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23.03.2010

THE PICTUREBOOKS: Artificial Tears

THE PICTUREBOOKS: Artificial Tears

(Noisolution/Indigo) Mama, ich habe Angst. Es ist ja immer wieder amüsant, wenn irgendwelche Leute behaupten, das Metal-Album xy sei besonders bedrohlich. Meistens ist es dann nur schnell und laut. Wie das mit subtil aufziehender Bedrohung wirklich geht, zeigt „Artificial Tears“, das zweite Album der deutschen Kapelle the Picturebooks. Es ist schon fast unverschämt, wie diese im Opener „I put a spell on you“ das Unheil langsam kreisen lassen, man rechnet von Anfang an mit dem Schlimmsten, dann aber nur schelmisch „buhh“ sagen und weiter ziehen. Der hier nur angedeutete Ausbruch wird aber mehr als genug nachgeholt, versprochen.

Denn was im Folgenden geschieht, ist eine Explosion an Intensität, die einem das ein oder andere Mal den Boden unter den Füßen wegzieht. Dabei immer vorhanden: eine unendlich präzise Rhythmusarbeit, die jeden einzelnen Song zielsicher durch das Fegefeuer navigiert. Das kann man erst mal grob unter Noise-Rock einordnen, als hätte der Black Rebel Motorcycle Club Trent Reznor dazu überredet, seine Endzeitvisionen mal mit normalen Instrumenten umzusetzen. Ach ja, hier steckt im Kern auch ganz viel Blues drin, der Rotzige, um genauer zu sein. Um noch mal auf das Thema Bedrohung zurückzukommen: diese wird von the Picturebooks s-e-x-y buchstabiert, man höre nur „I´m drawing Hearts on your Jeans“. Man hat dir gesagt, der Typ taugt zu nichts, das weißt du auch selbst, aber genauso gut weißt du, dass er dich kriegen wird und wohin das führt, nun sprechen wir nicht drüber. Es ist schier atemberaubend, mit welcher Lässigkeit diese Band die Apokalypse entfesselt oder auch nur andeutet, was fast noch beklemmender wirkt. Dabei verwendet sie eigentlich nur die Basics, Schlagzeug, Bass, Gitarre und einen Gesang, der über Leichen geht, mal säuselnd, mal kotzend, nie jedoch nur so nebenbei.

Diese Band geht aufs Ganze und nimmt den Hörer mit, beschaulich ist hier nichts. Das Wort Pop kann man erstaunlicherweise in diesem Zusammenhang trotzdem benutzen, „Sensitive Feelings all elctric“ ist da ein gutes Beispiel, aber dann bitteschön als grimmige Kampfansage, mit der Rasierklinge in die Stirn eingeritzt. Dieses Album ist zur schallenden Ohrfeige geworden. Adressiert an die Beschaulichkeit in der deutschen Musiklanschaft und an all diejenigen, die sagen: „Ach Musik? Da hör ich alles, was so im Radio läuft.“

Info: www.myspace.com/picturebooksthe

(Martin Makolies)


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