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09.08.2010

ZOLA JESUS: Stridulum II

ZOLA JESUS- Stridulum II

(Souterrain Transmissions) Kalt, ganz kalt. Eine Wasserleiche stapft durch die zugefrorene Vorhölle, ihr Schritt wird von maschinenartigen Schlägen rhythmisiert, Streicher und Keyboards lassen einen Blade Runner Regen auf den Asphalt niedergehen, dazu eine Stimme, als hätten Nico und Kate Bush eine Meerjungfrau entführt, deren einziger Kontakt zur Außenwelt eine Brieffreundschaft zu Fever Ray ist.

Spannenderweise erzählt diese Stimme von den menschlichen Grundsätzlichkeiten, der Basis des Zwischenmenschlichen, „du bist nicht allein“, „am Ende wird alles gut“, „du kannst mir vertrauen“. Das wirkt in dieser unwirtlichen Klangumgebung wie ein reflexartiges Mantra, der letzte Strohhalm, Pathos aus der Tiefkühltruhe. Zu verdanken haben wir dieses außergewöhnliche Setting einer jungen Amerikanerin namens Nika Roza Danilova, die ganz bewusst auf ein minimales Spektrum an Stimmungen und Klangfarben setzt. So entsteht ein sehr geschlossenes Gesamtkonzept, welches aufgrund der hymnenhaften Melodien und der Überzeugung, mit der die Songs vorgetragen werden, wunderbar funktioniert.

Dabei ist „Stridulum II“ eine Neuauflage der EP „Stridulum“ plus drei neuer Tracks. Es ist schon ein wenig gruselig, wie sich diese doch irgendwie immer hoffende Stimme in einer post apokalyptischen Welt zu bewegen versucht, die in den Texten allgegenwärtige andere Person scheint verschwunden. Das ist dann fast schon der Stoff für einen heldenhaften Film, der letzte Mensch auf Erden oder so. Obwohl das Album wie bereits erwähnt in sich sehr geschlossen daher kommt, gibt es zwei Songs, die besonders herausragen.

Der Auftakt „Night“ fängt auf bestechende Weise den Moment des Aufstehens ein, unsere imaginäre Hauptperson bricht zu einer epischen Expedition auf, das hat etwas sehr Erhabenes, und wenn es mal eine Neuauflage für den „Highlander“ geben sollte( eine gute Neuauflage!), dies wäre der Soundtrack dafür. Das andere Prunkstück dieses Albums ist „Manifest Destiny“, welches die kämpferische Hymnehaftigkeit und das orchestrale Gewitter auf die Spitze treibt. Was „Stridulum II“ also hervorragend kann, ist, eine recht konkrete Welt im Kopf des Hörers zu erschaffen, die diesen dann auch so schnell nicht wieder loslassen wird.

Info: www.myspace.com/zolajesus

(Martin Makolies)


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