
STUDIO GRANDE: Lass es uns trotzdem tun

(Smarten-Up!/R.D.S) Bei Musikfreunden, die mit deutschsprachigem Indie der letzten 10 Jahre vertraut sind, löst der Name Studio Grande ein Glänzen in den Augen aus. Diese Band hätte ganz, ganz groß rauskommen können, die ersten beiden Alben genießen erhöhte Wertschätzung. Nach 7 Jahren kommt jetzt also Album Nummer 3 und es ist nach wie vor formidabel, wie ungezwungen die Texte sprudeln, die Melodien fließen und der Rhythmus poltert. Alles unaffektiert und unprätentiös. Kai Brenner, Kopf der Band, kann sich in „Wo bist du jetzt?“ einen süffigen Spott nicht verkneifen, Studio Grande sind jedenfalls immer noch und wieder da. Das hier ist kein Spektakel, sondern einfache, herzliche Songs, deren randvolle Seele auch mal Arsch tritt. Ein Song wie „Dinge“ könnte so leicht verkitscht daherkommen, aber Brenner singt diesen Song mit stark eingebremsten Pathos, so dass eine unpeinliche Liebeserklärung entsteht. Die Gitarren erinnern an die glorreichen Frühneunziger, Grunge, Hamburger Schule, Studentenpunk. Überraschenderweise wirkt das immer noch frisch, nach all den Jahren. Genug Raffinesse besitzen Songwriting und Arrangements auf jeden Fall, man höre nur Bläser und Keyboards im Titeltrack, die sich an der melancholischen Schmuddelgitarre aufreiben, schöne Kombination. Hier merkt man, das Können äußert sich im kompositorischen Detail. Auch die eher schleppenden Songs, siehe „weil wir zu müde sind“, erzeugen eine intime, einnehmende Atmosphäre, lassen Erinnerungen an die epischen Nebelschwaden der Electric Soft Parade wach werden, mitunter nicht die schlechteste Referenz. Das Beste sparen sich Studio Grande dann tatsächlich für den Schluss, „Meine Stadt“. Die Majestät der trostlosen Urbanität in fünfeinhalb Minuten, damit ist alles gesagt.
Info: www.myspace.com/studiogrande
(Martin Makolies)








