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02.08.2010

ANNUALS: Count The Rings

ANNUALS: Count The Rings

(Souterrain Transmissions) Ist es nicht schön, wenn aus dem nichts Liebe entsteht? Zunächst herrscht latente Überforderung. Da macht irgendeine Stimme zur Begrüßung auf Gothic, die Musik setzt ein, man denkt, man sei auf einer Mark Medlock Release Party gelandet und dann ein Refrain, der den Geist von Emo vor dem Ausverkauf in sich trägt. Zusammen macht das wunderschönen Pop mit Tiefgang und das ist nur der Anfang….der Anfang von „Count the Rings“, dem zweiten in Europa veröffentlichten Album der Annuals, einem quirligen Sechser aus North Carolina.

Den Begriff Pop legen sie eher weit gefasst, ähnlich den Flaming Lips, aus, das heißt dann gleichzeitig auch Tropicana und Prog, Orchester und Orchestergraben. Man fällt, man fliegt, man stampft, man hört „Hot Night Hounds“, bei „Springtime“ weiß man mal endlich, was Faust so beim Osterspaziergang gefühlt haben mag, die Hand in der Luft, die Träne im Knopfloch. Man wird von dieser Vielfalt an kompositorischer Raffinesse förmlich an die Wand gedrückt, erst mal. Denn man nimmt sich garantiert die Zeit, diese genialistischen Ausflüge ins Unermessliche immer wieder zu machen und beginnt, die Feinheiten zu verstehen. Die Stimme von Adam Baker, dem verzweifelten Teenager im Kreuzfeuer der Sinneseindrücke, bildet da den leicht verrückten aber zuverlässigen Reiseführer. Eine weitere Konstante, die bei einem Indie Pop-Album eigentlich wie ein Fremdkörper wirken müsste, hier aber einen unverzichtbaren Bestandteil darstellt, ist diese karibische Lässigkeit im Rhythmus, Strandgefühle an der grell ausgeleuchteten Bushaltestelle. Unvereinbar auf den ersten Blick, wie von Zauberhand aber homogen und das Logischste der Welt, also: lernen, Vampire Weekend! Zum Beispiel bei „Loxstep“, welches in tonnenschwerer Leichtigkeit sowohl das blonde Rasta Mädchen mit Fernweh zum Tanzen bringt, als auch den Nickelbebrillten Ironiker wissend lächeln lässt. Und irgendwo dazwischen wirst auch du mit einem seligen Grinsen mitwippen. Entspanntes Runterkommen mit „Turncloaking“ ist da fast schon notwendige Pflicht, ein einfach so da sein auf blütenweißen Bettlaken im Sommer. „Count The Rings“ ist ein Geschenk, die Besinnung auf die Freude im Schmerz, die Utopie des Alltages als Weltreise. Zauberhaft!

Info: www.myspace.com/annuals

(Martin Makolies)


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