Weiterhin gut gemeint, aber etwas aus dem Rahmen gelaufen ist das "Featurn" auf dem Album, welches schon beinahe Hip Hop-Dimensionen annimmt: So sind unter anderem vertreten: Roger Miret, Freddy Cricien, Civ, Lou Koller, Kevin Seconds, Matt Skiba und Danny Diablo; auf den (viel zu wenigen) zehn Stücken!

Wirklich herausragend wird die quasi B-Seite des Albums mit den tollen "Fairweather Friend" und "Heart On My Sleeve", mit schöner Old School-Strophe und mega-einängigem Refrain. Außerdem sei die Straight Edge Homage "Still Here" erwähnt, welche den alten Spirit der Band exemplarisch aufleben lässt. Die große Hymne und erste Radiosingle ist aber ganz am Ende des Albums versteckt: "What Happened" rechnet offen mit der aktuellen Harcore-Fashion-Szene ab und könnte mit seinem Ohrwurm-Refrain zum neuen Hit der Band werden. Inklusive der Gastauftritte von Lou Koller und Matt Skiba (!) zeigt er die Band von ihrer besten Seite: Einerseits in der Vergangenheit verhaftet, klingt die Band immer noch frisch und hungrig genug, um sich auch 2008 durchbeißen zu können.

Problematisch an H2O ist allerdings der bisweilen recht penetrant erhobene Zeigefinger: "Früher war ja sowieso alles besser und so richtig real sind eh nur wir und alle die wir mögen". Beinahe jeder Song des Albums thematisiert in einer Form die (glorreiche) Vergangenheit ("1995", "Still Here", "What Happened") und reproduziert die "üblichen Textzeilen" (gerade das etwas platte "Nothing To Proove"). Interessanterweise hat gerade Chad Gilbert als Produzent für die Entstehung dieses Albums entscheidend mit dazu beigetragen, der mit seiner Hauptband New Found Glory auch nicht gerade die Ideale verkörpert, die H2O auf ihrem Album ikonisieren. Aber wenn es um die Kohle und persönliche Kontakte geht, werden Grundsatzdiskussionen wohl eher pragmatisch an die Seite gedrängt.

Ansonsten ist H20 ein sehr starkes Comeback-Album gelungen, welches mit drei, vier zusätzlichen Stücken und ohne das überflüssige Zwischengeplänkel gar ein Zwangskauf geworden wäre. Dennoch ist die Anschaffung sehr zu Empfehlen, am Besten auf einem der anstehenden Konzerte.

Info: www.h2ogo.com
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