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KAIZERS ORCHESTRA: Maskineri PDF Drucken E-Mail
Platten - Aktuelle Plattenkritiken
Geschrieben von Stephanie Schorre   
Samstag, 5. April 2008

Image (Petroleum Records/Sony BMG) Kaizers Orchestra legen mit ihrem vierten Album "Maskineri" ihr bislang eingängigstes vor, doch verwenden sie dabei keine einfachen Songstrukturen, denn dies war noch nie ihr Ding. Vielmehr stellen sie gleichsam den Grundschritt eines jeden, ganz individuellen Tanzes zur Verfügung und behalten diesen als Gerüst bei, vordergründig fast monoton, die perfekte Orientierung. Bevor es allerdings wirklich zahm wird, denn dies stünde ihnen nicht gut zu Gesicht, biegen die Norweger ab in wunderbare Melodien oder schlagen einfach einen Haken. Sie scheren aus und bieten Figuren an, mit denen man nicht unbedingt hätte rechnen können oder wollen. Die Songs sind immer einige Millimeter um das Erwartete versetzt, stets schräg genug, um zu irritieren, dann wieder catchy, um den Zuhörer abzuholen, mitzunehmen auf die bewährten kaizerlichen Pfade. Oder ist es genau umgekehrt? Steht da ein Gerüst aus einprägsamen, abwechslungsreich aneinandergereihten Parts, zwischen denen sie wild hin und her springen und zum Veitstanz aufspielen?

 

Mit neuen Ölfässern, neuer Marimba, neuem Label und neuem Sound, der erstmals nicht aus Bergen, sondern aus Berlin stammt, ist es auch Zeit, das Artwork zu verändern: Die Gasmasken, die auf "Ompa Til Du Dør" (2003), dem Wahnsinn von "Evig Pint" (2004) und dem Majordebüt "Maestro" (2005) zu sehen waren, kann man erst entdecken, wenn man die als Filmrolle gestaltete CD entnimmt und dann eine, nun, junge Dame zu Gesicht bekommt, die zwei Kameras wie Waffen trägt. Seid gewappnet! Düster, aber klar definiert und vor allem vollends zu erkennen zeigen sich die sechs Musiker auf dem Cover der von Mark Howard im Planet Roc aufgenommenen Platte.

Der eher irreführende Opener "Moment" weicht bald den ersten Gewalteskapaden von "Apokalyps meg", die einem ungebrochen, wenn nicht kraftvoller in "Volvo i Mexico" erneut begegnen, welches nicht nur wegen der eingestreuten Sounds besticht. Das Duett "Den andre er meg" mit Ragnhild Winterstø Røthing hält hingegen ruhigere Töne und ungewohnte Streicherarrangements bereit. Es folgen das fast klassische Kaizers-Stück "Bastard sønn" und der etwas holprige Titeltrack. "Toxic blod" zitiert alte Horrorfilme und nimmt mit einem UFO in die Vergangenheit oder alternativ aufs nächste Santana-Konzert. "9 mm" entwickelt seinen ganz eigenen Charme, doch endlich, endlich und darüber hinaus extrem sexy ist da die Single "Enden av november", auf die man sich bei jedem Durchlauf freut, nicht zuletzt wegen der klaren, so facettenreichen Stimme des Schakals Janove Ottesen. Ob melancholisch oder unheimlich, auch wenn man kein Wort Norwegisch versteht, so ahnt man doch, dass der November nicht gerade Gutes erwarten lässt. Die wunderbare, hymnische Ballade "Med en gong eg når bånn" täuscht wieder einmal darüber hinweg, dass sich die Texte der Herren Kaizer um Gewalt, Liebe, Tod und Teufel drehen. "Kaizers 115. drøm" zwingt dazu, den Albtraum mitzuerleben - live bitte einmal mit Theremin und Brechstange! "Ond sirkel" bietet den schrägstdenkbaren Abschluss mit unheilvoll nachhallendem Horn.

Insgesamt differenziert und umwerfend cool präsentieren sich die Herren Kaizer auf "Maskineri", das einen hervorragenden Einstieg in ihre skurrilen Welten ermöglicht und dessen Live-Umsetzung man sich nicht entgehen lassen sollte. Das Köln-Konzert wird übrigens aufgezeichnet und ab Mai zum Download und als DVD angeboten.

Info: www.myspace.com/kaizerso
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